Missbrauch: Verdächtiger soll von allen Ämtern zurücktreten

Gießen (mö). Der Kreisverband der Grünen und die Fraktion im Kreistag haben ihren Parteikollegen K., der seit Dienstag wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch in Untersuchungshaft sitzt, zum Rücktritt von allen Ämtern und Mandaten aufgefordert.

Dies erklärten Partei und Fraktion am späten Mittwochabend nach einer gemeinsamen Sitzung. Bis gestern Nachmittag indes war der 61-jährige Gießener noch Mitglied des Kreistags. Dies bestätigte das Büro der Kreisgremien auf GAZ-Anfrage.

Die Staatsanwaltschaft verdächtigt den langjährigen Kreispolitiker, der auch das Gießener Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten Tom Koenigs geleitet hatte, seit 2007 drei Mädchen und einen Jungen in insgesamt 163 Fällen sexuell missbraucht zu haben. Wegen dringenden Tatverdachts war der 61-Jährige am Dienstag in Untersuchungshaft genommen worden. Dem entsprechenden Richterbeschluss waren Durchsuchungen des Wohnhauses und der Parteizentrale der Grünen in der Liebigstraße vorausgegangen.

Herkunft der Strafanzeigen unklar

Nach Auskunft von Ute Sehlbach-Schellenberg, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, gibt es über die vom Mittwoch stammende gemeinsame Erklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft hinaus keine neue Informationen zu dem Verdachtsfall. Die vermeintlichen Ermittlungsdetails, die die "Bild"-Zeitung den Mittwoch über häppchenweise verbreitet hatte, bestätigte die Oberstaatsanwältin nicht und ging ausdrücklich auf Distanz zur Berichterstattung des Boulevardmediums. "Wir distanzieren uns davon", sagte Sehlbach-Schellenberg. Dies schließe auch die von "Bild" transportierte Information ein, wonach die Strafanzeigen von früheren und aktuellen Nachbarn des Beschuldigten gestellt worden waren. So eine Information würden die Ermittlungsbehörden "zum Schutz der Geschädigten" nie veröffentlichen, betonte die Behördensprecherin. Gerade beim Thema Kindesmissbrauch müssten die Ermittlungsbehörden "besonders sensibel und seriös" vorgehen.

In ihrer Mitteilung vom Mittwoch hatte die Staatsanwaltschaft erklärt, dass die Ermittlungen durch "mehrere Strafanzeigen" ausgelöst worden waren. Sehlbach-Schellenberg schloss in diesem Zusammenhang nicht aus, dass es sich bei einer dieser Anzeigen um das anonyme Schreiben an den grünen Bundestagsabgeordneten Koenigs gehandelt habe, das der Politiker nach eigenen Angaben umgehend an die Polizei in Berlin weitergegeben hatte. Laut Koenigs hatte er durch dieses Schreiben erstmals von den Vorwürfen gegen seinen Mitarbeiter gehört. Ähnlich hatte sich der Gießener Grünen-Fraktionschef Klaus-Dieter Grothe am Mittwoch gegenüber der GAZ geäußert. Was eine pädophile Neigung von K. betrifft, habe es vorher "nie auch nur das leiseste Gerücht gegeben".

Verdacht auf Kindesmissbrauch: 61-Jähriger bei Grünen aktiv Verdachtsfall K. schockt Gießens Grüne

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