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Das Messegelände an den Hessenhallen ist als Standort für eine Multifunktionsarena im Gespräch. FOTO: SCHEPP

Standort Messegelände

Bekommt Gießen eine Multifunktionsarena?

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Bekommt Gießen doch noch eine Multifunktionsarena für Basketball und Veranstaltungen? Darüber denkt die Stadt ernsthaft nach, erklärt Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz im GAZ-Interview.

In Gießen gibt es Überlegungen, eine Multifunktionsarena mit den Gießen 46ers als sportlichem Hauptnutzer zu errichten. Als Standort ist das Messegelände an den Hessenhallen im Gespräch. Dies hat Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz im Silvesterinterview mit der Gießener Allgemeinen Zeitung bestätigt. "Wir müssen die Hallenfrage jetzt endlich einmal entscheiden", erklärte Grabe-Bolz, die zugleich Sportdezernentin ist.

Laut der SPD-Rathauschefin gibt es bereits eine fertige Machbarkeitsstudie der 46ers, die der Stadt aber als Entscheidungsgrundlage nicht ausreiche. "Diese Studie geht sehr stark von der Nutzung der Halle aus. Da wären wir als Stadt in vielen Rollen mit an Bord, als Investor bzw. Mitinvestor mit dem Land, als Mitbetreiber und Nutzer. Das alles wollen wir aber nicht sein", sagte Grabe-Bolz. Die Stadt habe deshalb - in Absprache mit den 46ers - entschieden, eine eigene Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, mit der vor allem die Aspekte "Vermarktung und Wirtschaftlichkeit" geprüft werden sollen.

Die Stadt würde als Standort eine Fläche an den Hessenhallen zur Verfügung stellen und habe die private Messegesellschaft als Betreiberin für die Multifunktionshalle vorgeschlagen, erläuterte die OB. Was den Neubau einer Halle in Gießen betrifft, stehe der Magistrat in Kontakt mit der Landesregierung und Ministerpräsident Volker Bouffier.

Investitionen in Osthalle nötig

Laut Grabe-Bolz besteht aber auch akuter Handlungsbedarf. So oder so müssten aktuelle Anforderungen der Basketball-Bundesliga hinsichtlich der Fernsehvermarktung erfüllt werden. Diese machten weitere Investitionen in die Osthalle erforderlich. "Wir wollen im kommenden Jahr als Stadt auch direkt mit der BBL reden und wissen, wohin die Reise geht und wie die Liga die Perspektive von Standorten in kleineren Städten wie Gießen sieht."

Im Interview würdigte Grabe-Bolz die Verdienste des scheidenden 46ers-Geschäftsführers Heiko Schelberg, der den Club auf eine finanziell solide Basis gestellt und die Hallenfrage zuletzt forciert habe.

Der Bau einer Veranstaltungshalle, um den 46ers eine Heimspielstätte anzubieten, die alle Anforderungen auch der TV-Vermarkter erfüllt, ist ein Gießener Dauerthema. Am konkretesten wurde so ein Projekt zu Beginn der 2000er Jahre, als ein Privatinvestor im Lindener Gewerbegebiet Lückebachtal eine Halle für bis zu 7000 Zuschauer errichten wollte und die Gießener Basketballer als Hauptmieter im Auge hatte. Die Stadt Gießen reagierte mit dem Ausbau der Osthalle auf eine Zuschauerkapazität von gut 4000, zudem klagte die Stadt Wetzlar gegen das Lindener Projekt, um die Rittal-Arena zu schützen. 2006 gab der Lindener Investor auf. Eine Klage aus Wetzlar wäre im Fall eines Gießener Projekts nicht zu befürchten, weil Gießen als Oberzentrum für eine Multifunktionsarena prädestiniert ist. Die mitentscheidende Frage indes, ob sich zwei privat betriebene Veranstaltungshallen in unmittelbarer Nachbarschaft auch rechnen, wird das städtische Gutachten beantworten müssen.

Das vollständige Silvesterinterview mit Oberbürgermeisterin Grabe-Bolz erscheint am kommenden Dienstag. Dann wird es unter anderem um den Verkehr, den Beschluss zum neuen Klimaziel, ihren Blick zurück auf zehn Jahre im Amt und den FC Gießen gehen.

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