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»Messiah« in der Petruskirche

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Die Petruskantorei singt hingebungsvoll die Chorsätze.	(Foto: jou)
Die Petruskantorei singt hingebungsvoll die Chorsätze. (Foto: jou) © Sascha Jouini

Musikalische Sensibilität: Händels Oratorium »Messiah« erklingt mit vorzüglichen Solisten im Gotteshaus.

Die bedächtige Sinfonia mit effektvoll fugiertem Abschnitt bildete einen stimmungsintensiven Auftakt zu Georg Friedrich Händels Oratorium »Messiah« über die christliche Heilsgeschichte in der Petruskirche. Schon hier gefiel das warme, dichte Klangbild des Main-Barockorchesters Frankfurt, sein Gespür für stilgetreue Gestaltung. Wie sorgsam Dirigentin Marina Sagorski das Werk mit der Kantorei der Petruskirche einstudiert hatte, war ihm durchweg anzumerken. Hinzu kamen vier vorzügliche Solisten: Tenor Hans Hermann Jansen bestach im Accompagnato »Comfort ye, comfort ye, my people« durch musikalische Sensibilität, anmutige Tongebung und deutliche Aussprache. Virtuos meisterte er die folgende Arie »Every valley shall be exalted«. Ebenso überzeugten Bassist Markus Flaig mit seiner eleganten, beweglichen Stimme in »Thus saith, the Lord, the Lord of hosts«, Altistin Birgit Schmickler mit ihrer beschaulich-ruhigen Interpretation der Arie »But who may abide the day of his coming?« sowie Sopranistin Gabriele Hierdeis mit ihrem makellos reinen Gesang in Nr. 14.

Der Chor ließ in dem Satz »And the glory of the Lord shall be revealed« durch harmonische, recht nuancierte Darbietung aufhorchen. Das hohe Niveau der Kantorei zeigte sich am Detailreichtum erneut in »And he shall purify the sons of Levi«. Düstere Atmosphäre machte sich im Bass-Accompagnato »For behold, darkness shall cover the earth« breit. Demgegenüber eröffnete ein friedvolles Orchester-Pastorale den vierten Abschnitt »The appearance of the angels to the shepherds«.

Es fällt schwer, aus den starken Soli einzelne Leistungen herauszuheben, doch beeindruckte besonders die Sopran-Arie »Rejoice greatly, o daughter of Zion«: Hierdeis brachte sie frappierend transparent, mit feinen Schattierungen zu Gehör.

Bei der an sich ansprechenden Komposition würden mehr Ensemblegesänge für größere Abwechslung sorgen – ein einziges Duett für Sopran und Alt gibt es –; gleichwohl blieben die raffinierte Satztechnik und der Affektreichtum im Gedächtnis haften. Dramatische Akzente setzte im zweiten Teil vor allem die energische Bass-Arie »Why do the nations so furiously rage together«.

Daneben gab es echte Ohrwürmer wie die Chorsätze »For unto us a child is born« und das »Hallelujah«. Das Oratorium klang mit einem erhebenden Amen-Finale aus. Dem verdient langen Beifall der Hörer folgte eine Zugabe. jou

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