Mit fingierten Rechnungen hat ein Buchhalter seinen Arbeitgeber, ein Gießener Autohaus, betrogen. SYMBOLFOTO: SCHEPP
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Mit fingierten Rechnungen hat ein Buchhalter seinen Arbeitgeber, ein Gießener Autohaus, betrogen. SYMBOLFOTO: SCHEPP

Angeklagter vorbestraft

Mitarbeiter prellt Gießener Autohaus um 16 000 Euro

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Mit fingierten Rechnungen zu seinen Gunsten hat ein 47 Jahre alter Gießener seinen Arbeitgeber - ein Autohaus - um über 16 000 Euro betrogen.

Es sieht nicht gut aus für den Mandanten von Rechtsanwalt Carsten Marx: Zum wiederholten Mal steht der 47 Jahre alte Gießener wegen des Verdachts auf Betrug vor Gericht. Und diesmal hat der deutsche Staatsangehörige die Gaunereien in seiner Bewährungszeit begangen; ihm drohen also mehrere Jahre Gefängnis. Deswegen holt Marx am Amtsgericht Gießen in seinem Plädoyers aus: Er spricht von Typen aus dem Wirtschaftssektor, die auf vier Kontinenten drei Frauen hätten, Unsummen an Geld unterschlagen würden und am Ende mit einer Bewährungsstrafe wegen eines Deals davonkämen. "Die gehen kaltblütiger vor als mein Mandant", sagt Marx, "und sehen den Knast nie von Innen."

Chef erstattet keine Anzeige

In ihrer Anklageverlesung wirft Staatsanwältin Dr. Daniela Trendelberend dem Angeklagten vor, zwischen November 2018 und Mai 2019 in 40 Fällen gewerbsmäßigen Betrug begangen zu haben. Als Angestellter eines Autohauses in einem Gießener Stadtteil soll er Rechnungen fingiert haben, sodass die Beträge auf seine zwei Konten überwiesen worden seien. Zu Beginn waren es noch niedrige Summen; später jedoch beliefen sich die Rechnungen auf über 1000 Euro. Der Gesamtschaden: über 16 000 Euro.

Der Mann war erst im September 2018 in dem Autohaus als Buchhalter eingestellt worden. Seine Kollegin erzählt im Zeugenstand, sie hätte sich mit ihm gut verstanden; es habe ein Vertrauensverhältnis zwischen ihnen gegeben. Im Mai 2019 sei ihr aufgefallen, dass die Kosten für Ersatzteile ungewöhnlich hoch gewesen seien, sagt sie. Deshalb habe sie nachgeforscht und sei auf fingierte Rechnungen gestoßen. Noch am selben Abend habe sie den Geschäftsführer angerufen, weil ihr die Unregelmäßigkeiten keine Ruhe gelassen hätten.

Gemeinsam hätten sie am nächsten Tag die Rechnungen noch einmal kontrolliert, den Betrug bemerkt und den Buchhalter konfrontiert. Der habe seine Taten schließlich auch zugegeben.

Der Geschäftsführer des Autohauses erzählt im Zeugenstand, er habe von einer Anzeige abgesehen; deshalb habe ihn ein Polizist auch als "nachsichtig" bezeichnet. Doch der Angeklagte habe bei einem Notar ein Schuldeingeständnis unterschrieben und dort versichert, das Geld zurückzuzahlen. "Mir ging es erstmal darum, dass der Schaden wieder beglichen wird." Doch dann hat ein Unbekannter Anzeige gegen den 47 Jahre alten Gießener erstattet - und die Ermittlungsbehörden auf den Plan gerufen.

Angeklagter ist polizeibekannt

Für die ist der Mann kein Unbekannter: Der Gießener ist bereits wegen Betruges und Urkundenfälschung verurteilt worden; mehrmals zu einer Geld- und zweimal zu einer Haftstrafe auf Bewährung. Die letzte Verurteilung stammt aus dem Jahr 2016 mit einer zweijährigen Bewährung. In dieser Zeit hat der Angeklagte das Autohaus betrogen. Deswegen plädiert die Staatsanwältin auf eine Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. "Er hat aus seinen früheren Taten nichts gelernt", betont Trendelberend.

Kein Wunder, dass Rechtsanwalt Marx versucht, alle Register zu ziehen. Er erzählt, dass sein Mandant zur Tatzeit unter einer Depression gelitten und sich mittlerweile psychologische Hilfe gesucht habe. Der zweifache Familienvater habe Schulden gehabt, aber seiner Familie in falscher Sicherheit wiegen und ihnen eine heile Welt vorspielen wollen. Deshalb habe er die Gelder seines Arbeitsgebers umgeleitet. "Er hat sich davon keinen Luxus gegönnt, sondern die laufenden Kosten gedeckt."

Als er aufgeflogen sei, habe er drei Jobs gleichzeitig angenommen, um die 16 000 Euro zurückzuzahlen. "Sieben Tage die Woche, rund um die Uhr", habe er gearbeitet - und so bisher über 5000 Euro begleichen können. "Er hat getan, was er konnte", betont Marx. Er plädiert deshalb auf eine erneute Bewährungsstrafe. Denn sein Mandant habe sein komplettes Leben umgekrempelt, müsse aber bei einer Verurteilung ohne Bewährung wegen des Bewährungsverstoßes vielleicht zusammengerechnet vier Jahre hinter Gittern.

Richterin Sonja Robe kann sich sehr gut an den Angeklagten erinnern. Sie war die Richterin, die den Gießener wegen Betrugs 2016 zu der Bewährungsstrafe verurteilt hatte. Nun sagt sie vier Jahre später: "Da ist keine Einsicht bei Ihnen, Sie hören nicht auf." Der Angeklagte habe einen hohen Lebensstandart gehabt, und den habe er auf Kosten des Arbeitsgebers halten wollen. Zwar sei der Mann geständig gewesen und habe etwa ein Drittel des Schadens zurückgezahlt. "Aber Sie hatten eine Chance, sich zu bewähren", betont sie. Und die hat der Mann nicht genutzt. Das Gericht verurteilt ihn deshalb zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren.

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