Das Jugendamt verwaltet den zweitgrößten Etat. FOTO: SCHEPP
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Das Jugendamt verwaltet den zweitgrößten Etat. FOTO: SCHEPP

3,5 Millionen Euro mehr Kosten im Jugendamt

  • Burkhard Möller
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Gießen(mö). Es sind alarmierende Aussagen, Zahlen und Summen, die der Leiter des städtischen Jugendamts am 11. August in einen Antrag auf Genehmigung einer überplanmäßigen Ausgabe geschrieben hat. 3,5 Millionen Euro mehr braucht das Amt, um in diesem Jahr seine gesetzlichen Aufgaben im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe erfüllen zu können.

Gesamtgesellschaftlich bedenklich erscheinen vor allem die deutlich steigenden Fallzahlen bei der Heimerziehung und den Inobhutnahmen, die vom Jugendamt als Folge einer festgestellten Kindeswohlgefährdung veranlasst werden. Im Juli habe der Stand der Inobhutnahmen mit 24 bereits fast die Gesamtzahl von 27 im vergangenen Jahr erreicht. Da Inobhutnahmen teuer seien und pro Tag in der Regel 300 Euro kosteten, sei in der Summe ein Mehrbedarf von 700 000 Euro entstanden.

Bei Leistungen im Rahmen von einer Heimunterbringung sind es sogar 1,8 Millionen Euro, die das Jugendamt zusätzlich bis Jahresende benötigt. Die Fallzahl im Juli hat mit 89 laufenden Hilfen die Gesamtzahl 2018 (69 Fälle) bereits deutlich überschritten. Hier komme erschwerend hinzu, dass die Heime der Stadt Tagessätze von 330 Euro und mehr in Rechnung stellten.

Die aufgelisteten Mehraufwendungen betreffen rund 15 Leistungen aus dem Sozialgesetzbuch VIII (Kinder und Jugendliche) und sind "unabweisbar", weil die Jugendhilfeträger diese Leistungen gemäß Gesetz erbringen müssen.

Auch bei der Erstattung von Kosten an andere Träger steigen die Fälle. Auf zusammen 800 000 Euro belaufen sich diese Mehraufwendungen.

Die Erläuterungen des Jugendamts zeigen einmal mehr, wie groß der Aufwand sein kann, um einen Jugendlichen wieder in die Spur zu bringen. Die Kosten einer Einzelbetreuung - drei entsprechende Fälle hat das städtische Jugendamt - beliefen sich auf 10 000 Euro pro Monat. An einen anderen Jugendhilfeträger müsse die Stadt nach einer längeren Auseinandersetzung über 580 000 Euro zahlen - für drei Jugendliche in stationärer Betreuung.

Teure Betreuung von Einzelfällen

Mit 50 Millionen Euro ist der Etat für die Kinder-, Jugend- und Familienhilfen einer der größten im Gießener Stadthaushalt. In der Kritik stand das städtische Jugendamt zuletzt aber keineswegs, weil dort zu viel Geld ausgegeben werde, sondern im Gegenteil auch, weil Leistungen eingeschränkt oder nur zögerlich gewährt worden seien. Bei einem Pressegespräch sah sich Amtsleiter Holger Philipp zur Feststellung veranlasst: "Einsparvorgaben hat es nie gegeben."

Gedeckt werden können die aktuellen Mehrausgaben im Bereich Jugendhilfe, weil die Stadt durch die coronabedingten Steuerausfälle weniger Umlagen (1,2 Millionen) zahlen muss. Hinzu kommen nicht benötigte Zinsausgaben in Höhe von zwei Millionen Euro. Das Stadtparlament muss die überplanmäßige Ausgabe in Höhe von 3,5 Millionen Euro in seiner Sitzung Ende September genehmigen.

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