David Kowalak ist überzeugt, dass sich die Gießener in der Corona-Krise miteinander solidarisch zeigen müssen. FOTO: MAC
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David Kowalak ist überzeugt, dass sich die Gießener in der Corona-Krise miteinander solidarisch zeigen müssen. FOTO: MAC

Mitten in der Corona-Krise

  • Marc Schäfer
    vonMarc Schäfer
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Gießen(mac). Den Sprung ins Berufsleben hatte sich David Kowalak anders vorgestellt. "Ich wollte nach meinem Studium erst mal mit 20 Stunden pro Woche beginnen und nebenbei weiter studieren", sagt der 24-Jährige, der seit Anfang Februar in der Goethe-Apotheke als Apotheker beschäftigt ist. Vollzeit. Aus dem geplanten Warm-up im Job wurde nämlich nichts, denn plötzlich fand sich Kowalak selbst mitten in der Corona-Krise wieder.

Für den jungen Apotheker, der in Jena studiert und später an der dortigen Universität sowie in der Neuen Apotheke in Gießen sein Studium mit dem praktischen Teil abgeschlossen hat, ist die Corona-Pandemie natürlich nicht nur ungeplante zeitliche Belastung, sondern auch "eine aufregende Zeit". "Wenn man Pharmazie studiert hat, hat man jetzt auch die Verpflichtung, seinen Teil beizutragen, damit wir alle diese Herausforderung bestehen", sagt Kowalak. "Ich bin jung, ich habe keine Kinder, und ich habe keine Angst vor Corona. Daher ist es doch besser, ich mache diesen Job jetzt, als ein älterer Kollege oder welche, die Kinder haben, um die sie sich Sorgen machen müssen." Die Corona-Krise sei eben die Zeit für ein solidarisches Miteinander. "Ich bin froh, dass ich einspringen und helfen kann", sagt der Apotheker, der der Liebe wegen seine Heimat Görlitz im Osten verlassen und vor gut einem Jahr nach Gießen gezogen ist.

Im Rahmen seiner Praxiserfahrungen an der Universität hatte Kowalak in einem Labor mit resistenten Keimen zu tun. Das Wissen, das er sich dabei angeeignet hat, hilft ihm nun sehr im Umgang mit dem Coronavirus. "Als Apotheke, die sowohl von möglicherweise Infizierten, aber auch von sehr vielen Menschen aus den Risikogruppen aufgesucht wird, haben wir eine besondere Verantwortung", betont Kowalak. "Wir dürfen nicht bagatellisieren, aber auch keine Panik verbreiten. Sachliches Vorgehen ist jetzt sehr wichtig."

Als sich der Kundenstrom in der Goethe-Apotheke unmittelbar nach den Schulschließungen beinahe verdoppelte und die Kunden teilweise zu viert im Ladenlokal gestanden haben, sei ihm schnell klar geworden, dass man handeln müsse. Noch bevor beispielsweise Supermärkte die Eingänge kontrollierten, hatte sich die Goethe-Apotheke entschlossen, nur einen Kunden in den Verkaufsraum zu lassen. "Zusätzlich haben wir den Kunden die Tür aufgemacht, damit sie nichts anfassen müssen", erzählt Kowalak. Später kam ein großer Spuckschutz hinzu; Bargeld und das EC-Gerät werden mittlerweile vor jedem Gebrauch desinfiziert. Längst bietet die Apotheke Lieferungen an. Auch intern wurde einiges umgestellt. "Wir haben eine Art Schleuse errichtet. Im Laden arbeiten wir nur mit Handschuhen, im Büro ziehen wir die Handschuhe sofort aus. Alles, was wir mit Handschuhen anfassen, gilt als kontaminiert", sagt Kowalak. Die Angestellten wurden zudem in zwei Dreierteams aufgeteilt und arbeiten nun tageweise komplett getrennt voneinander. Ein Team von Dienstag bis Donnerstag, das andere von Freitag bis Montag. So könne man gewährleisten, dass die Apotheke selbst im Falle eines infizierten Angestellten die Versorgung der Kundschaft aufrechterhalten könne. "Wir haben nicht nur Corona zu meistern, wir müssen auch an die Kunden denken, die zum Beispiel Herzmedikamente, Blutdrucktabletten oder Insulin benötigen", sagt Kowalak.

Dass Apotheker derzeit nicht so sehr im Fokus stehen wie Pflegekräfte, Virologen und Ärzte, quittiert Kowalak mit einem leichten Schmollen. "Wir sind eine sehr zurückhaltende Berufsgruppe und fliegen etwas unter dem Radar." Aber die Kundschaft sei dankbar, dass sie da sind. "Das spüren wir - und das tut gut."

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