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Viele Autos, keine Busse - das ist das Verkehrsbild dieser Tage in Gießen. Foto: Schepp

Busfahrer-Streik

MitBus-Chef in Gießen: "Streik tut uns sehr weh"

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Der Streik hat den öffentlichen Nahverkehr in Gießen so gut wie lahmgelegt. MitBus-Geschäftsführer Mathias Carl äußert sich zu Forderungen der Gewerkschaft und Notfallplänen.

Herr Carl, der Landesverband Hessischer Omnisbusunternehmen spricht von einem skurrilen Streik, der eine "unnötige Eskalation" darstelle. Wie bewerten Sie die Verdi-Forderungen?

Der Arbeitgeberverband hat 15,5 Prozent mehr Lohn für die Busfahrer in den kommenden vier Jahren angeboten, seine Kompromissfähigkeit bewiesen und sich auf die Forderungen der Gewerkschaft zubewegt. Diese hält allerdings an ihrer ursprünglichen Forderung fest, die eine Lohnsteigerung um sage und schreibe 40 Prozent bedeuten würde. Natürlich wollen wir unsere Leute besser bezahlen und können auch die Forderung nach mehr Stundenlohn grundsätzlich nachvollziehen. Aber eine solch hohe Forderung können wir Unternehmen nicht stemmen. Insofern ist dieser Streik in der Tat eine nicht nachvollziehbare Eskalation an einer Stelle der Verhandlung, an der sich zumindest einer auf den anderen zubewegt hat, der andere aber wiederum keinen Millimeter entgegengekommen ist.

In Gießen steht der Stadtbusverkehr still und die Umlandbusse fahren. In Kassel ist es genau anders herum. Woran liegt das?

Die Beschäftigten der Verkehrsbetriebe in Kassel sind nicht zu dem Streik aufgerufen. Anders als bei uns in Gießen existiert in Kassel ein ungekündigter Tarifvertrag, der nicht bestreikt werden darf.

Warum fahren die Busse aus dem Umland und warum die Busse der MitBus nicht?

Es sind alle Mitglieder der Gewerkschaft Verdi zu einem Streik aufgerufen, die bei einem Unternehmen beschäftigt sind, das wiederum den Tarifvertrag des Landesverband Hessischer Omnibusunternehmer anwendet. Warum die Fahrer in den Bussen aus dem Umland dem Streikaufruf nicht folgen, kann ich Ihnen nicht sagen.

Im Gegensatz zu anderen Busunternehmen haben Sie einen Betriebsrat, respektieren Arbeitnehmerrechte. Ist der Streik im Grunde genommen ein Fluch der guten Tat?

Ich kann bestätigen, dass wir sehr viel für unsere Leute tun, damit ihnen die Arbeit so angenehm von der Hand geht, wie es eben überhaupt möglich ist. Unsere Mitarbeiter stellen schließlich unser größtes Kapital dar. Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, die Rechte von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu achten. Dazu gehört natürlich auch das Streikrecht, was uns und unseren Kunden zugegebenermaßen momentan sehr weh tut.

Der Streik ist vorerst unbefristet. Gibt es Notfallpläne?

Wir sind selbstverständlich bereit, den Busverkehr kurzfristig wieder aufzunehmen, auch mit einer kleineren Mannschaft und selbst einen Notfahrplan auf die Beine zu stellen. Hierzu brauchen wir allerdings unsere Mitarbeiter. Denn ohne eine nennenswerte Anzahl an Fahrerinnen und Fahrern können wir keinen Notfahrplan organisieren.

Welche Auswirkungen hat der Streik bisher?

Da unsere Busse nicht fahren, erhalten wir viele Anrufe von Kunden. Deren Fragen zielen in erster Linie darauf ab, wann wir den Betrieb wieder aufnehmen werden. Wir würden nur allzu gerne unseren gewohnten Service wieder anbieten. Über aktuelle Entwicklungen informieren wir über unsere Homepage, ebenso wie über die Homepage der Stadtwerke und natürlich auch telefonisch.

Wie reagieren Ihre Fahrgäste auf den Streik?

Die allermeisten Kunden sind trotz der schwierigen Situation freundlich und an der Information zur Situation interessiert, obwohl der aktuelle Streik für viele Kunden eine große logistische Herausforderung bedeutet. Wir sind unseren Fahrgästen auch sehr dankbar, dass sie im Großen und Ganzen so gelassen mit der Situation umgehen.

Mathias Carl ist Geschäftsführer der MitBus GmbH, einem hundertprozentigen Tochterunternehmen der Stadtwerke Gießen (SWG). Seit Oktober 2003 ist sie für den städtischen Busverkehr in Gießen und Umgebung verantwortlich. Der 50 Jahre alte Carl arbeitet seit 2000 bei den SWG und ist seit 2003 MitBus-Geschäftsführer.

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