Kornelia Hardes forscht in Gießen am Influenza-Virus.
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Kornelia Hardes forscht in Gießen am Influenza-Virus.

Influenza

Millionen-Förderung für Gießener Viren-Forschung: Ziel ist ein neues Medikament

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Das Fraunhofer-Institut IME am Standort Gießen erhält eine Förderung in Höhe von 3,2 Millionen Euro für die Forschung an Influenza-Viren. Zudem soll im Hochsicherheitslabor mit Vogelgrippeviren gearbeitet werden.

Kornelia Hardes und ihr Team vom Fraunhofer-Institut IME am Standort Gießen erhalten eine Förderung in Höhe von 3,2 Millionen Euro für die Forschung an Influenza-Viren. In diesem Zuge sollen auch Arbeiten in einem Hochsicherheitslabor der Stufe 3 mit Vogelgrippeviren ermöglicht werden.

Fraunhofer-Institut: Millionen-Förderung für Gießener Viren-Forschung

Im Oktober 2020 ist der Neubau des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME im Ohlebergsweg eingeweiht worden. Als einen »Tempel der Forschung« hatte Standortleiter Prof. Andreas Vilcinskas das Gebäude bei der Eröffnungsfeier bezeichnet. Und dieser »Tempel« erhält in absehbarer Zeit zwei Hochsicherheitslabore der Sicherheitsstufe 3. Sie entstehen derzeit im Forschungsgebäude des Institutsteils Bioressourcen des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie IME. Ermöglicht wird das unter anderem durch eine Förderung des Bundes in Höhe von 3,2 Millionen Euro.

Solche mit speziellen Filtern, Schleusen und Sterilisationseinheiten ausgestatteten Einrichtungen sind erforderlich, um mit gefährlichen Erregern zu arbeiten. Durch diese hochmodernen Anlagen werden die Gießener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler künftig gerüstet sein, um hochpathogene Erreger und ihre Übertragungswege, aber auch Therapiemöglichkeiten zu erforschen. »Neben den saisonalen Grippeviren wollen wir unsere Verbindungen auch an den gefährlich Vogelgrippe-Subtypen H5N1 und H7N1 testen«, sagt Dr. Kornelia Hardes. Die 35-Jährige ist als Projektleiterin am LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik (TBG) beteiligt und forscht zusammen mit ihrem Team an der Identifizierung von Leitstrukturen zur Behandlung von Influenza-Infektionen.

Millionen-Förderung für Gießener Viren-Forschung: Ziel ist ein neues Medikament

»Unser langfristiges Ziel ist es, ein Medikament zur Behandlung von Grippe-Infektionen zu entwickeln«, sagt die Forscherin. Denn in der Apotheke gibt es zwar unzählige Mittel gegen die Symptome von Influenza, gegen die Infektion selbst sind laut Hardes aber nur zwei Medikamente auf dem deutschen Markt zugelassen: Neuraminidasehemmer sowie M2-Kanal-Blocker. »Letztere werden aufgrund von Resistenzen so gut wie gar nicht mehr eingesetzt, und bei ersteren weisen ebenfalls viele Viren bereits Resistenzen auf«, sagt Hardes und betont: »Wir sind auf diesem Gebiet also nicht sonderlich gut aufgestellt.« Im Gegensatz zur Corona-Problematik sei die Impfstoffproduktion bei Influenza zwar etabliert, gefährlich sei die Grippe aber dennoch.

Die Arbeit am Gießener Fraunhofer-Standort soll Abhilfe schaffen. Am LOEWE-Zentrum TBG ist die Forschung von Hardes an den Bereich »Naturstoffgenomik« angegliedert, dem auch Insektenbiotechnologe Prof. Vilcinskas angehört. Die Naturstoffgenomiker untersuchen natürliche Stoffe wie Tiergifte oder bakterielle Extrakte auf deren Wirkung gegen Krankheitserreger wie zum Beispiel Grippeviren. Sie durchsuchen dazu die Erbinformationen der Organismen nach relevanten Genen, wobei moderne Labortechnik und Hochleistungsrechner zum Einsatz kommen.

Bis ein Medikament auf den Markt kommt, werden aber noch einige Jahre vergehen, sagt Hardes. »Wir wollen zunächst Leitstrukturen finden und charakterisieren.« Anschließend seien noch viele weitere Experimente und Studien notwendig.

Die Grundlage dafür haben Hardes und ihr Team aber schon geschaffen. Dank der Hochsicherheitslabore könnten künftig viele weitere spannende Projekte folgen.

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