Das Museum als Selfie

  • Karola Schepp
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Gießen (gl). Als einen wahren »Täter im Feld Stadt und Metropole« kündigte Museumsberater Matthias Henkel den Berliner Ethnologen Prof. Wolfgang Kaschuba zum Abschluss der vier Veranstaltungstage des Stadt[Labor]Gießen an. Was der Direktor des Berliner Instituts für Integrations- und Migrationsforschung zum Thema »Die Stadt als Lebenswelt« zu berichten hatte, hatte zwar nur mittelbar etwas mit der aktuellen Diskussion um die zeitgemäßere Ausrichtung des Oberhessischen Museums zu tun, gab aber dennoch Denkanstöße, welche Voraussetzungen das »OHM« 2.0 erfüllen soll.

Gießen (gl). Als einen wahren »Täter im Feld Stadt und Metropole« kündigte Museumsberater Matthias Henkel den Berliner Ethnologen Prof. Wolfgang Kaschuba zum Abschluss der vier Veranstaltungstage des Stadt[Labor]Gießen an. Was der Direktor des Berliner Instituts für Integrations- und Migrationsforschung zum Thema »Die Stadt als Lebenswelt« zu berichten hatte, hatte zwar nur mittelbar etwas mit der aktuellen Diskussion um die zeitgemäßere Ausrichtung des Oberhessischen Museums zu tun, gab aber dennoch Denkanstöße, welche Voraussetzungen das »OHM« 2.0 erfüllen soll.

Kaschuba skizzierte die Entwicklung der Stadt von der reinen Arbeitsstätte mit möglichst autogerechter funktionaler Stadtplanung hin zu unserem heutigen Postulat an den städtischen Lebensraum als »offene, grüne Lebensfläche« und an eine »Rückeroberung der Stadtkultur«. Nach der »Festivalisierungs«-Welle der Siebzigerjahre, der »Institutionalisierung« der Kultur mit allein 1000 neu gebauten Stadtmuseen bundesweit in den Achtzigern richtete Kaschuba das Augenmerk auf die aktuelle »Mediterranisierung« des Stadtraums mit Strandcafés und einer zunehmenden Verlagerung des Stadtlebens in den öffentlichen Bereich – auch vorangetrieben von Migranten, Flüchtlingen und Touristen.

Seine Beispiele stammten zwar fast ausschließlich aus der Metropole Berlin, ließen sich jedoch auch durchaus auf die Situation in Mittelhessen übertragen. »Wir sind heute fast süchtig nach urbanem Leben, in dem neue Vorstellungen von Identität eine zentrale Rolle spielen«, formulierte Kaschuba. Dass dabei Interessenskonflikte der unterschiedlichen Gruppen entstünden, wenn etwa aus dem Hausbesetzer ein Hausbesitzer wird, sei keine Überraschung. Hier komme der Kultur als »Kitt der Gesellschaft« eine besondere Aufgabe zu. Das Oberhessische Museum könne entscheidende Impulse setzen, indem es die Stadtgesellschaft zusammenbringe und die Diskussion moderiere. Das Museum solle die Suche nach lokaler Identität unterstützen und müsse mit »heterogenen Bildern und multiplen Perspektiven« einen Raum schaffen, in dem sich alle vertreten fühlen werden. Das Museum als »eine Art Selfie«, also verbindendes Element zwischen dem Ich und seiner Umgebung, solle die »Subjekte der Gegenwart zusammenbringen, statt Objekte nur auszustellen«. (Foto: pm)

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