Lange bleiben die Türen des Hörsaals während der Sitzung des Fachbereichrats geschlossen. Der Gesprächsbedarf scheint groß zu sein. FOTO: KHN
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Lange bleiben die Türen des Hörsaals während der Sitzung des Fachbereichrats geschlossen. Der Gesprächsbedarf scheint groß zu sein. FOTO: KHN

Möbius mehrheitlich wiedergewählt

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Gießen(khn). Der Gesprächsbedarf muss groß gewesen sein bei den Mitgliedern des Fachbereichsrats des FB 05 der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Erst nach einer knappen Stunde verließ JLU-Präsident Joybrato Mukherjee am gestrigen Mittwochnachmittag den Hörsaal am Philosophikum I. Er hatte noch einmal vertiefend erklärt, warum er neben dem Amtsinhaber Prof. Thomas Möbius keine weitere Kandidatin für die Dekanwahl zulassen wird. Und es dauerte fast eine weitere Stunde, bis der Beirat abgestimmt hatte. Das Ergebnis: Möbius bleibt Dekan des Fachbereichs "Sprache, Literatur, Kultur"; für ihn stimmten acht Mitglieder, gegen ihn drei.

Deutliches Votum nach Querelen

Es ist ein deutliches Votum - und damit das Ende eines Konflikts, der den Fachbereich seit Monaten beschäftigt hat. Die Sondersitzung des Fachbereichsrats war nötig geworden, nachdem die erste Wahl Ende Juni ins Wasser gefallen war. Als es darum ging, die Stimmen abzugeben, hatten einige Mitglieder des Fachbereichsrats den Raum verlassen und so dafür gesorgt, dass das Gremium beschlussunfähig war. JLU-Präsident Mukherjee sagte auf GAZ-Anfrage, das Präsidium glaube nicht an ein geplantes Handeln.

Andere hingegen sehen das anders: Es rumore am Fachbereich, sagten Insider gegenüber dieser Zeitung. Zum einen habe Mukherjee eine zweite Kandidatin nicht zur Wahl zugelassen, und zwar die Sprachwissenschaftlerin Prof. Mathilde Hennig. Zum anderen gebe es durchaus Unzufriedenheit mit dem amtierenden Dekan, der den Fachbereich seit drei Jahren führt. Unter seiner Regie hat eine umfassende Strukturreform begonnen.

Die ist nötig geworden, weil der einst überlaufene Fachbereich mit den Fächern Germanistik, Anglistik, Romanistik, Slavistik und Angewandte Theaterwissenschaften immer mehr an Bedeutung verliert und die Zahl der Studierenden abnimmt. Der FB 05 war vor zehn Jahren - legt man die Studierendenzahlen zugrunde - der größte an der JLU. Mittlerweile ist er auf den fünften Platz abgerutscht. Im Wintersemester 2015/16 waren 4500 Menschen eingeschrieben, 2019/20 nur noch 3100. Um dem entgegenzuwirken, sind unter der Leitung von Möbius neue Studiengänge mit stärkerer Berufsbezogenheit konzipiert worden. Es ist wohl so wie in vielen anderen Bereichen auch: Wenn es große Veränderungen gibt, sind nicht alle mit dem neu eingeschlagenen Weg einverstanden. Das heißt nicht, dass Möbius auf verlorenem Posten steht; im Gegenteil: Mit großer Mehrheit hatte der Fachbereichsrat in der Junisitzung den Wahlvorschlag befürwortet. Jedoch stimmte das Gremium an gleicher Stelle ebenso deutlich für eine Gegenkandidatur von Hennig.

Reform soll weiter umgesetzt werden

Nur: Zwei Bewerber um den Dekanposten sind sehr, sehr selten. Mukherjee hatte gegenüber dieser Zeitung betont, dass seiner Meinung nach die Kritik nicht primär dem Präsidenten gelte, sondern den Bestimmungen des Hochschulgesetzes, das dem Präsidenten im Paragrafen 45 das Recht einräumt, einen Kandidaten abzulehnen. Mukherjee verwies darauf, dass es bei seiner Entscheidung nicht um die Ablehnung einer anderen Person gehe. Er setze vielmehr auf eine "Verantwortungskontinuität", sagte er.

Es sei sinnvoll, dass ein Dekanat unter der Leitung von Möbius nach der Studiengangsreform in den nächsten drei Jahren die Umsetzung betreue. Außerdem sei Kritik am Amtsinhaber bei ihm nicht angekommen. An der JLU sei es "Tradition", dass ein Kandidat vorgeschlagen wird, dem der Präsident im Sinne einer "doppelten Legitimation" gemäß Gesetz zustimmt, sagte der JLU-Präsident. Auch Möbius selbst hatte gegenüber der GAZ betont, er wisse nichts von Vorbehalten gegenüber seiner Person.

Nach der Wiederwahl des amtierenden Dekans verließen die meisten Mitglieder des Fachbereichsrates schnell den Hörsaal. Und Mukherjee betonte: "Ich freue mich, dass der Fachbereich 05 mit der heutigen Entscheidung des Fachbereichsrats seine Handlungsfähigkeit behält."

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