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Künstlerische Darstellung der Kristallstruktur des neuen Materials. Einzelne Lagen können abgehoben werden. GRAFIK: MONTE

Mit kleinstem Baukasten der Welt

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Neuartige Materialien für Computerchips, Leucht- dioden und Solarzellen: Mit dem kleinsten »Baukasten« der Welt designt ein Forscher-Team der Universitäten Gießen, Marburg und Paderborn diese Stoffe , die nur wenige Atome dick und damit fast unmessbar dünn sind.

Sie sind 50 000-mal dünner als ein menschliches Haar und nur wenige Atome dick: Zweidimensionale Materialien sind die dünnsten heute herstellbaren Stoffe. Sie besitzen völlig neue Eigenschaften und gelten als der nächste große Schritt in der modernen Halbleitertechnologie.

Künftig könnten sie statt Silizium in Computerchips, Leuchtdioden und Solarzellen eingesetzt werden. Bislang war die Entwicklung neuer zweidimensionaler Materialien auf solche mit Schichten starrer chemischer Bindungen in zwei Raumrichtungen beschränkt - ähnlich einem Blatt Papier in einem Stapel.

Nun ist es erstmals einem Forscher-Team der Universitäten Gießen, Marburg und Paderborn um Dr. Johanna Heine (Anorganische Chemie, Marburg) gelungen, diese Beschränkung mit einem innovativen Konzept aufzuheben. Die Forscherinnen und Forscher entwickelten einen organisch-anorganischen Mischkristall, der aus Ketten entlang einer Raumrichtung besteht, aber trotzdem zweidimensionale Schichten bildet. Dadurch können verschiedene Materialbestandteile wie in einem Baukasten gezielt miteinander kombiniert werden, um neuartige Materialeigenschaften zu erreichen.

Vorteile kombiniert

In dem Projekt verbindet das Forscher-Team die Vorteile von zweidimensionalen Materialien und hybriden Perowskiten - das namensgebende Mineral Perowskit ist für seine optoelektrischen Eigenschaften bekannt und kann zur Verbesserung dieser Eigenschaften mit anderen Stoffen kombiniert werden.

»Das Besondere daran sind die ganz neuen Möglichkeiten zum gezielten Design zukünftiger funktioneller Materialien«, erklärt Dr. Johanna Heine, Chemikerin und Nachwuchsgruppenleiterin an der Universität Marburg, das hochaktuelle Forschungsgebiet mit großem Anwendungspotenzial. »Der hier erstmals entdeckte physikalische Effekt könnte das einfache und gezielte Einstellen der Farbe zukünftiger Beleuchtungs- und Displaytechnologien ermöglichen«, so der Physiker Philip Klement, Erstautor und Doktorand in der Arbeitsgruppe von Prof. Sangam Chatterjee an der Universität Gießen.

Chemische Synthese zu Kristallen

Die Arbeit erfolgte in einer interdisziplinären Kooperation: Das Team um Heine an der Uni Marburg entwickelte zunächst die chemische Synthese und stellte das Material als einkristallinen Volumenkristall her. Philip Klement und das Team um Prof. Chatterjee stellten anschließend an der Uni Gießen aus diesen Kristallen einzelne atomar dünne Schichten her und untersuchten diese mit den Mitteln der optischen Laserspektroskopie. Dabei fanden sie eine spektrale breite (»weiße«) Lichtemission, deren Farbtemperatur über die Schichtdicke geändert werden kann. In enger Zusammenarbeit mit dem Team theoretischer Physikerinnen und Physiker um Prof. Stefan Schumacher an der Universität Paderborn gelangen das mikroskopische Verständnis des Effekts und die Verbesserung der Materialeigenschaften.

Den Forscherinnen und Forschern ist es somit gelungen, den gesamten Bogen von der Synthese des Materials, über das Verständnis der Materialeigenschaften bis hin zur Modellierung der Materialeigenschaften zu spannen. Ihre Ergebnisse haben sie in der Fachzeitschrift »Advanced Materials« veröffentlicht.

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