Beziehungen haben nicht nur höchste Höhen oder tiefste Tiefen.	Foto: dpa
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Beziehungen haben nicht nur höchste Höhen oder tiefste Tiefen. Foto: dpa

Mehr Zeit für die Beziehung

  • Kays Al-Khanak
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Wenn im Haus etwas defekt ist, ruft man in der Regel den Handwerker. Gibt es aber Probleme in der Beziehung, ist die Hemmschwelle groß, Hilfe zu suchen. Die Pädagogen Janine Förster und Jonathan Makkonen setzen dem ein neues Angebot entgegen: acht Abendessen bei Kerzenschein nur für Paare.

VON KAYS AL-KHANAK

Kriselnde Beziehungen sind wie Zahnschmerzen, sagt Janine Förster. Irgendetwas zwickt, aber man zögert den Gang zum Experten hinaus. Nur irgendwann ist es zu spät, das Loch im Zahn so groß, dass er raus muss. Genauso schwer, wie für manche der Gang zum Arzt ist, ist das Eingeständnis, an der Beziehung mit dem Partner zu arbeiten. Dabei komme es nicht darauf an, ob es gerade Probleme gibt, sagt Förster. »Jedes Paar hat Stärken und Schwächen, Höhen und Tiefen«, betont ihr Kollege Jonathan Makkonen. Förster und er sind Sozialpädagogen und Beziehungscoaches. Im Januar 2020 startet ihr neues Angebot für Paare: acht Abendessen bei Kerzenschein. »Es sind in erster Linie Dates«, betont Makkonen - und lächelt.

Förster und Makkonen haben sich vor vier Jahren bei einem Jugendhilfe-Träger kennengelernt und nun selbstständig gemacht. Unter dem Namen »Das Relationship« - ein Wortspiel aus dem englischen Wort für Beziehung und Schiff - bieten sie Einzel-, Paar- und Familienberatung an. »Dabei haben wir gemerkt, wie schwer es für Paare ist, niedrigschwellige Angebote zu finden«, sagt Förster.

Da war es reiner Zufall, dass Makkonen und seine Ehefrau aus Neugierde einen Kurs für Paare besucht haben. Der basiert auf dem Ehekurs »The Marriage Course« von Nicky und Sila Lee aus Großbritannien. Zwar haben deren Kurse ihren Ursprung in einer christlichen Gemeinde. Heute sind aber ungefähr die Hälfte der Paare, die an diesen Seminaren teilnehmen, nicht religiös. Die von den Lees geschrieben Begleitbücher sind in 40 Sprachen übersetzt, die Kurse werden in 109 Ländern angeboten. »Ich war zunächst skeptisch«, sagt Makkonen, »aber dann habe ich mit meiner Pädagogenbrille draufgeschaut und war überrascht, wie professionell das ist.« Als die Organisatorin des Kurses keine Zeit mehr hatte, das Angebot aufrechtzuhalten, waren sich Förster und Makkonen einig: Wir machen das!

An acht Abenden treffen sich die Paare zum Abendessen. Falls nötig, übernimmt Förster die Kinderbetreuung vor Ort. Makkonen betont: »Da sitzen viele Menschen zusammen, aber jedes Paar hat genug Privatsphäre und kann diesen Moment nur untereinander teilen.« Es gibt jedes Mal ein Drei-Gänge-Menü in Buffetform und ein Thema: die Kunst der Kommunikation, das Lösen von Konflikten, die Kraft der Vergebung, der Einfluss der Familie oder Zärtlichkeit und guter Sex. Zum Abschluss steigt eine Party.

Förster und Makkonen begrüßen die Teilnehmer und stellen das Motto des Abends vor. Kurz vor dem Dessert wird eine kurze DVD gezeigt und Übungen angeleitet. Die beiden Pädagogen betonen: Jedes Paar bestimmt, ob und wie viel es davon wahrnimmt. »Die Veranstaltung ist keine Gruppentherapie«, sagt Makkonen, »sondern hat einen anonymen Rahmen.« Das heißt: Hier gibt es keine Vorstellungsrunde, keine gegenseitigen Ratschläge, kein Lüften von schmutziger Wäsche in der Öffentlichkeit. Sollte der Bedarf aber da sein, stehen die zwei Sozialpädagogen beratend zur Seite.

Vielleicht ist dieser Hinweis für viele Paare wichtig. Denn die Hemmschwelle, offensiv an der Beziehung zu arbeiten, sei groß, betont die 40 Jahre alte Sozialpädagogin. Es sei nachvollziehbar, Schwächen ungern nach Außen zu tragen. »Das hat mit Schuld und Scham zu tun«, sagt Makkonen. Da verwundert es nicht, dass im Freundeskreis dann entweder die Rede davon sei, wie toll doch die Beziehung mit dem Partner funktioniere - oder dass man sich getrennt habe. »Dazwischen scheint es nichts zu geben«, sagt der 30-Jährige. »Aber das stimmt nicht.« Man müsse raus aus der Problemorientierung. In einer Beziehung gebe es nunmal gute und weniger gute Phasen.

Deshalb ist der Kurs auch nicht fokussiert auf Menschen, die in einer Beziehungskrise stecken. Es kommen junge und ältere Paare, solche, die am Anfang ihrer Beziehung stehen und solche, die schon viele Jahre miteinander verbracht haben. Die, die präventiv mitmachen und die, bei denen es bereits ordentlich geknallt hat. »Es ist nie zu spät, um in eine Beziehung zu investieren«, betont Förster. »Wir schenken uns zu Weihnachten materielle Dinge wie Parfüms. Aber warum schenken wir uns nicht einfach gemeinsame Zeit?«

Der Ehekurs startet am 20. Januar und findet bis zum 4. Mai alle 14 Tage von 17.30 bis 20 Uhr statt. Veranstaltungsort ist das Vereinsheim des Universal Peace Federation (Robert-Bosch-Straße 5). Weitere Informationen gibt es per E-Mail an dasrelationship@gmail.com.

Janine Förster und Jonathan Makkonen betreiben unter dem Namen »Das Relationship« zusätzlich einen eigenen Youtube-Kanal. Dort geben sie in augenzwinkernden und launigen Videos handfeste Tipps für gute Bindungen und Beziehungen. Der Kanal hat 700 Abonnenten.

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