Motto 2020: Luft anhalten

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Die Oberbürgermeisterin steht schwer unter Druck, der FC Gießen und die Woscht Anna sind gerettet, die Chinesen kaufen das US-Depot, im Seltersweg etabliert sich ein revolutionäres Geschäftsmodell und Greta ist mal wieder sauer. Unsere Seherin hat exklusiv für die GAZ erneut die Knochen geworfen. Nicht alles, was sie für 2020 vorhersagt, ist frei erfunden. Ehrlich!

Januar: Beim Neujahrsempfang des Magistrats kündigt Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg als Überraschungsgast an. Mit gut 40-minütiger Verspätung erscheint Thunberg im Atrium des Rathauses. Grund für die Verspätung: Die junge Schwedin hat in der Tiefgarage erst einmal die SUVs der Gäste gezählt. Ihr kurzes Grußwort beschränkt Thunberg auf ein grimmiges: "How dare you!?" Die 250 geladenen Gäste halten die Luft an.

Februar: Novum beim Fassenachtszug: In diesem Jahr bewegt sich der närrische Lindwurm nur auf dem Parkplatz des Badezentrums an der Ringallee. Grund: Die Gießener Fassenachtsvereinigung will damit die Rettung der Woscht Anna durch ihren Ehrensenator Peter Neidel gebührend feiern. Zur Hälfte der 50 Runden kommt es vor dem Imbisswagen zu einer kleinen Zeremonie. Neidels Bezeichnung wird erweitert um die Titel "Retter der Feinen und Groben, Bewahrer von Käsewurst und weichen Semmeln, Schützer von mittelscharfem Senf und gerösteten Zwiebeln". Neidel bedankt sich und lädt die Narren ein: "Nächstes Jahr dürft ihr durch meine Fahrradstraßen fahren."

März: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz scharf kritisiert. Grund ist ein gemeinsamer Konzertauftritt von Grabe-Bolz mit Fredrik Vahle. Dabei hatten die OB und der Liedermacher vor Kindern ihren bekannten Hit "Anne Kaffeekanne" gesungen. DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch: "Anne Kaffeekanne ist bekanntermaßen eine Vielfliegerin. Nichts schädigt das Klima mehr als Ritte auf dem Besenstiel." Für das Oberhaupt einer Stadt, die 2035 klimaneutral sein wolle, sei das inakzeptabel, erklärt Resch. Die OB könne es sich aussuchen: entweder Rücktritt oder Änderungen am Liedtext. Vorschlag der DUH: "Anne Kaffeekanne ist ’ne alte Umweltsau."

April: Großer Bahnhof in der Rathenaustraße: Nach eineinhalbjähriger Bauzeit und Sperrung wird die Straße mit dem neuen und achtspurigen Campusplatz wieder für den Autoverkehr freigegeben. Universität und Stadt sprechen von einem "Meilenstein" und einem "Aufbruch in eine neue Mobilität". Am nächsten Tag treffen sich alle wieder, um die Rathenaustraße feierlich zu sperren. Die Sperrung bis Jahresende sei ein "Meilenstein für die Verkehrsberuhigung des Ostviertels", heißt es jetzt. Für die Gäste des Spatenstichs gibt’s Schnittchen vom Vortag.

Mai: Riesenerleichterung bei den Gießener Fußballanhängern: Der zwischenzeitlich insolvente FC Gießen ist gerettet. Nach einer Serie von Benefizspielen, die den FC Bayern, Borussia Dortmund und den FC Liverpool ins Waldstadion geführt hatte, ist die Kasse des nunmehr schuldenfreien Regionalligisten wieder gut gefüllt. Der Erlös der Spiele sollte ursprünglich an soziale Einrichtungen gehen, aber das interessiert niemanden mehr. "Ich dulde keine blöden Nachfragen der vierten Macht im Staate. Hauptsache, es ist für einen guten Zweck", ruft der an die Vereinsspitze zurückgekehrte FC-Boss Jörg Fischer unter lautem Jubel im VIP-Zelt. Im September wird der wiedererstarkte FC Gießen zum Benefizspiel nach Frankfurt reisen, um der Not leidenden Eintracht zu helfen.

