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Miles Davis in der Tiefgarage

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In der Tiefgarage des Rathauses hat die diesjährige TanzArt ihren Anfang genommen - mit gleich zwei Choreografien. Und alle der dort erlaubten Besucher freuten sich riesig über das reale Erleben von Bühnentanz.

Es war eine entbehrungsreiche Zeit für uns Tanzfreundinnen und -freunde.« Mit diesen Worten begrüßte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz die überschaubare Gästeschar in der Rathaus-Tiefgarage. Das TanzArt-Festival musste auch in diesem Jahr wieder abgesagt werden, aber Ballettdirektor Tarek Assam habe mit seinem »hartnäckigen Engagement« dafür gesorgt, dass wieder Tanz erlebbar ist.

Gäste aus Eupen und Bielefeld

Es ist eine Hybridform aus Live-Performances und Video-Mapping entstanden, ermöglicht durch das Corona-Kulturförderprogramm des Landes Hessen und, wie in all den Jahren zuvor, mit der Unterstützung durch Annette Eidmann vom städtischen Kulturamt.

Die Tiefgarage des Rathauses war bereits beim letzten Tanz-Art-Festival 2018 Austragungsort für das Programm Overlab, bei dem Studierende der Theaterwissenschaft in Gießen und Frankfurt ihre Arbeiten vorstellten. Beim ersten Mal war es im zweiten Untergeschoss, diesmal ist es das erste Untergeschoss, in der Nähe zur Ausfahrt. Das Orga-Team hatte daraus eine fast gemütliche Ecke gezaubert. Selbst die Neonröhren und die ausfahrenden Autos störten die Vorstellung kaum.

Zur Eröffnung waren es allerdings Profis, die kleine Stücke präsentierten. Den Anfang machte eine faszinierende Hommage für den Jazztrompeter und Komponisten Miles Davis. Der 1991 gestorbene Musiker wird auch als »Picasso des Jazz« bezeichnet. Ihm zu Ehren schuf das »Standards Trio«, bestehend aus Keith Jarret, Gary Peacock und Jack DeJohnette, ein Album mit dem Titel »Bye Bye Blackbird«. Darauf bezieht sich der Tänzer und Choreograf Tschekpo Dan Agbetou (Bielefeld) mit seinem neuen Solo. Tänzerisch elegant und leichtfüßig hat er eine neue Form des Erlebens von Jazz-Musik geschaffen. Ganz in Schwarz gekleidet bis zu den Lackschuhen präsentiert er sein Vorbild mit einem Rollkoffer, also immer auf Reisen. Er lässt ihn auf der Bühne wiedererstehen über das Hörbarmachen des Bühnensounds, manchmal auch pantomimisch mit den Spielbewegungen eines Instruments oder mit Zeichnungen auf knallbuntem Papier. Er arbeitet mit drei Mikrofonen, in die er wahlweise afrikanisch oder französisch spricht, Geräusche produziert. Am Ende folgt ein bewegender Trauergesang mit Kopfstimme. Er hinterlässt ein geflashtes Publikum.

Ohne große Umbaupause folgte das nächste Stück, das eine vertraute Akteurin des TanzArt-Netzwerks mitgebracht hatte, Irene Kalbusch aus Eupen. Dieser Tanz war zumindest am Anfang das ziemliche Gegenteil vom Vorherigen. Gold Mayanga scheint erschöpft, kämpft mit schweren Gliedmaßen, wozu auch die derben Sportschuhe beitragen. Die teils abrupten Bewegungen seines Körpers wirken wie ferngesteuert. Eine Frau (Nona Munnix) taucht auf, man beäugt sich gegenseitig, nimmt vorsichtig Kontakt auf. Es wird ein Hin und Her der Gefühle, schwankend zwischen Hoffnung und Angst. Ihr Solo wird dann heftig, zu E-Gitarre lastigem Metal-Rock mit Shouter-Gesang. Großer Applaus, alle freuen sich riesig über das reale Erleben von Bühnentanz.

Am späteren Abend ging es vor dem Stadttheater weiter: mit Live-Auftritt der Tanzcompagnie Gießen und anschließender Filmprojektion an die Fassade, mit Kurzfilmen, die jedes TCG-Mitglied für sich in der Corona-Zeit kreiert hat.

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