Edip Basmaci hat nur noch wenige seiner selbst genähten Masken auf Lager. FOTO: SCHEPP
+
Edip Basmaci hat nur noch wenige seiner selbst genähten Masken auf Lager. FOTO: SCHEPP

Mundnasenschutz nähen statt Kleider ändern

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
    schließen

Gießen(khn). Ein Mann drückt die Tür von Edip Basmacis kleinen Laden auf und steckt den Kopf hinein: "Haben Sie noch Masken", fragt er. Basmaci lächelt: "Nicht mehr viele. Welche wollen Sie?" Der 58 Jahre alte Gießener betreibt an der Walltorstraße eine kleine Schneiderei. Bis vor einem Monat hat er nur eines gemacht: Masken genäht.

Basmaci ist gut gelaunt - trotz des Lockdowns. Nicht falsch verstehen: Er strahlt nicht wegen des erneuten Herunterfahrens des öffentlichen Lebens im Land. Der 58 Jahre alte Mann ist einfach ein fröhlicher, höflicher Mensch. Dass er bald nichts mehr zu tun haben wird, stört ihn eher. "Dann sitze ich doch nur noch Zuhause rum."

Im April änderte sich das Leben von Basmaci von dem einen Tag auf den anderen. Plötzlich waren Alltagsmasken gefragt - und nicht mehr so sehr das Kürzen von Hosen oder Kleidern. Denn jeder Gießener muss seitdem - sobald er Bus, Bahn oder ein Geschäft betritt - einen Mundschutz tragen. Dies soll dazu beitragen, die Corona-Pandemie einzudämmen und Ansteckungen zu vermeiden. Etliche Unternehmen, Vereine, Initiativen und Privatleute fingen plötzlich an, provisorische Stoffmasken zu nähen, die zumindest etwas Schutz bieten.

Eigentlich sitzt Basmaci alleine in seinem Laden; nun musste ihm seine 46 Jahre alte Ehefrau Lema im Geschäft helfen. Neu für den Gießener war auch ein Teil seiner Kundschaft. Sonst sind es Menschen, die immer wieder zu ihm kommen, um Kleidung ändern zu lassen. Plötzlich kamen Kunden in seinen kleinen Laden, die er zuvor nie gesehen hatte.

Basmaci führt das kleine Geschäft seit 1991. Als der Schneider im Fernsehen einen Bericht über dieses merkwürdige Virus im Fernsehen sah, fasst er einen Entschluss: "Ich habe mir gedacht, dass wir in Europa bald Masken brauchen können." Also setzte er sich an seine Maschine und legte los. "Ich habe jeden Tag acht Stunden am Stück Mundnasenschutz genäht" erzählt er und schüttelt den Kopf. So als ob er es noch immer nicht glauben kann. Bis zu 60 Masken pro Tag habe er produziert. Vor allem die bunten seien bei den Kunden beliebt.

Seit vier Wochen jedoch hat er keinen Mundnasenschutz mehr produziert. Zum einen, sagt er, sei die Nachfrage in den vergangenen zwei Monaten zurückgegangen. Anscheinend sind die Gießener ausreichend ausgerüstet. Zum anderen hat sich die Marktsituation für die einzelnen Bestandteile geändert. Basmaci schüttelt wieder mit dem Kopf, als er erzählt, dass sich beispielsweise der Preis für Gummis, die die Masken halten, zum Teil verfünffacht habe.

Wie viele Masken Basmaci bis heute genäht hat, kann er nicht mehr sagen. Aber eine Charge ist ihm besonders wichtig: Die Stadt Gießen hatte 200 Masken geordert, um den Schutz auf dem Wochenmarkt zusammen mit den Beschickern anzubieten. Basmaci verkaufte sie für einen Bruchteil des Betrags, den er sonst genommen hätte.

Basmaci ist froh, dass er keine Corona-Hilfen in Anspruch nehmen musste und wünscht sich wie viele anderen auch, dass diese Pandemie endlich ein Ende findet. Er lächelt leise, als er sagt: "Ich hoffe, dass es nach den Impfungen so wird wie früher."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare