Monate, die »ewig in Erinnerung bleiben werden«

Gießen (mö). Noch bewegt sich Gerhard Merz eine Woche lang im politischen Niemandsland. Landtagsabgeordneter ist der Vorsitzende der Gießener SPD nicht mehr, Direktkandidat für den Wahlkreis 18 ist er noch nicht.

Gießen (mö). Noch bewegt sich Gerhard Merz eine Woche lang im politischen Niemandsland. Landtagsabgeordneter ist der Vorsitzende der Gießener SPD nicht mehr, Direktkandidat für den Wahlkreis 18 ist er noch nicht. Nominiert werden für die Neuwahl des Landtags am 18. Januar soll er am kommenden Freitag. »Ich trete gerne wieder an«, sagte Merz gestern vor der Lokalpresse, vor der er eine Bilanz seines Kurzauftritts im Hessischen Landtag zog. Politisch könne die Bilanz nach Turbulenzen der letzten Monate nicht zufrieden stellen, persönlich durchaus, meinte Merz.

Der frühere Gießener Sozial- und Jugenddezernent räumte ein, dass kräftezehrende Monate hinter ihm liegen. Jahre wie 2001, als die SPD die Kommunalwahl und er seinen Dezernentenjob verlor, 2003, als er haarscharf das Oberbürgermeisteramt verpasste, und »erst recht das Jahr 2008 zählen doppelt und dreifach«, meinte Merz. Die »Wechselbäder« und »Kapriolen« der letzten zehn Monate habe er so nicht erwartet, obwohl das Wahlergebnis vom 27. Januar habe erahnen lassen, dass komplizierte Zeiten auf Partei und Fraktion zukommen würden.

Als »positiv« bewertete es Merz, sich als Neuling in der Fraktion eine Position erarbeitet zu haben, die wahrgenommen worden sei. Die macht Merz unter anderem daran fest, dass er als Redner für zwei sensible Debatten mit historischen Fragestellungen nominiert worden war. In der Sozial-, Familien- und Integrationspolitik habe er erste Duftmarken setzen können. Merz hofft, dass sich sein Einsatz am 13. Dezember niederschlägt, wenn die Hessen-SPD ihre Landesliste aufstellt. Dann will der Gießener vom seitherigen Platz 32 ein bisschen weiter nach vorne rutschen. Den Kampf ums Direktmandat im Wahlkreis 18 (Gießen-Stadt) gegen seinen CDU-Dauerrivalen Klaus Peter Möller gibt Merz trotz der miesen Umfragewerte für die SPD keineswegs verloren. Seinen scheinbar großen Vorsprung von 13 Prozentpunkten vor Möller relativierte er. »Wenn der eine nur fünf Prozent verliert und der andere fünf gewinnt, wird es schon ganz eng«, so Merz, der nicht davon ausgeht, dass er sich vom Zweitstimmenergebnis wird nennenswert abkoppeln können.

Nichts vorzuwerfen habe er sich im Umgang mit den vier Abweichlern in seiner Fraktion und insbesondere seiner Sitznachbarin Dagmar Metzger, die in Interviews selbst bestätigt habe, dass er zu ihr ein normales und kollegiales Verhältnis gepflegt habe. Auch von anderen Kollegen habe es gegenüber dem Quartett zwar »harte Äußerungen« gegeben, aber keine, »die Grenzen überschritten haben«. Zum Versuch einer Regierungsbildung unter Tolerierung der Linken meinte Merz: »Es war wohl doch eine kühne Hoffnung, das alles gegen die veröffentlichte Meinung machen zu können.«

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