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Mit Lady Honeychurch im Bergwerk

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DSCF4518_140622_4c © Benedikt Hehn

Die Premiere der Führung »Glück auf! Gießener Bergwerksgeschichte(n)« am Unterhof war in Kürze bereits ausverkauft. Kein Wunder, gewähren Dr. Jutta Failing und Peter Meilinger bei dieser Kostümführung doch spektakuläre Einblicke in einen fast vergessenen Teil der Gießener Geschichte.

Wie aus der Zeit gefallen wirken die Kostüme von Dr. Jutta Failing und Peter Meilinger, die in ihren Rollen als Lady Honeychurch und Obersteiger Bauer zu einer Zeitreise in die Gießener Vergangenheit einladen. Genauer in das Jahr 1926, als der Bergwerkswald noch Bergwerk war. Lady Honeychurch ist dabei die Ehefrau eines schottischen Betriebsleiters, während Herr Bauer als Obersteiger die Aufsichtspflicht über die ihm unterstellten Bergleute hat. In einer unterhaltsamen Mischung aus Gästeführung und Theaterstück erzählt das ungleiche Duo die Geschichte des Tagebaus in Gießen, welche Gebäude aus früherer Zeit noch übrig geblieben sind und unterhält seine Zuhörer mit Anekdoten aus dem Leben von Arbeitern, die zum Nachdenken anregen.

In den 1840er Jahren suchte der Großherzoglich-Hessische Berginspektor August Storch nach Gesellschaftern, um die südlich von Gießen liegenden Eisen-Manganerzvorkommen abzubauen. Storch fand im Gießener Hofadvokaten Wilhelm Briel und dessen Schwager Gottlieb Metzler aus Löhnberg Interessenten, die die gesuchten Gesellschafter wurden. Das Gießener Bergwerk war geboren. Nur neun Jahre später gehörte das Gießener Bergwerk bereits zu den größten in ganz Deutschland.

Mondlandschaft und Naturschutz

Wo heute das Naturschutzgebiet »Bergwerkswald« liegt, klaffte damals eine »Mondlandschaft«, so Failing in ihrer Rolle als Lady Honeychurch. Die bestand aus bis zu 30 Meter tiefen Gruben und bot etwa 800 Menschen Arbeit. Im Lauf der Zeit kamen einige Innovationen hinzu, die die Arbeit erleichterten. 1879 wurde etwa eine Drahtseilbahn errichtet, die den Transport von rund 400 Tonnen abgebautem Material ermöglichte. Außerdem wurde in der Grube, die zu diesem Zeitpunkt den Namen ihrer Eigentümer - Fernie - trug, die erste Motorgrubenlokomotive Deutschlands in Betrieb genommen. Besonders angesehen war unter den Bergleuten auch Samuel Pascoe, der in seiner Rolle als Bergwerksdirektor etwa eine betriebliche Familienkrankenkasse einführte.

Lady Honeychurch und Obersteiger Bauer führten dann, die wundersamen Errungenschaften der modernen Welt bestaunend, vorbei an Arbeiterwohnhäusern, alten Nutztierstallungen, dem ehemaligen Anwesen des Markscheiders und weiteren denkmalträchtigen Häusern, die das Erbe des Gießener Bergbaus erhalten.

Auch das frühere Gesellschaftshaus des Bergwerks, das 1915 errichtet wurde, fand Beachtung. Der große Garten wurde von den Beamten und Ingenieuren des Bergwerks und ihren Familien einst für Feste und zur Erholung genutzt und als »Casino« bezeichnet. In den Nachkriegsjahren war es als »Bergschänke« bekannt und als erstes Tanzlokal mit beleuchteter Glasbodentanzfläche recht populär. 1957 ging es in Bundesbesitz über und beherbergte verschiedene Stellen der Zivilverwaltung der Bundeswehr. Es ist heute ein Studentenwohnheim.

Bockenheimer Gast der Premiere

Endstation der Führung war das Gelände von Werk 9, auf dem damals das Manganerz gewaschen und für die Stahlerzeugung und Baumwollbleiche aufbereitet wurde und auf dem heute das ehemalige Anwesen des bekannten Gießener Frauenarztes Dr. Schmidt steht.

Bedeutender Gast dieser erstmaligen Bergwerksführung war Dr. Philipp Bockenheimer, der die Geschichte des Gießener Bergwerks dokumentiert und die Informationen für diese Führung zusammengetragen hat.

Die Führung wird durch die Tourist-Information organisiert (tourist@giessen.de oder Tel. 0641/3061890), ist aber auch bei Dr. Failing unter Tel. 0173/3419345 direkt buchbar.

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oli_unterhof1_250322_4c_1 © Oliver Schepp
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