Dekan André Witte-Karp sorgt sich um die, "die gefährdeter sind, als ich es vielleicht bin". FOTO: PM
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Dekan André Witte-Karp sorgt sich um die, "die gefährdeter sind, als ich es vielleicht bin". FOTO: PM

"Mit dem Blick für die anderen"

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Jetzt erst recht", habe ich noch vor wenigen Tagen gedacht und wie gewohnt meine Hand ausgestreckt. Bei der Begrüßung ein Zeichen der Verbundenheit auszutauschen, war mir eher noch wichtiger geworden. Jetzt bin ich vorsichtiger. Bei mir ist angekommen: Es geht gar nicht um mich. Es geht um die anderen.

Ich habe meine hochbetagte Großmutter vor Augen und eine Angehörige, die gerade erst eine Lungenentzündung überstanden hat. Plötzlich sind sie "Risikopatientinnen". Um meine eigene Gesundheit sorge ich mich nach wie vor wenig, um die beiden sorge ich mich jetzt schon. Und so stimme ich heute mancher Vorsichtsmaßnahme zu, die ich gestern noch für übertrieben hielt.

Die bisher weit entfernte Gefahr mit dem Namen Corona ist mit Wucht auch in unserem Alltag angekommen. Es hat gedauert, jetzt ist sie da und jeden Tag ist die Lage eine andere. Das ist schwer zu begreifen und auszuhalten. Wir sind es gewohnt, dass vieles seinen gewohnten Gang geht und wir lange in die Zukunft hinein planen. Jetzt gilt es, immer wieder neu abzuwägen. Was ist jetzt geboten? Was ist verzichtbar? Woran sollten wir festhalten?

Für meine Haltung hilft mir ein Wort, das Jesus gesagt hat. Es steht in der Bibel und lautet: "Der morgige Tag wird schon für sich selber sorgen. Es reicht, dass jeder Tag seine eigenen Schwierigkeiten hat" (Matthäus 6,34). Was mit dem Coronavirus noch auf uns zukommt und wann die Lage auch wieder durchschaubarer wird, werden wir erst sehen. Da hilft der Satz Jesu, damit wir uns nicht gefangen nehmen lassen von einer Angst vor dem Morgen. Er hilft gegen die Versuchung, die Regale in Supermärkten leer zu kaufen. Er gilt denen, die jetzt jeden Tag schwierige Entscheidungen treffen müssen, und denen, für die diese Entscheidungen weitreichende Konsequenzen haben. Mit all dem gilt es jetzt umzugehen - in aller Besonnenheit und mit dem Blick für die, die gefährdeter sind, als ich es vielleicht bin.

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