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Rechenboot-Einsatz auf dem Schwanenteich.

Mit Rechenboot und Sandsäcken

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Die Algen haben den Schwanenteich im Griff. Rechenboot und Sandsäcke sind aber keine Dauerlösung für das Gewässer. Nur mit einer umfassenden Sanierung sei der Teich zu retten. Das sagt nicht nur die Umweltdezernentin.

Friedrich Schunke traute seinen Augen nicht, als er zu seinem Einsatz nach Gießen kam. »Ich hatte mit einigem gerechnet, aber dass sich das Ausmaß der Wasserpest hier so massiv zeigt, damit nicht«, sagte Schunke am Montag. Seit einigen Jahren kommt er mit seiner für Gewässersanierung zuständigen Firma aus Mühlheim am Main nach Gießen, um den Schwanenteich von Algen zu befreien. Diesmal wird er für die Mahd von Schmieralge und kanadischer Wasserpest am Ende fast zwei Wochen gebraucht haben. »Im Prinzip ist man gegen die Algen machtlos«, sagt Schunke. Grundsätzlich müsse man sie drei bis fünf Jahre in Folge regelmäßig aus den betroffenen Teichen entfernen, ehe sich ein langfristiger Erfolg einstellen könne. »In Gießen müsste man zudem endlich den Damm wieder auf Vordermann bringen und am Ufer große Teile des Bewuchs entfernen, um den Nährstoffeintrag zu reduzieren«, so die dringenden Empfehlung des Gewässerexperten. Auch die hohen Nährstoffgehalte der Fließgewässer, deren Wasser zur Erhaltung des Wasserstandes des Schwanenteichs genutzt werden, seien ursächlich für das jährlich wiederkehrende unansehnliche Algenproblem, sagt die Stadt.

Thema war der Schwanenteich auch am Dienstagabend im Bau- und Umweltausschuss des Stadtparlaments. Mario Berger von der BI Wieseckaue hatte eine Bürgerfrage an den Magistrat zum porösen Dammweg gestellt, zudem hatte die Stadtverordnete Martina Lennartz (Gießener Linke) beantragt, nach dem Vorbild von Bad Karlshafen gegen die Algenplage Wasserpflanzen einzusetzen. Dieser Vorschlag soll nun im Rahmen einer Sanierungsplanung für das denkmalgeschützte Gewässer aufgenommen werden, erklärte Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich. »Wir wollen den Schwanenteich als Denkmal und Naturraum erhalten«, sagte die Grünen-Politikerin.

Bis eine umfassende Planung vorliegt, muss sich die Stadt am undichten Dammweg, der den Teich und die Wieseck trennt, weiterhin mit »vorläufigen Sicherungsmaßnahmen« behelfen. Dazu gehört neben den Sandsackbarrieren und einer Teilsperrung auch eine Absenkung des Wasserspiegels, um den Druck auf den Damm zu minimieren. Was die letztgenannte Maßnahme bringt, lasse sich noch nicht überblicken, teilt die Stadt mit. Wie Weigel-Greilich erneut erläuterte, stellten einige der Bäume auf dem Dammweg ein Problem dar, weil ihr Wurzelwerk die Unterspülung begünstige. Fällen und die Wurzeln herausnehmen wäre aber mit dem Risiko verbunden, »dass der Damm bricht«.

Mit einer großangelegten Sanierungsplanung war Weigel-Greilich vor der Landesgartenschau 2014 am Widerstand der BI gescheitert, die für ein Bürgerbegehren tausende Unterschriften gegen den Schwanenteich-Umbau gesammelt hatte, woraufhin die Stadt auf die Umsetzung des »Projekts Bitterling« verzichtete. Weigel-Greilich hält das Konzept aber bis heute für fachlich richtig.

Auf Anregung von Lutz Hiestermann (Gigg/Volt) soll das Umweltamt in der nächsten Ausschusssitzung im September einen Sachstandsbericht zum Zustand des Schwanenteichs erstatten.

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