Monika Schütz (vorne) erleuchtet zum Abschluss der Führung den Teich im Akademischen Forstgarten. FOTO: CSK
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Monika Schütz (vorne) erleuchtet zum Abschluss der Führung den Teich im Akademischen Forstgarten. FOTO: CSK

Im mittelhessischen Märchenwald

  • vonChristian Schneebeck
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Gießen(csk). Nicht alles, was bellt, ist ein Hund. Gerade haben die sechs Naturfreunde den Akademischen Forstgarten am Schiffenberg betreten, da vernehmen sie ein mysteriöses Geräusch. Es ist kurz nach 21.30 Uhr am Samstag und bereits ziemlich dunkel im Wald. Fiffi, bist du das? Oder ist’s bloß das langsam, aber sicher aufziehende Gewitter? Weder das eine noch das andere, weiß Elke Hochgesand. "Auch Rehe und Füchse bellen", erklärt die Biologin den Teilnehmern der "Nachtschwärmer"-Führung von Lugena Natur und Bildung. Als Beweis spielt sie die Töne, im Jägerjargon nur "schrecken" genannt, mit einem Gerät noch einmal vor. Tatsächlich, die Rehe bellen.

Ob der echte Waldbewohner die Aufnahme gehört hat? Blicken lässt er sich jedenfalls nicht mehr. So bleibt die tote Hummel unter der Silberlinde, gleich neben dem Eingang, vorerst das größte zu bestaunende Tier. Ihr mutmaßlich tragisches Ende steht für ein weithin eher unbekanntes Phänomen: das sommerliche Hummelsterben. Während die Menschen erste heiße Tage genießen, verhungern die ökologisch so wichtigen Insekten mitunter massenhaft. Und zwar vorzugsweise unter Silberlinden. Wenn diese Bäume blühen, sei das übrige Nektarangebot nämlich sehr gering, sagt Hochgesand. Zahlreiche Hummeln suchten deshalb die Silberlinden auf - und erreichten sie entweder bereits geschwächt oder zögen in der Konkurrenz mit Artgenossen den Kürzeren.

Konkurrenz lautet auch wenige Meter waldeinwärts das passende Stichwort. Hochgesand referiert nun über Füchse und deren Hinterlassenschaften. Üblicherweise platzierten die Tiere ihre Losung gern an leicht erhöht gelegenen Stellen, etwa auf Baumstümpfen. Der Wind trage das Aroma, vor allem aber eine unmissverständliche Botschaft für Artgenossen, weit in den Wald hinein: Das hier ist mein Revier! Andererseits kommen manche Stellen schon aus rein pragmatischen Gründen kaum ernsthaft in Frage. "Welcher Fuchs hält seinen Hintern zum Beispiel freiwillig in einen Brombeerbusch?", fragt die Biologin ihr amüsiertes Publikum.

Kaulquappen und Molche

Weiter geht’s im Gänsemarsch, mit Taschenlampen den schmalen Weg entlang. Mal huscht eine Maus durchs Unterholz, mal wecken imposante Türkenbundlilien das Interesse der Gruppe. Hochgesand erzählt außerdem von ihrem "Respekt" vor Wildschweinen ("Die sind sehr durchsetzungsstark") und dem Unterschied zwischen Familie Rehbock und Familie Hirsch (Letztere spielt größentechnisch in einer ganz anderen Liga). Zwischendurch wandern die Blicke immer wieder gen Himmel. Petrus grummelt, aber er donnert nicht. Das Unwetter bleibt bis zum Schluss aus.

Vor dem großen Finale am Teich vereinigen sich die beiden anfangs gebildeten Exkursionsgruppen. Naturführerin Monika Schütz leuchtet schließlich ein paar Minuten auf das Gewässer, um den zwölf Wanderern diverse Kaulquappen und Molche sichtbar zu machen. Die allseits beliebten Glühwürmchen sind heute indes nicht zu erspähen. Unmittelbar vor der Verabschiedung, im stärker werdenden Regen, huschen dafür plötzlich andere Tiere durch die Szenerie: Fledermäuse, höchstwahrscheinlich auf dem Weg nach Hause. Denn: "Bei Regen sind die eigentlich nicht so aktiv", sagt Schütz.

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