Wolfram ist Fan von dunkler Schokolade. FOTO: CG
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Wolfram ist Fan von dunkler Schokolade. FOTO: CG

Auf ein Eis mit… Wolfram

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Manchmal waren es fünf Stunden am Tag. Wie viel Zeit er insgesamt auf der Autobahn verbracht hat, um zu seinem Job nach Wiesbaden und zurück nach Hause zu kommen, hat Wolfram Hassel lieber nicht so genau ausgerechnet. Der Diplomphysiker, der als Softwareentwickler tätig war, hat immer gerne gearbeitet, doch ist der Preis für Pendler manchmal sehr hoch. Umso mehr genießt der 62-Jährige nun die Freiheit, das tun zu können, worauf er Lust hat. Mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, Natur und Landschaft auf sich wirken zu lassen, Vögel zu beobachten und zu fotografieren, ungewöhnliche Fotomotive aufzuspüren. Und da Wolfram in weiser Voraussicht bei seinen Touren immer etwas Kleingeld in der Tasche hat, legt er auch gerne mal einen Stopp ein, um ein Eis zu essen. Gerne dunkle Schokolade, aber auch Vanille und Pistazie gehören zu den Lieblingssorten. In Gießen und auch in der Umgebung gibt es viele Adressen, die man dafür ansteuern kann.

Ganz anders als früher, als es in den Dörfern noch keine Eiscafés gab, sondern der Bäcker welches zubereitete - wenn man Glück hatte. Wolfram hatte dieses Glück, er kann sich gut daran erinnern, dass er als Kind mit einer Glasschüssel losgeschickt wurde, um "Eis für alle" zu holen. Das kam aber nur zu besonderen Gelegenheiten vor, wenn die Familie Besuch hatte. Und später als Gymnasiast verbrachte er so manche Freistunde zwangsläufig in der Eisdiele, um die Wartezeit zu überbrücken - ein Schicksal, das er mit vielen Schülern "vom Land" teilte.

Alles lange her. Längst ist der Bub aus dem Westerwald in Gießen zu Hause, genauer gesagt in Kleinlinden. Stationen zuvor führten ihn unter anderem nach Mainz und Bingen - dort wuchsen seine vier Kinder auf - aber er hat auch schon in Berlin und Hamburg gelebt. War es zunächst eine pragmatische Entscheidung, seine Zelte in Mittelhessen aufzuschlagen, so verbindet ihn heute vertraute Zuneigung mit der Region - und natürlich mit seinen Menschen. Seine Frau Astrid und er schätzen nicht nur die Stadt, sondern auch den Gießener Freundeskreis.

Für Wolfram ist es kein Problem, die Zeit des Ruhestandes sinnvoll zu nutzen. Viel Freude hat ihm beispielsweise die Mitarbeit im Smartphone-Cafe des Caritasverbands gemacht. Dort bekommen Senioren Hilfestellung beim Umgang mit Smartphone oder Tablet. Abgesehen davon, dass es nette Begegnungen gewesen seien, hätten ihm die Aha-Erlebnisse der "Schüler" Freude gemacht. "Man sieht es ja, wenn es plötzlich Klick gemacht hat - das fand ich toll". Wegen Corona gibt es dieses Angebot, das im Pflegezentrum Maria Frieden stattgefunden hat, momentan nicht.

Derzeit beschäftigt Wolfram sich viel mit seinen Foto-Projekten. Mit seiner Leica hat er im letzten Jahr verborgene und bekannte Graffiti in der Stadt aufgenommen, momentan sind es Effekte von Schaufenstern, denen er per Kamera eine ganz besondere Aussage verleiht. Eisdielen und deren Strahlkraft waren bisher kein Thema für Wolfram - aber was nicht ist, kann ja noch werden. (cg)

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