Die Müll-Scouts suchen auch immer wieder das Gespräch, um für die Problematik zu sensibilisieren.
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Die Müll-Scouts suchen auch immer wieder das Gespräch, um für die Problematik zu sensibilisieren.

„Positive Resonanz“

Vermüllung in Gießen: Müllscouts ziehen Fazit – Aschenbecher „sehr beliebt“

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Die Umwelt-Scouts waren eine Reaktion auf die Vermüllung der Lahnwiesen im Zuge der dortigen Feiern. Jetzt endet das Projekt mit Blick auf den Winter zumindest vorerst. Was haben die Müllscouts erlebt? Und wie bewertet die Stadt den Einsatz?

Gießen – Kaum eine Wolke bedeckt den Himmel, die Sonne scheint und das Thermometer klettert noch einmal über die 20-Grad-Marke. Kein Wunder, dass der Stadtpark gut besucht ist. Überall in der Wieseckaue sitzen Grüppchen zusammen und genießen einen der letzten Spätsommerabende des Jahres. Auch Cathrin und Jonathan Altstädt sind in den Stadtpark gekommen. Allerdings nicht zum Entspannen. Als offizielle Umweltscouts wollen die beiden für die Müllproblematik sensibilisieren.

Im Juni und Juli glichen die Lahnwiesen morgens manchmal einem Schlachtfeld. An den Wochenenden feierten dort regelmäßig mehrere Hundert Menschen ausschweifende Parties. An den darauffolgenden Tagen waren die Wiesen mit Scherben, Müll und Zigarettenkippen übersät. Die Stadt stellte zusätzliche Abfalleimer auf, sie nahm aber auch die Dienste der Agentur »dreivorzwölf GmbH« aus Mainz in Anspruch, die sich um die Vermittlung von Umwelt- bzw. Müllscouts kümmert. Seit Mitte Juli sind sie in Gießen im Einsatz.

Rund 100 Tonnen Müll pro Jahr auf den Gießener Grünflächen

Cathrin und Jonathan Altstädt steuern den Skateplatz an. In ihren Umhängetaschen haben sie etwas, das von den Skatern schon sehnlichst erwartet wird. »Habt ihr diese Aschenbecher dabei?« Na klar, erwidert Jonathan Altstädt und fischt aus seiner Tasche einen mobilen Aschenbecher hervor. »Die sind sehr beliebt«, sagt der junge Mann, »pro Schicht verteilen wir bis zu 60 Stück.« Die Jugendlichen bedanken sich freundlich bei den beiden Müllscouts, die auch schon die nächste Gruppe ansteuern.

Richard Schnecking begleitet das Ehepaar Altstädt an diesem Abend ein kleines Stück. »Die Scouts sind freitags und samstags von 17 bis 21 Uhr immer in Zweiergruppen unterwegs«, sagt der Abteilungsleiter Grünflächen des Gießener Gartenamtes. Die Route führe durch den Stadtpark über den Christoph-Rübsamen-Steg den Fluss entlang bis zu den Lahnwiesen. »Wir hatten im Frühsommer wirklich sehr viel Müll in den Grünanlagen, deutlich mehr als im vergangenen Jahr«, sagt Schnecking und fügt an, dass jährlich im Schnitt 100 Tonnen Müll von den Grünflächen abtransportiert werden müsse. Ob es am Ende des Jahres mehr oder weniger sein wird, sei noch unklar.

»Fakt ist aber, dass sich das Müllaufkommen in den vergangenen Wochen deutlich reduziert hat«, betont Schnecking. Ob das an den Scouts liegt? Dieser Rückschluss sei nicht so einfach zu ziehen, schließlich habe die Feierei auf den Lahnwiesen unter anderem wegen der Öffnung von Kneipen und Co. merklich abgenommen. »Aber wir haben auf jeden Fall positive Resonanz erhalten.«

Gießen: Können „kleine Bürger“ wirklich so wenig ausrichten gegen den Müll?

Das können auch Cathrin und Jonathan Altstädt von sich behaupten. »Am Anfang haben meine Kommilitonen gesagt, sie würden das nicht machen aus Angst, auf die Schnauze zu kriegen«, erzählt der junge Mann lachend. Tatsächlich sei es aber nie zu einer brenzligen Situation gekommen. Im Gegenteil, betont Cathrin Altstädt. »Die Menschen sind alle sehr nett, egal ob jung oder alt.« Es sei auch schon vorgekommen, dass Flüchtlingsfamilien die beiden zum Essen eingeladen hätten. Das ist nur ein Grund, warum sie ihren Dienst so gerne erfüllen, sagt Jonathan Altstädt. Der Einsatz für eine gute Sache und dabei durch die Natur laufen zu können, gehöre ebenfalls dazu. Dass sie dafür auch noch bezahlt werden, mache den Einsatz noch reizvoller, auch für andere. »Wir werden bei unseren Runden oft von Leuten angesprochen, die auch Müllscouts werden wollen.« Laut Schnecking ist der Einsatz mit Blick auf den Winter aber vorerst beendet.

Neben den mobilen Aschenbechern haben die Scouts auch Mülltüten in ihren Taschen. Gerade wenn Gruppen beim Essen zusammensäßen, würden sie die Tüten anbieten. »Wir helfen dann auch schon mal mit, den Müll wegzuräumen, auch wenn es nicht zu unseren Aufgaben gehört«, sagt Jonathan Altstädt.

Gespräche führen aber schon. Und das machen die beiden unentwegt. Von einem Skater werden sie zum Beispiel in eine Unterhaltung über die Rolle großer Konzerne bei der Umweltverschmutzung verwickelt. »Da können wir als kleine Bürger doch wenig ausrichten«, betont er.

Mit Blick auf die globale Verschmutzung hat der Skater nicht unrecht. In Sachen Sauberkeit von Stadtpark Wieseckaue, Rübsamen-Steg und Lahnwiesen können die Gießener Bürger aber sehr wohl etwas ausrichten. Die Müllscouts unterstützen dabei gerne.

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