Juni: Skandal in der Stadtpolitik: Der Lokalpresse wird ein Video zugespielt, in dem Mitglieder des AfD-Kreisverbands auf einer Vorstandsklausur in einer Finca auf Ibiza zu sehen sind. Was die Herren nicht wissen: Bei der vermeintlichen Nichte eines ukrainischen Oligarchen, vor der die Vorstandsmänner bei Asbach-Cola mit ihren Umsturzplänen und schwarzen Kassen mächtig angeben, handelt es sich um eine "schorfe" Volonteuse der GAZ. Fortsetzung der "besoffenen G’schicht" folgt...

Juli: Gute Nachrichten aus der City: Für das Peek+Cloppenburg-Gebäude im Seltersweg gibt es eine Nachfolgelösung. Das Unternehmen Amazon will auf vier Stockwerken sein neues Konzept NGNK (nur gucken, nix kaufen) umsetzen. Auf 3000 Quadratmetern Guckfläche können sich Kunden Markenwaren anschauen, testen sowie anprobieren und die preisgünstigen Produkte in einem kuscheligen Internetcafé anschließend bestellen. Der BID-Verein Seltersweg ist begeistert. Geschäftsführer Markus Pfeffer: "Für uns zählen nur drei Dinge: Frequenz, Frequenz, Frequenz."

August: Stadtfest, Krämermarkt und Herbstmesse müssen abgesagt werden. Der gefürchtete Virus "Karussell Schorsch" hat das Computersystem der Stadtmarketing-Gesellschaft lahmgelegt. Der oder die Erpresser verlangen von der Marketing Gießen GmbH die Zahlung von 5000 Autoskooter-Chips. Ende des Monats nehmen die Ermittler den auswärtigen Schausteller Willi S. fest. Er wollte Rache nehmen, nachdem er keinen Standplatz auf dem Stadtfest erhalten hatte. Der Magistrat spricht von einer "niederträchtigen Seibert-Attacke."

September: Schlechte Nachricht für junge Familien: Das Stadtparlament hat die Windelsubventionen gestrichen. Da sich die Grünen mit ihrer Forderung nach einem Zuschuss bei Anschaffung umweltfreundlicher Mehrwegwindeln nicht durchsetzen können, wird auch der bestehende Zuschuss zum Kauf der Abfallsäcke für Einwegwindeln gestrichen. Für den rot-schwarz-grünen Magistrat ein wichtiger Schritt zur Gleichbehandlung der Bürger: "Wir behandeln alle gleich schlecht."

Oktober: Der Magistrat muss seine Pläne zum Ausbau der Kongresshalle endgültig begraben. Bei einem Bürgerentscheid sprechen sich 58 Prozent für den Erhalt des Kiosk am Berliner Platz aus. Damit sind alle Umbaupläne für die nächsten Jahre blockiert. Die Mehrheit der wahlberechtigten Bevölkerung war einem Aufruf der Bürgerinitiative Kiosk-Retter Gießen gefolgt. Sie hatte vor einer "dramatischen Unterversorgung der Bevölkerung mit Snickers, Cola Light und dem ›Goldenen Blatt‹ gewarnt.

November: Otto lässt die Bombe platzen: Nachdem der Konzern aus Hamburg sein Logistikunternehmen Hermes an den chinesischen Online-Handelsriesen Alibaba verkauft hat, bauen die Chinesen das Logistikzentrum Gießen zur Europazentrale aus. Mit an Bord als Dienstleister ist Huawei. Der Gießener Stadtteil Lödgen wird als erster Ort der westlichen Hemisphäre ans 5G-Netz angeschlossen. US-Präsident Donald Trump äußert sich bei Twitter traurig und enttäuscht, dass das einst ruhmreiche Depot der Amis in die Hände des Handelsfeinds aus dem fernen Osten gefallen ist. Trump kündigt Strafzölle auf Schlammbeiser-Bier und Kolter aus Gießen an.

Dezember: Nach den Eifersüchteleien des Vorjahres einigt sich die Stadtkoalition darauf, dass jede/r der vier Hauptamtlichen einen eigenen Weihnachtsmarkt erhält. Markt "Peter" findet weiterhin in der Fußgängerzone statt, Markt "Gerda" an der Lahn. Neu hinzukommen Markt "Astrid" auf dem Schiffenberg und Markt "Dietlind" in den Marktlauben. Der quengelnde Stadtverordnetenvorsteher darf als "Frankie das Rentier" zwischen allen vier Märkten hin- und herreiten und fairen Glühwein verkaufen. Der Erlös kommt der Stadt und dem Landkreis zugute, nachdem die Kosten fürs Gefahrenabwehrzentrum auf 107 Millionen Euro gestiegen sind. FOTO: SCHEPP

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