Natascha Lenz zeigt auf das Exponat, das sie den Besuchern der "Kunstpause" vorstellt. FOTO: SEG
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Natascha Lenz zeigt auf das Exponat, das sie den Besuchern der "Kunstpause" vorstellt. FOTO: SEG

Modetrends im Mittelalter

  • vonSebastian Schmidt
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Mittwochs um 12.30 Uhr sind viele Menschen in der Innenstadt unterwegs. Einige suchen nach einer kleinen Mahlzeit für ihre Pause, andere erledigen ihren Einkauf in den Läden oder auf dem Wochenmarkt. Vor dem Wallenfels’schen Haus haben sich elf Menschen versammelt, die ihre Mittagspause anders verbringen möchten. Nämlich mit Kultur.

Das Oberhessische Museum bietet einmal im Monat eine Kurzführung unter dem Namen "Kunstpause" an. Bevor die Führung beginnt, gibt es zuerst das gewohnte Corona-Prozedere. Beim Eintritt muss man seine Hände desinfizieren. Und wer seinen Namen und seine Adresse noch nicht im Internet angegeben hat, muss das jetzt nachholen.

Das passiert alles unter der Leitung von Natascha Lenz. Sie ist für die Museumspädagogik zuständig und übernimmt heute die Führung. Nachdem die Corona-Formalien geklärt sind, schickt sie die Gruppe die Treppe hoch in den ersten Stock des Museums.

Lenz stellt sich dort neben eine Vitrine mit der Aufschrift "Fränkisch"; die Besucher bilden einen Halbkreis - immer mit dem nötigen Sicherheitsabstand. "Wer weiß, was eine Fibel ist?", fragt Lenz in die Runde. Einige Besucher nicken, leises Gemurmel, aber eine hörbare Antwort gibt erst einmal keiner darauf. Lenz erklärt es aber ein wenig später: "Eine Fibel ist eine Sicherheitsnadel." Heute erzählt sie den Pausen-Gästen von einer ganz bestimmten Fibel des Museums. Diese sei in Gießen gefunden worden. In der Lindener Mark. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts sei dort Manganerz abgebaut worden. Dabei habe man dieses Fundstück entdeckt. Die Fibel stammt aus der Merowingerzeit, genauer gesagt aus dem Jahr 550 nach Christus.

Lenz erklärt dazu: "Heute wechselt die Mode bei H&M alle zwei Wochen. Früher hat das länger gedauert." Auf einen Zeitraum von zehn Jahren genau können Wissenschaftler das Alter der Fibel schätzen. Und zwar anhand des mittelalterlichen Modetrends. Die Fibel sei ein "Leitfossil". Forscher können durch sie auch die Funde um sie herum zeitlich einordnen. "Total praktisch", sagt Lenz.

Die Besucher hören ihren Erklärungen gebannt zu und stellen viele Nachfragen: Wo stammt das Material eigentlich her? Wie wird die Fibel denn befestigt? Die Mittagspause vergeht so noch schneller als die Modetrends bei H&M. Nach zehn Minuten geht noch keiner. (seg)

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