+
Im März waren die ersten sanierten Gummiinsel-Häuser bezugsfertig. Foto: schepp

20 Millionen für Gummiinsel

  • schließen

Gießen(mö). Sie ist ein Gießener Mythos, für dessen Erhalt die Steuerzahler tief in die Tasche greifen müssen: Rund 20 Millionen Euro werden ausgegeben worden sein, wenn in fünf oder sechs Jahren das letzte Backsteinhäuschen auf der Gummiinsel in der Weststadt durchsaniert sein wird. Auf diese Summe schätzt die Wohnbau Gießen GmbH den Aufwand, um der denkmalgeschützten Siedlung hinter dem Deich eine Zukunft zu geben. Im Dezember soll die Stadtverordnetenversammlung einen Projektbeschluss über die weiteren vier Bauabschnitte fassen. Zehn der insgesamt 70 Wohnungen wurden bereits modernisiert, im Frühjahr soll der zweite Bauabschnitt mit weiteren zwölf Wohneinheiten folgen.

Die Gummiinsel zu retten ist ein ehrgeiziges Unterfangen: Die einstigen Notquartiere für Familien jenischer Gewerbetreibender, Schausteller, Altwarenhändler und Nachfahren heimischer Sintifamilien stammen aus den 1930er Jahren. Ein menschenwürdiges Leben war zuletzt aber kaum noch möglich. Zu klein, zu alt, zu marode waren die Bauten. Und so beschloss die Wohnbau vor einigen Jahren, die zweigeschossigen Backsteinhäuschen zu sanieren. Bund, Land und Stadt steuerten erhebliche Fördergelder bei. 2017 begann der Umbau. Im Frühjahr dieses Jahres waren die ersten beiden Blöcke fertig.

Mit dem Beschluss der Stadtverordneten soll die Förderung der unrentierlichen Kosten pro Wohneinheit bei 100 000 Euro gedeckelt werden. Stadt und Zuschussgeber teilen sich diese Kosten, wobei sich die Förderquote der Städtebauförderung zwischen 70 und 90 Prozent bewegt. Für die Modernisierungen ab Bauabschnitt drei wird die Stadt Mittel aus dem Programm "Soziale Stadt" beantragen. Die restlichen Kosten übernimmt die Wohnbau. Diese dürften sich pro Wohnung bei 170 000 Euro bewegen. Die vom Magistrat erwähnte Gesamtkostenschätzung in Höhe von 18,6 Millionen umfasst die Sanierung der 68 verbleibenden Wohnungen und des Außengeländes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare