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Mirle mit den Engelsflügeln

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Von: Christine Steines

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Mirle Schimpf (9) erzählt von ihrer Rolle als junge Ruby O’Fee. © Oliver Schepp

Die Geschwister haben es vorgemacht, nun stand auch Mirle Schimpf vor der Filmkamera. Zwar nicht für einen Kinostreifen wie Emma und Len, aber für einen Teil einer Netflix-Serie. Die 9-Jährige spielt das jüngere Ich der Schauspielerin Ruby O’Fee. Die Dreharbeiten sowie die Premiere in Berlin waren natürlich aufregend - aber »Fotomodell« in der Werbung war Mirle schon als Baby.

Das Mädchen läuft durch ein Maisfeld, ihre rosafarbenen Engelsflügel schwingen. Die Zuschauer sind unterwegs mit der kleinen und der großen Ruby O’Fee. Die große, das ist die echte. Die Schauspielerin ist 27 Jahre alt und bekannt aus Kinder- und Jugendfilmen wie »Bibi und Tina«, aber auch aus Tatortrollen und Romanverfilmungen; sie spielte eine Rolle neben Mads Mikkelsen in dem deutsch-amerikanischen Actionfilm »Polar« und stand zuletzt gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Matthias Schweighöfer im Netflix-Thriller »Army of Thieves« vor der Kamera.

Die Kamera war nichts Neues

Die kleine, das ist Mirle Schimpf aus Gießen. 9 Jahre alt und Schülerin der 3. Klasse der Ludwig-Uhland-Schule. Berühmt ist das hübsche Mädchen mit dem dunklen Pagenkopf nicht, aber fast jeder hat es schon einmal gesehen: Auf einer Werbung für Persil, Otto oder Milka. Immer wieder mal hat eine Agentur sie oder ihre Geschwister Emma und Len gebucht. »Das ist ein schöner Ausgleich zu unserem anstrengenden Alltag«, sagt Sonja Schimpf, die Mutter der Kinder. Die Film- und Fotojobs seien natürlich ebenfalls anstrengend, doch bedeuteten sie gleichzeitig Ausflüge in fremde Welten. »Das ist spannend und macht viel Spaß«, sagt sie. Die Sonderpädagogin ist quasi die Managerin ihrer Kinder, aber sie wacht gleichzeitig sehr kritisch darüber, dass die Aufnahmen mit ihrem aufwendigen Drumherum keinen Stress bedeuten. Und natürlich begleitet sie ihre Kinder, wenn sie vor der Kamera stehen. Den Anfang hat 2019 Emma Louise gemacht. Die damals 12-Jährige spielte die Gaby in der TKKG-Verfilmung. 2021 war Len an der Reihe. Til Schweiger hatte den Jungen mit dem Downsyndrom für seinen Film »Die Rettung der uns bekannten Welt« engagiert. Der Regisseur war dem Charme des 10-Jährigen bei einer Begegnung in Gießen sofort verfallen, sodass er ihm eine kleine Rolle anbot.

Und schon ein halbes Jahr danach reisten Sonja Schimpf und Mirle nach Berlin, um Ruby O’Fee zu treffen. Eigentlich wäre Mirle für die Produktion gar nicht infrage gekommen, erzählt Sonja Schimpf, denn die Filmemacher suchten ein Mädchen aus der Nähe von Berlin, um den Aufwand gering zu halten. Als sie jedoch ein Foto der Schülerin aus Gießen sahen, war die Sache klar: »Die ist es!«. Denn Mirle sieht tatsächlich aus wie eine junge Version der Schauspielerin.

In dem zehnminütigen Netflix-Serienteil »You are not my Baby« geht es darum, wie Ruby O’Fee zu der wurde, die sie heute ist. Der Film ist eine Identitätssuche, in der sich reale Szenen mit Exkursen in Fantasie- und Traumwelten abwechseln - und damit sind auch die spielerischen Engelsflügel erklärt. - Bis Ruby O’Fee zwölf Jahre alt war, lebte sie in einem Campingbus und zog mit der Mutter um die Welt. Diese verkaufte selbst genähte Kleider in Hippie-Hotspots in Südamerika und Indien, lebte im Dschungel und der Wildnis. Es war ein unkonventionelles, unstetes Nomadenleben.

Zwiesprache mit dem jüngeren Ich

Im Film erzählt Ruby ihrem jüngeren Ich von der Zukunft. »Wenn Du zwölf bist, zieht ihr nach Berlin, ihr seid wie Aliens im deutschen Spießertum.« Die junge Ruby erfährt, dass in der Klasse 5b alles anders sein wird als es zuvor war, die anderen Kinder sagen ihr, dass sie komisch riecht und man nicht in eimem Bus, sondern in einem »Haus mit Hausnummer« wohnt. Die Zuschauer bekommen eine Ahnung von der Ausgrenzung, die Ruby erfahren hat, aber auch von der Entwicklung zu einer starken Persönlichkeit, die nicht auf andere, sondern auf sich selbst vertraut.

Weil die große und die kleine Ruby einander im Film sehr nahe sind und nicht viel Zeit zum Kennenlernen blieb, gingen sie am ersten Tag vor dem Drehen in einen Berliner Freizeitpark. Beim gemeinsamen Karussell- und Achterbahnfahren war Mirles Scheu bald überwunden, die beiden Hauptdarstellerinnen verstanden sich bestens.

Seit einigen Wochen ist der Film auf Youtube zu sehen. Zum Start gab es eine Premierenfeier in Berlin, und Mirle wurde als Überraschungsgast in eine Sendung des Frühstücksfernsehens eingeladen, in der Ruby O’Fee interviewt wurde. Ganz schön aufregend, so ein Promileben!

Klar, dass nicht nur Sonja und Haiko Schimpf unheimlich stolz auf ihr Nesthäkchen sind, sondern auch die Geschwister. Die ganze Familie findet Ausflüge in die Glamourwelt super, sie alle bleiben aber dennoch auf dem Teppich - und der darf ruhig ab und zu mal rot sein.

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Talentierte Geschwister: Mirle, Len und Emma Schimpf. © Oliver Schepp

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