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Leonie Heuschkel und Steffen Roth aus Gießen haben einen Kastenwagen zum Camper umgebaut und touren gerade durch Südosteuropa. Unter dem Sitz neben Heuschkel haben sie sogar eine kleine Notfall-Campingtoilette.

Mit »Bustav« auf Tour

  • Daniel Beise
    vonDaniel Beise
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Die beiden touren gerade durch Südosteuropa: Steffen Roth und Leonie Heuschkel aus Gießen haben in den vergangenen Monaten mit viel Zeit und Energie einen Kastenwagen zum Camper ausgebaut. Nun können sie während der Corona-Pandemie autark und flexibel reisen. Ihre ersten Ziele waren Kroatien und Montenegro.

Freies und erschwingliches Reisen - das ist wohl einer der größten Zugewinne der vergangenen Jahrzehnte für breite Bevölkerungskreise. Die Mobilität hat rasant zugenommen. Aber dann verbreitet sich ein Virus über den Globus und schränkt diese von jetzt auf gleich radikal ein. Nun hält langsam aber sicher wieder die Freiheit Einzug.

Trotzdem ist es gerade noch von Vorteil, wenn man autark reisen und leben kann. Wie Steffen Roth und Leonie Heuschkel aus Gießen. Eigentlich wollten sie ihre zweimonatige Tour, wofür ihr Jahresurlaub draufging, durch Skandinavien machen, vor allem entlang der norwegischen Fjorde. Doch Anfang des Jahres verschärfte das Land neben Finnland wegen Sorgen um eine Virusmutante die Einreisebestimmungen. »Wir haben dann schnell umgeplant auf Südosteuropa. Und ins Warme zu fahren, fanden wir dann auch gut«, erzählt Roth. Außerdem sei die Region »besser fürs Portemonaie« als Skandinavien.

Das erste Ziel war Kroatien - das noch als Hochinzidenz-Gebiet gilt. Über die Grenze kamen die Gießener nur mit einem negativen Schnelltest, der nicht älter als 24 Stunden sein darf; Österreich und Slowenien konnten sie ohne Probleme durchqueren. Im Land selbst würden aber beispielsweise die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) nicht so konsequent umgesetzt wie hier, so ihr Eindruck. Viele würden in Geschäften mit »Maske unter der Nase herumlaufen«. Das sei »alles andere als streng«.

Im »Land der fallenden Seen«

Gleich zu Beginn ihrer Reise haben sie sich dort ein paradiesisches Naturerlebnis gegönnt: Die Plitvicer Seen bilden den größten Nationalpark Kroatiens, der 1979 als eines der ersten Naturdenkmäler weltweit in das UNESCO-Weltnaturerbe aufgenommen worden ist. Wegen seiner unzähligen, märchenhaften Wasserfälle wird er auch »Land der fallenden Seen« genannt.

Das Pärchen nächtigt vor allem auf Campingplätzen, die dort bereits wieder geöffnet sind, oder ausgewiesenen Stellplätzen, die man teils auch über die App »Park4Night« finden kann. Hier und da würden sie sicher auch mal wild campen oder Leute ansprechen, ob sie Tipps oder vielleicht sogar einen Stellplatz für sie haben.

»Es ist echt entspannt, in dieser Phase der Pandemie jetzt so reisen zu können«, sagt Erzieherin Heuschkel, die vor ein paar Wochen, als die dritte Welle anzog, noch gegrübelt hatte, ob solch eine Reise nun gewissenhaft sei. Da sie aber mit ihrem ausgebauten Camper weitgehend autark sind und so wenig in Kontakt mit anderen Menschen kommen, fühlen sie sich sehr sicher.

Im Sommer 2020 haben sie einen Ford Transit mit nur 70 000 Kilometern für 6500 Euro gekauft. Ungefähr den gleichen Betrag haben sie noch mal in den Ausbau samt Werkzeug gesteckt.

»Wir haben ohne Ende recherchiert«, sagt Ingenieur Roth. Bis auf die Dieselstandheizung, die an den Tank angeschlossen werden musste, haben sie alles selbst gemacht.

Der Rohbau, also vor allem Elektrik und Dämmung, sei »nicht so coole Arbeit« gewesen. »Das musste halt gemacht werden. Dann hat es aber angefangen, richtig Spaß zu machen - als wir kreativ den Innenraum gestalten konnten«, erzählt er weiter.

So viel Spaß, dass er nun überlegt, den Ausbau zu einem Hobby zu machen, das zudem noch Geld abwirft: Alte Sprinter kaufen, ausbauen und wieder weiterverkaufen. Nach passenden Werkstätten dafür hat er bereits Ausschau gehalten.

Freies Reisen durch Südosteuropa

Der Camper ist mit rustikalem Holz, dezenter Filzverkleidung und platzsparender Küchenecke nicht nur ein echter Hingucker. Auch technisch ist er mit Solarpanels auf dem Dach, USB-Ladestationen an den Wänden und der extra Batterie nur für den Wohnraum durchdacht. Einen Namen haben die beiden Gießener ihm natürlich auch gegeben: »Bustav« - hergeleitet von Bus und Gustav.

Rund fünf Monate haben Heuschkel und Roth für den Bau gebraucht. Einen Monat Urlaub und flexibles Reisen haben sie nun noch vor sich. Gerade sind sie in Montenegro. Wo es sie dann hintreibt, wissen sie noch nicht. Aber es werden die Länder an der Adriaküste sein, wenn möglich, vielleicht mit Stops in Slowenien und Österreich auf der Rückfahrt in die mittelhessische Heimat.

Die rustikale, kleine Küche samt Gas-Kochfeld in der oberen Schublade.

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