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Auf dem künftigen Gelände des Wohngebiets Philosophenhöhe (Motorpool) ist ein Lager für die nahe Baustelle am Trieb eingerichtet worden.

Aus Motorpool wird "Philosophenhöhe"

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Gießen (mö). Fast 70 Namensvorschläge hatten die Gießener im Frühjahr für das neue Wohngebiet auf dem früheren Motorpool-Areal der US-Armee gemacht, nachdem die Stadt dazu aufgerufen hatte. Die städtische Kommission für die Benennung von Straßen und Plätzen und der Magistrat haben nun eine Entscheidung getroffen: Philosophenhöhe soll das zwischen Grünberger Straße und Evangelischer Siedlung gelegene Gebiet künftig heißen. "Wir haben uns sehr schnell auf diese Lagebezeichnung geeinigt", sagte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz.

Praktische Folgen dürfte die Lagebezeichnung für die künftigen Bewohner des Baugebiets kaum haben, denn es wird keine Adressen mit der Anschrift Philosophenhöhe geben. Der Name, mit dem Bezug zum nahen Philosophenwald genommen wird, soll der allgemeinen Orientierung dienen. Insofern waren die Beschlüsse der Stadtregierung zu den neuen Straßennamen für das rund sieben Hektar große Gebiet eigentlich wichtiger. Die drei Straßen sollen nach Opfern der Naziherrschaft benannt werden.

Anna Mettbach als Namensgeberin

Anna-Mettbach-Straße: Die vor vier Jahren verstorbene Anna Mettbach geb. Kreuz war eine deutsche Sintezza und überlebte mehrere Konzentrationslager, im Alter von 16 war sie nach Auschwitz deportiert worden und überlebte nur, weil sie als "arbeitsfähig" eingestuft wurde. Vor 20 Jahren erschienen ihre Erinnerungen als Buch, immer wieder trat Anna Mettbach vor Schulklassen als Zeitzeugin des Naziterrors auf. Die Regel, wonach eine Straße erst zehn Jahre nach dem Tod nach einer Person benannt worden darf, wurde für Anna Mettbach gebrochen. "Ihre Bedeutung für die Nachwelt steht außer Frage", sagte OB Grabe-Bolz. Der Namensvorschlag war von der Ricarda-Huch-Schule gekommen.

Adam-Scheurer-Straße: Der Pädagoge war ab 1922 Lehrer in Gießen. Da seine Ehefrau Jüdin war und er sich weigerte, sich von ihr scheiden zu lassen, wurde er von den Nazis aus dem Schul- und Kriegsdienst entlassen, seine Frau nach Theresienstadt deportiert. Nach dem Krieg war er am Aufbau des Schulwesens in Stadt und Kreis Gießen wesentlich beteiligt und wurde 1981 erster Träger der Hedwig-Burgheim-Medaille.

Georg-Elser-Straße: Nach dem Hitler-Attentäter ist bereits die Erschließungsstraße für das frühere PX-Gelände der Amerikaner (Lidl/dm) benannt. Sie wird nun in den dahinter gelegenen gewerblichen Teil des Gebiets Philosophenhöhe verlängert.

Auch im Zusammenhang mit der Erschließung des Wohngebiets haben am Montag die von der Stadt angekündigten Arbeiten im Bereich Lincolnstraße/Fröbelstraße begonnen. Dort werden von den Mittelhessischen Wasserbetrieben und den Stadtwerken in den nächsten Monaten Versorgungsleitungen verlegt. Gesperrt worden ist deshalb der Spazierweg, der zwischen der Evangelischen Siedlung und dem Philosophenwald hinab zur Eichgärtenallee und in die Wieseckaue führt. Fußgänger und Radfahrer können auf die parallel verlaufende Straße Trieb ausweichen. Auf dem Gelände des Baugebiets ist an der Lincolnstraße ein Lager für Baumaterial und Gerät eingerichtet worden.

Colemanstraße im US-Depot

Beschlossen hat der Magistrat ferner die Namen für zwei weitere Erschließungsstraßen im Gewerbe- und Wohngebiet Am Alten Flughafen (US-Depot). Oberthema bleibt die Luftfahrt. Eine Zufahrt zum künftigen Otto-Logistikzentrum (früher AAFES) wird nach der afroamerkanischen Flugpionierin Bessi Coleman (1892-1926) benannt, eine weitere Erschließungsstraße wird Zeppelinstraße heißen. Über alle Namensvorschläge wird die Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung im September abschließend beraten.

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