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Aygün Mucuk. (Foto: dpa)

Mordfall Mucuk

Mucuks Schwester: "Wünsche nichts mehr, als dass Täter gefasst werden"

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Vor einem Jahr wurde der Boss der Gießener Hells Angels erschossen. Eine Aufklärung ist bislang nicht in Sicht. Nun meldet sich Mucuks Familie zu Wort.

17 Schüsse sind es, die eine ruhige Gemeinde in Mittelhessen zum Tatort eines Verbrechens in der Rockerszene machen. Vor einem Jahr feuern mindestens zwei Schützen auf den Chef der Gießener Hells Angels, Aygün Mucuk. Er stirbt dort, wo die Rocker ihren Treffpunkt haben: auf dem Gelände ihres Clubheims in Wettenberg bei Gießen. Seit der Tat am 7. Oktober 2016 haben es Polizei und Staatsanwaltschaft mit schwierigen Ermittlungen zu tun, eine Aufklärung der Tat ist nicht in Sicht. Was auch mit der Persönlichkeit des Opfers zusammenhängt und mit dem Kodex unter Rockern.

Über 100 Hinweise Die Beamten haben bislang über 100 Hinweise bearbeitet und gehen jedem neuen Tipp nach. Sie befragten formell mehr als 60 Zeugen. Sie gingen an die Öffentlichkeit, präsentierten in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" ein Modell einer der mutmaßlichen Tatwaffen. Dennoch: "Eine heiße Spur haben wir nicht", sagt der Sprecher der Gießener Staatsanwaltschaft, Thomas Hauburger. "Das Opfer war privat und als Hells Angel deutschland- sowie europaweit vernetzt und hat sich durch seine Aktivitäten in beiden Bereichen viele Freunde und Feinde gemacht", erklärt Hauburger. "Deshalb ist es für uns Ermittler schwer, die konkrete Motivlage festzustellen." Der 45 Jahre alte Aygün Mucuk galt als Führungsfigur der türkisch geprägten Hells Angels aus Mittelhessen. Weil die Motivlage so diffus ist, wird noch immer "in alle Richtungen" ermittelt. Also sowohl innerhalb, als auch außerhalb des Rockermilieus. Wobei gerade die Befragungen in der Szene schwierig sind. "Rocker sind grundsätzlich nicht kooperativ gegenüber den Ermittlungsbehörden", sagt Sprecher Hauburger. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) verbietet "der Verhaltenskodex der Rockergruppierungen (...) ermittlungsfördernde Verhaltensweisen". Ermittler wissen: Zwei Waffen wurden verwendet Die Ermittler wissen mittlerweile, dass die Täter zwei Waffen verwendet haben, darunter eine ungewöhnliche  Maschinenpistole. "Die Waffe ist eine wichtige Spur für uns, weil sie in der Vergangenheit in Deutschland bei Straftaten sehr selten eingesetzt wurde", erklärt Hauburger. Sie sei ursprünglich in Osteuropa vertrieben worden.  "Es wäre für uns wichtig zu wissen, über welche Wege sie hergelangt ist." Aber auch dazu gebe es bislang keine Erkenntnisse. In der ZDF-Sendung zeigte Hauburger vor einigen Monaten neben der Waffe auch eine Tasche, in der diese möglicherweise transportiert wurde. In der Szene heißt die Tasche wegen ihrer auffälligen Form "Schweinchen". Das Clubheim der Rocker in Wettenberg gibt es mittlerweile nicht mehr. Bereits wenige Monate nach Mucuks Tod haben es die Hells Angels verlassen. Kenntnisse über ein neues Vereinsheim besitzt die Polizei nicht. Das Gießener Angels-Charter existiert nach Angaben des hessischen Landeskriminalamtes (LKA) aber noch. Es gebe auch einen neuen Chef: "Polizeilichen Erkenntnissen zufolge wird die Führungsrolle im Charter wieder ausgefüllt", teilt das LKA mit. Einen Namen nannten die Beamten allerdings nicht. Familie wünscht Durchbruch Neben der Polizei wünschen sich auch Eltern und Schwester von Mucuk endlich einen Durchbruch bei den Ermittlungen. Die Belohnung der Staatsanwaltschaft in Höhe von 10 000 Euro hat die Familie um 25 000 Euro aufgestockt. Auf die einstigen Rockerkollegen Mucuks ist dessen Schwester Dürüye nicht gut zu sprechen. Die Familie fühle sich im Stich gelassen, sagte sie gegenüber dieser Zeitung. "Viele seiner Freunde sind nicht mehr für uns da. Ich bin sehr enttäuscht." Der Tod ihres Bruders habe die ganze Familie traumatisiert. Viele seien in Therapie, ihre Mutter hätte zwei Herzinfarkte erlitten. Der Vater versuche, sich den Schmerz nicht anmerken zu lassen, aber auch er leide. Während die Staatsanwaltschaft noch in alle Richtungen ermittelt, steht für Mucuks Schwester zumindest eines fest: "Ich gehe zu 100 Prozent von einem Auftragsmord aus." Die Familie wünsche sich nichts mehr, als dass die Täter endlich gefasst würden.

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