Mieterverein beobachtet deutlich gestiegene Mieten

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Gießen (pm). »Die Zahlen des jährlich vorgelegten Berichtes des Gutachterausschusses für Immobilienwerte für die Stadt Gießen lassen aufhorchen. Denn die Auswirkungen auf den Mietwohnungsmarkt sind längst spürbar. Die Mieten steigen und steigen. Ohne einen Mietendeckel wird das Problem kaum lösbar sein«, schreibt der Mieterverein.

Grundstücks- und Immobilienverkäufe seien erheblich zurückgegangen, heißt es in dem Bericht. Das habe nichts mit Coronapandemie zu tun, aber viel mit einem stark gesunkenen Angebot. »Da ist die These nicht falsch, dass die Stadt, zumindest im Innenbereich, weitgehend zugebaut und bereits so stark verdichtet ist, dass eine kritische Grenze erreicht ist«, sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers.

Grundstücke immer teuer

Dabei zeige der Wertanstieg bei den Grundstücken mit Preisen zwischen 400 und 600 Euro/qm, dass der Bodenmarkt auch in Gießen aus den Fugen geraten ist. Boden sei kein vermehrbares Gut, Spekulation und starke Nachfrage treiben die Preise nach oben. »Und das hat direkte Auswirkungen auf die Wohnungsmieten, denn die Bodenpreise sind längst neben den reinen Baukosten zum wichtigsten Faktor für die Nettokaltmieten in den Neubauten geworden. Die liegen in der Stadt schon bei 10-12 Euro/qm, je nach Größe der Wohnung auch noch darüber. Das hat auch eine Sogwirkung für die Bestandsmieten, die deutlich stärker gestiegen sind als die allgemeinen Lebenshaltungskosten«, so Kaisers.

Mietendeckel angemahnt

Er beklagt, dass es in Gießen weder eine Mietpreisbremse bei Neuvermietungen gebe noch eine wirksame Deckelung bei den Bestandsmieten. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB § 558 Abs. 3 ) sehe im Rahmen der Anpassung an die ortsübliche Vergleichsmiete vor, dass innerhalb von drei Jahren die Miete um 20 Prozent erhöht werden kann. Und solche Steigerungen seien keine Seltenheit, wie man aus der Beratung beim Mieterverein weiß.

Wer sich die gestiegene Miete nicht mehr leisten könne, müsse sich um eine kleinere Wohnung bemühen, deren Quadratmeterpreis oft noch höher liege, oder ins Umland ziehen, was aber vor allem im Speckgürtel um die Stadt auch nicht viel günstiger sei.

Da Bauen keine Lösung bringen werde, sei ein Mietendeckel, der den Anstieg der Wohnkosten für eine gewisse Zeit auf die Höhe der Inflationsrate begrenzt, notwendig, um den Wohnungsmarkt zu beruhigen, fordert der Mieterverein.

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