Wie für ein Modellhäuschen

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Der Neue Kunstverein Gießen zeigt eine Rauminstallation von Silke Brösskamp. Beim Pressegespräch vorab erzählt die Kölnerin gut gelaunt von ihrer künstlerischen Arbeit.

Der Ausstellungsraum ist gut gefüllt. Natürlich nicht mit irgendwas. Für die aktuelle Ausstellung beim Neuen Kunstverein Gießen hat Andreas Walther die in Köln lebende Silke Brösskamp gewonnen. Eine Künstlerin, die Räume mit ihrer Kunst besetzt – und zwar auf höchst eindringliche Weise.

Sie besucht die Ausstellungsorte vorab, nimmt die Atmosphäre auf, sucht nach Besonderheiten in Architektur und Geschichte. Sie fotografiert, fertigt Zeichnungen, baut Modelle des zu bespielenden Raumes und setzt ihre Skulpturen en miniature da hinein. Früher habe sie wesentlich mehr durchgeplant, heute könne sie sich während des Aufbaus eher auf die Situation vor Ort einlassen und spontan reagieren. Das sei wesentlich entspannter. Auch beim Pressegespräch wirkt sie trotz der noch zu erledigenden Aufbauarbeit locker und erzählt gut gelaunt von ihrer künstlerischen Arbeit.

Kulissencharakter

Am Kunstvereinsgebäude, dem ehemaligen Kiosk an der Ecke Licher Straße/Nahrungsberg, fasziniert auf den ersten Blick das massive Bruchsteinmauerwerk für einen eher kleinen Innenraum. Und doch ist es innen erstaunlich hell. Diesem Phänomen der Wuchtigkeit setzt sie ihre Installation entgegen, die ebenfalls wuchtig wirkt, wenn man direkt davorsteht. Doch beim Blick auf die Rückseite wird der Kulissencharakter sichtbar. Das hier Gebaute ist definitiv nicht für die Ewigkeit, das ist eigentlich fragil. Auch die in schräge Winkel zersplitterte Außenhaut der Installation zeigt dies.

Beim Anblick des ungewöhnlichen Gebäudes habe sie sich sofort an die Häuschen von Modelleisenbahnen erinnert gefühlt, erzählt sie. Auch der Blick auf die gegenüberliegende Seite der Kreuzung passt in ihren Augen dazu. Dort sieht sie überall kleine Rechtecke und angesetzte Elemente. Diese Wahrnehmung springt quasi über in den Innenraum, in ihre Installation. Diese ist gut von außen durch die Fenster zu betrachten, doch um die Rückseite zu erkennen, muss man die wenigen Schritte durch die Tür machen, die noch möglich sind. Ob wie geplant eine Bildtapete mit Landschaftsmotiv an die Rückwand kommt, das wusste sie beim Pressetermin noch nicht zu sagen. Es bleibt also spannend, wie es am Ende aussieht.

Silke Brösskamp wurde 1965 in Münster geboren. Dort studierte sie an der Akademie Freie Kunst bei Reiner Ruthenbeck und Katharina Fritsch. Seit 1997 erhielt sie zahlreiche Stipendien, hatte viele Ausstellungen, war zuletzt auch bei "Kunst am Bau"-Wettbewerben erfolgreich. Sie organisiert seit 2016 eine Diskussionsplattform mit Statements von und für Künstlerinnen in der artothek Köln, gemeinsam mit Nicola Schudy und Ulli Böhmelmann.

Und ja, sie arbeitet auch kleinere Objekte, die man kaufen kann, sagt sie auf Nachfrage. Das sind zum einen Zeichnungen, wie man ihrem jüngst erschienenen Buch entnehmen kann, das im Kunstverein ausliegt. Dafür hat sie Motive aus dem Alltag zu seltsamen Objekten mutieren lassen. Man fühlt sich wie zwischen Science Fiction und Maschinendesign versetzt. Sie erschafft auch Skulpturen im kleineren Format, die sie aus verschiedenen Materialien gestaltet und bemalt. Für die Kunstvereins-Edition hat sie ein reliefartiges Objekt ersonnen, das zugleich kompakt und gesplittert wirkt. (Fotos: dkl)

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