"Mundschutz: zumutbar und effektiv"

  • Siegfried Klingelhöfer
    vonSiegfried Klingelhöfer
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Prof. Ghofrani, wie stehen Sie zur Schulöffnung?

Ich habe selbst vier Kinder, von denen noch drei schulpflichtig sind. Die Gesamtinfektionszahlen rechtfertigen, dass die Schulen wieder öffnen. Die Schüler zählen in der Bevölkerung zu dem Niedrigrisikokollektiv. Deshalb stellt die Öffnung aus meiner Sicht kein unkalkulierbares Risiko dar. Wir haben ja auch von den anderen Risiken gehört, wenn die Schüler dauerhaft zu Hause bleiben. Das muss man abwägen. Wichtig ist eine so genannte Cluster-Isolation. Wo es sinnvoll ist, sollte es auch eine Maskenpflicht geben.

Sind Masken ein wirksames Mittel?

Ich glaube, die Maske ist eine der zumutbarsten und gleichzeitig effektivsten Methoden, Infektionen zu vermeiden. Absolut zumutbar! Dafür haben wir den Vorteil, langsam zum Alltag zurückzukehren und das Leben wieder zu genießen.

Ein wichtiger Faktor sind die Corona-Tests. Wie sicher sind die Ergebnisse?

Die Tests selbst sind mittlerweile an der Grenze zu nahezu 100 Prozent. Das Problem entsteht, wenn die Probe nicht richtig abgenommen wird. Da gibt es viele Anwendungsfehler, bei denen man möglicherweise das Virus nicht aufnimmt. Schaut man sich z. B. Fernsehberichte an, wo Corona-Abstrich-Stationen gezeigt werden: Da wird dann eher schüchtern vorne in der Nasenmuschel abgestrichen oder mal ein bisschen in der Wange, so wie man es bei einem DNA-Test machen würde. Dann ist klar, dass auf dem Tupfer mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Coronavirus vorhanden ist, obwohl der Patient es möglicherweise haben könnte. Ein Patient, der einen Abstrich bekommt, und sich danach nicht beklagt, dass es unangenehm war, der hat möglicherweise keinen korrekten Abstrich bekommen. Ein korrekter Abstrich durch die Nase bis an die Rachenwand ist unangenehm!

Man hört immer wieder von Nichtrisikopatienten, die schwer erkranken oder sterben.

Es gilt nach wie vor, dass es Risikopopulationen gibt. Das Risiko wird enorm durch das Alter und durch Vorerkrankungen gesteigert. Es gilt der Leitsatz, dass Jüngere und Kinder in aller Regel keinem hohen Risiko ausgesetzt sind, selbst wenn sie sich infizieren. Auch das gilt regelhaft. Aber es gibt Ausnahmen. Man muss sich davor hüten, dass diese Ausnahmen, die dann öffentlich kommuniziert werden, auf einmal im Kopf des Hörers, Lesers oder Zuschauers zur Regel mutieren.

Wie ist das Coronavirus einzuordnen im Vergleich zu anderen Erkrankungen?

SARS-CoV-2 wird nicht das letzte beunruhigende Virus sein. Wir haben auch eine besorgniserregende Menge bakterieller Erkrankungen, bei denen unsere Waffen immer stumpfer werden. Die zunehmenden Antibiotikaresistenzen und die daraus entstehenden Folgeerkrankungen stellen uns vor schwerwiegende Probleme. Wir haben parasitäre Erkrankungen wie Malaria oder Bandwürmer, die jeden Tag Tausende von Menschen töten.

Es ist also nicht so, dass nur Covid-19 uns großes Kopfzerbrechen bereitet. Aber es ist eine folgenschwere Erkrankung, an der wir beispielhaft lernen und Prozesse optimieren können. sk

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