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Mehr Seelsorge, weniger Bürokratie

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Von: Christoph Hoffmann

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Pfarrer Christian Wanske vor seiner neuen Arbeitsstelle, der St.-Albertus-Kirche.
Pfarrer Christian Wanske vor seiner neuen Arbeitsstelle, der St.-Albertus-Kirche. © Oliver Schepp

Die St.- Albertus-Gemeinde hat einen neuen Pfarrvikar. Pfarrer Christian Wanske ist seit 1. Dezember im Einsatz. Für den 47-Jährigen war es ein bewusster Schritt zurück, nachdem er zuvor Dekan in Friedberg war. Das ist aber nicht die einzige Veränderung bei den Gießener Katholiken.

Gießen – Pfarrer Christian Wanske will die Tür zum Pfarramt an der Nordstraße aufschließen. Es dauert aber einen Moment, bis er den passenden Schlüssel gefunden hat. »Ich habe hier viele Schlüssel geerbt«, sagt der 47-Jährige, der seit dem 1. Dezember neuer Pfarrvikar der St.-Albertus-Gemeinde ist, mit einem Lächeln. In diesen knapp zwei Wochen hat er schon Beerdigungen begleitet, seelsorgerische Gespräche geführt und Gottesdienste gehalten. All das also, wofür er ein einst Pfarrer geworden ist - das ihm in den vergangenen Jahren aber deutlich zu kurz gekommen ist.

Pfarrer Wanske hat in Mainz und Wien studiert, bevor er 2001 zum Priester geweiht wurde. Anschließend war er in Rheinhessen als Kaplan tätig, bevor er 2006 als Bischöflicher Sekretär für Kardinal Lehmann ins Mainzer Bischofshaus zog. 2009 wurde Wanske Pfarrer in Friedberg, von 2014 an war er Dekan der westlichen Wetterau.

Vom Schreibtisch zurück ins Leben

Jetzt ist er Pfarrvikar, also Pfarrer ohne Verwaltungsaufgaben. Hierarchisch gesehen ein Rückschritt, der 47-Jährige formuliert es jedoch lieber als einen Schritt »vom Schreibtisch zurück ins Leben«.

»Die Gewichtung hat nicht mehr gestimmt«, sagt Pfarrer Wanske und meint damit die vielen bürokratischen Aufgaben wie operative Betriebsführung oder die Personalverantwortung. »Das, was in meiner Ausbildung im Mittelpunkt stand, zum Beispiel die Verkündigung oder die Gestaltung von Liturgien für den Gottesdienst, sind vor allem in den Jahren als Dekan zu kurz gekommen.«

Pfarrer Wanske sagt ganz offen, dass er es nicht gemocht habe, Personalvorgesetzter zu sein und hart arbeitenden Menschen Abmahnungen schreiben zu müssen. »Ich möchte auch nicht als Personalchef in eine Kita kommen, sondern als Pfarrer, der zum Beispiel die Geschichte vom heiligen Nikolaus erzählt.«

Seit seinem Dienstantritt am 1. Dezember hat Wanske auch schon mehrere Beerdigungen begleitet. Eine herausfordernde Aufgabe, wie er sagt, er mache sie aber auch gerne. »An jedem offenen Grab habe ich das Gefühl, etwas Sinnvolles zu machen.« Am Schreibtisch und bei Planungskonferenzen sei das nicht immer der Fall gewesen. Der 47-Jährige überlegt einen Moment, dann fügt er an. »Viele Dinge, die mich als Dekan beschäftigt haben, wären in den Händen eines Betriebswirts besser aufgehoben gewesen.« Als Pfarrer habe er sich in diesen Bereichen mitunter unterlegen gefühlt.

Dekan Wahl geht nach Köln

Diese Zeiten sind nun vorbei. Auch wenn Wanske weiß, dass auch in seiner neuen Stelle organisatorische Angelegenheiten geregelt werden müssen. »Ich bin mir aber sicher, dass die Gewichtung eine andere sein wird.«

Der Antritt von Pfarrer Wanske ist nicht die einzige Personalie, die den katholischen Pfarreienverbund Gießen um die Gemeinden St. Albertus, St. Bonifatius sowie St. Thomas Morus beschäftigt. Vor einigen Monaten ist Pfarrer Hermann Heil in den Ruhestand gegangen. Und Dekan Hans-Joachim Wahl wird Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland, er zieht im Frühjahr nach Köln. Pfarrer Wanske betont jedoch, dass er für keinen der beiden der Nachfolger sei. Die Aufgaben von Pfarrer Heil übernehme der Pfarreienverbund im Team, außerdem stehe er trotz Rente noch für Gottesdienste zur Verfügung. »Und für den Posten des neuen Dekans gab es eine Stellenausschreibung«, sagt Wanske. Derzeit würden Gespräche mit Kandidaten geführt, der Nachfolger Wahls soll im ersten Halbjahr 2022 seinen Dienst antreten.

Bis dahin wird Pfarrer Wanske seine neue Gemeinde gut kennen. Gießen und vor allem die Nordstadt sind ihm ohnehin nicht fremd. »Ich bin in Buseck aufgewachsen und habe 1994 am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium mein Abitur gemacht.« Daher sei er auch verwundert gewesen, als ihm das Bistum, nachdem er den Wunsch nach Veränderung geäußert hatte, einen Wechsel nach Gießen vorschlug. Schließlich heißt es schon in der Bibel: »Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat und in seiner Familie.« Wanske muss bei dem Gedanken lächeln. »Die Personalabteilung hat mir bei dieser Gelegenheit versichert, dass mein Abitur am LLG lange genug zurückliegt.«

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