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Verkehrswende-Aktion

Mundschutz-Radlerdemo auf Gießener Stadtring

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Auf Abstand und mit Mundschutz haben am Samstag knapp 100 Radfahrer für eine Verkehrswende in Gießen demonstriert. Für freie Fahrt auf dem Anlagenring sorgte die Polizei.

Gießen(mö). Es haben wieder mehr Geschäfte geöffnet, und unter anderem deshalb gibt es auch wieder mehr Verkehr in Gießen. Das war aber nicht der Grund für die beiden Demonstrationen, die am Samstagnachmittag durch die Stadt führten. Die Demos für eine andere Radverkehrspolitik und ein Comeback der Straßenbahn waren schon länger im Rahmen einer Veranstaltungsreihe geplant und blieben wegen der Corona-Pandemie als einzige Events übrig. Bei idealem Wetter nahmen trotz der widrigen Umstände - fast alle Teilnehmer trugen Mundschutz - an der gut einstündigen Umrundung des Anlagenrings knapp 100 Radfahrer/innen teil. Etwa die Hälfte waren Mitglieder von Initiativen aus Linden und Buseck. Einige waren auf Lastenrädern unterwegs.

Bei der Umrundung des Anlagenrings sorgte die Polizei für freie Fahrt auf den beiden inneren Spuren. Die Forderung nach einer dauerhaften Reservierung einer Spur des Anlagenrings für den Radverkehr hatte zunächst in der Klima- und dann in der Corona-Krise Fahrt aufgenommen. Dem Verkehrsmittel Fahrrad müsse endlich mehr Stadtraum zur Verfügung gestellt werden, hieß es. "Die Autos, die wir hier gerade fahren sehen, stehen die meiste Zeit des Tages irgendwo rum und verbrauchen Platz", sagte einer der Verkehrswende-Aktivisten bei einem der Stopps. Vor der Individualmotorisierung hätten die Kinder - wie zuletzt in der Corona-Krise - auf Straßen und Plätzen spielen können. "Dass es Spielplätze gibt, hat damit zu tun", sagte der Redner. Angesichts der vergleichsweise geringen Zahl an angemeldeten Kfz biete Gießen eigentlich gute Voraussetzungen für eine Reduzierung des umweltschädlichen Autoverkehrs. Das Problem seien die vielen Berufspendler, die keine vernünftigen Alternativen zum Auto hätten.

Hier kam das zweite Thema des Tages ins Spiel: der Aufbau eines regionalen Straßenbahnsystems. Für ein Comeback in Form einer Regio-Trambahn gingen später rund 50 Leute auf die Straße, in diesem Fall die Grünberger. Auf der östlichen Ausfallstraße soll nach den Vorstellungen der Aktivisten der Initiative Gießen autofrei ein Ast der Regio-Tram verlaufen. "Die Straßenbahn ist das leistungsfähigste und sauberste Verkehrsmittel überhaupt", sagte Jörg Bergstedt in seiner Auftaktrede auf dem Rathausplatz.

Straßenausbau nur mit Straßenbahn

Die Initiative sammelt derzeit Unterschriften für einen Bürgerantrag, der dem Stadtparlament vorgelegt werden soll. Kernforderung: Größere Straßenbau- und -sanierungsmaßnahmen in Gießen sollen nur noch im Zusammenhang mit einer Prüfung auf die Machbarkeit von Straßenbahnlinien geplant werden. Damit wollen die Verkehrswende-Aktivisten verhindern, dass die Option auf den Aufbau eines Straßenbahnsystems in den nächsten Jahren durch reine Autoplanungen zunichte gemacht wird.

Die Grünberger Straße steht im Fokus, weil der Magistrat im vergangenen Jahr angekündigt hatte, dass die Hauptverkehrsader ab dem Ludwigsplatz mittelfristig umgebaut wird. Für den Bürgerantrag werden rund 800 Unterschriften benötigt.

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