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Wo am Dienstag noch Arbeiter mit Baumaschinen dominieren, erobern von Donnerstag an Artisten mit ihren Kunststücken die Bühne.

Mittelhessen grüßt mit Matsch

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Gießen (csk). Zur Begrüßung gibt es wenig Platz und ganz viel Regen. Die gut 30 Aufbauhelfer des Zirkus Flic Flac stören sich aber nicht besonders an den wahrhaft unangenehmen äußeren Verhältnissen, die sie momentan in Gießen vorfinden. Dafür bleibt auch gar keine Zeit. Was das Zeug hält, schuften die Männer seit Montagvormittag auf dem laut Geschäftsführer und Zeltmeister Uwe Struck "relativ engen" Gelände an den Hessenhallen - bei Wind und Wetter, gegen Kälte und Matsch. Am Dienstagnachmittag um kurz vor vier geht das imposante, 21 Meter hohe Hauptzelt bereits in die Luft. Bis zur mit Spannung erwarteten Premiere bleiben jetzt noch gut 48 Stunden, bis zur turnusgemäßen TÜV-Abnahme ungefähr 36.

Also immer mit der Ruhe, meint Struck in der Mittagspause. Alles laufe doch wie am Schnürchen. Dabei hatten die Logistiker und Bauarbeiter in den vergangenen Tagen gleich mehrere zusätzliche Herausforderungen zu meistern: Wegen eines TV-Drehs nach der letzten Show begann der Abbau am vorigen Spielort Bonn erst Sonntag mitten in der Nacht - und damit ein paar Stunden später als eigentlich üblich. Das Vorkommando konnte derweil in Gießen am Wochenende noch nicht richtig loslegen, weil der Platz vor den Hessenhallen durch einen Flohmarkt belegt war.

700 Tonnen Material transportiert

Seit Wochenbeginn transportieren zehn Zugmaschinen nun insgesamt 700 Tonnen Material aus dem Rheinland bis nach Mittelhessen. Mehr als 60 Auflieger müssen je 150 Kilometer per Pendelverkehr überwinden. Während 30 Mann in Gießen ein Zelt errichten, bauen in Bonn acht Arbeiter dasselbe Zelt ab. Gut, dass ihr Plan stets gleich aussieht: Sobald die Masten stehen, folgen Kuppel und Vorzelt. Thront das Hauptzelt über dem Platz, geht es an den Innenausbau mit Tribünen und Technik. Der Abbau erfolgt umgekehrt - und dauert mit 24 Stunden etwa halb so lange wie der Aufbau.

Mitten in diesem Trubel treffen die Artisten ein. Noch seien zwar nicht alle 35 vor Ort, erzählt Flic-Flac-Sprecherin Melissa Goll am Dienstag bei einem Rundgang über die Baustelle. Donnerstag gegen Mittag sollten sie aber spätestens vollzählig anwesend sein - entweder, um individuell zu proben, oder für eine letzte Konzentrationseinheit vor der ersten Show. Zu diesem Zeitpunkt werden Struck und sein Team längst für den nötigen Komfort im Containerdorf gesorgt haben.

Unter dem Platz verlaufe lediglich eine Stromleitung, erläutert der Experte einen typischen Vorzug des Gießener Areals. Das helfe, das Zelt mit 500 Erdankern rasch im Boden zu befestigen. "Mit dem Wasser gestaltet es sich hier leider wesentlich komplizierter", nennt Struck einen Nachteil. Offenbar ist das Gelände nicht nur schwach elektrisiert, sondern auch eher defensiv bewässert. Und 100 Crew-Mitglieder sowie 1500 Zuschauer sorgen nun mal für einen gewissen Bedarf.

Der Bedarf an Regenwasser scheint unterdessen fürs Erste gedeckt. Dienstag reiht sich eine Pfütze an die nächste. Mittelhessen begrüßt die Zirkuscrew bei ihrem dritten Gastspiel mit einem facettenreichen Matschparcours. Umso beeindruckender wirkt die Leistung der Aufbauhelfer. Jeder Handgriff scheint zu sitzen, keine noch so massive Stange wiegt zu schwer. Innen arbeiten die Männer im Halbdunkel, außen stehen sie hoch oben auf klitschnassen Zeltplanen, ohne das kleinste bisschen zu rutschen.

Warten auf den TÜV

Sobald die Flic-Flac-Hochburg wieder einmal steht, haben Struck und Co. ihre Arbeit getan. Gibt der TÜV grünes Licht, mache er sich direkt auf den Weg zurück nach Duisburg, sagt der Geschäftsführer. "Die nächsten Stationen planen." Für die Künstler, für Melissa Goll und das gesamte Team hinter dem Team geht es dann erst richtig los. Flac Flac freue sich auf das "tolle" Gießener Publikum, betont die Pressesprecherin. Die Kartennachfrage sei groß, für alle Shows könne man jedoch noch Plätze ergattern.

Von der Schufterei im Vorfeld werden die Besucher kaum etwas spüren, wenn sie ab Donnerstag zu den Hessenhallen strömen. Und der Matsch wird auch verschwunden sein. Schließlich haben die Aufbauhelfer bis dahin alle Wege mit Platten ausgelegt.

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