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Moritz Heger las beim Literarischen Zentrum in Gießen.

Mönch mit Kutte und Smartphone

  • Marion Schwarzmann
    VonMarion Schwarzmann
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Ein Aufenthalt in der Benediktinerabtei Maria Laach hat Moritz Heger zu seinem zweiten Roman “Aus der Mitte des Sees„ inspiriert. Am Welttag des Buches begrüßt das Literarische Zentrum den Stuttgarter Autor live in Gießen.

Am vergangenen Freitag wurde ebenfalls der Tag des Bieres begangen. Was Moderator Nicolaus Webler aber nicht verrät: Der Schriftsteller hat sich am Vorabend seines 50. Geburtstags von der Schwabenmetropole auf die Reise in die hessische Universitätsstadt gemacht. Zu Gast bei einer digitalen Lesung beim Literarischen Zentrum ist Moritz Heger.

“Ein Kloster heutzutage ist offener und lebendiger, als man denken mag„, weiß Moritz Heger aus eigener Erfahrung. Mit seinen Schülern unternimmt der Gymnasiallehrer für Deutsch und evangelische Religion regelmäßig Ausflüge ins Kloster. Diese Klostertage kommen bei den Jugendlichen durchaus gut an, geben sie ihnen nicht selten starke Impulse. Und: “Man kann auch im Kloster Party machen„, schmunzelt Heger, “Mittelstufenschüler schaffen das.„

Sein Ich-Erzähler Lukas tritt bereits in jungen Jahren ins Kloster ein, weil er sich spüren will und seine Mitte sucht. In Andreas findet er einen gläubigen Weggefährten und Freund. Doch nach 16 Jahren tritt dieser aus dem Orden aus, heiratet und wird sogar Vater eines Sohnes im fernen Berlin. Lukas fühlt sich verraten, im Stich gelassen. Wut steigt in ihm hoch, und regelmäßig kühlt er sein Gemüt beim Schwimmen im See ab. “Sein tiefes Bedürfnis nach Berührung stillt er in dem rhythmischen Austausch mit dem Element Wasser„, erläutert Heger. Immer, wenn er Nachdenken will, geht Lukas zum Schwimmen. Bis ihn dort eines Tages die Begegnung mit Sarah - aus der Mitte des Sees kraulend - aus dem Konzept bringt.

Natürlich geht es auch ums Zölibat in diesem einfühlsamen Werk, aus dem Heger mit angenehmem Timbre einige prägnante Kapitel vorträgt. “Wir sind begeistert über die Bilder, die der Autor bei der Lesung in unseren Köpfen projiziert„, schreibt eine Zuhörerin im Chat, die zu dritt am Küchentisch bei einem Rosé den Abend genießt.

In poetischer Sprache schildert der Autor die Schönheit der Natur und den Alltag in der ehrwürdigen Abtei, in der es trotz aller strengen Regeln kleine Fluchten für die Mönche gibt. So managt der 38-jährige Lukas die Betreuung des Gästeflügels, die ihm immer wieder unverhoffte Gespräche beschert. Ein Mönch mit Kutte und Smartphone - heutzutage keine Seltenheit mehr, denn schließlich müssen die Glaubensbrüder mit der Zeit gehen, um sich selbst ernähren zu können.

Auszeiten ja, Mönch eher nicht

Dennoch plagen die meisten Orden Nachwuchssorgen - auch dies ein Thema in Hegers Roman, der bei Diogenes erschienen ist. Auszeiten hinter schützenden Mauern sind bei gestressten Städtern zwar gefragt, doch auf Dauer will dort wohl keiner leben. Hier lässt der Autor den neugierigen Lucian hinter die geheimnisvollen Klostermauern blicken, dem keine Frage zu peinlich oder direkt scheint.

14 heiße Tage im August umfasst Hegers tiefgründige Suche nach der Bestimmung im Leben. In wunderbaren inneren Monologen ist sein Protagonist Lukas auf dem Weg, zu sich selbst zu finden. Wer die ansprechende Lesung verpasst hat, kann sie bis 2. Mai auf dem YouTube-Kanal des LZG abrufen.

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