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Mit großen Aufstellflächen, kleinen Radampeln und Vorbeifahrtstreifen sollen viele Kreuzungen in Gießen - wie die an der Einmündung der Klinikstraße in die Frankfurter Straße - sicherer werden. FOTO: SCHEPP

Stadtverkehr

Mehr Schutz für Radfahrer in Gießen

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Radeln soll in Gießen sicherer werden: An 13 Kreuzungen im Gießener Stadtgebiet werden Fahrradfahrerfahrer künftig mehr Raum und Zeit haben, um die Knoten sicher zu überqueren.

Wer als Radfahrer die Ampelkreuzungen in Gießen kennt und weiß, in welcher Reihenfolge die Fahrtrichtungen grünes Licht erhalten, fährt oft schon los, obwohl seine Ampel noch Rot sagt. Solche illegalen Fahrmanöver verschaffen im Kreuzungsbereich einen Vorsprung vor dem nachfolgenden Autoverkehr. An zunehmend mehr Kreuzungen in Gießen gibt es diese Sicherheitsreserve ganz legal in Form von kleinen Radlerampeln und größeren Aufstellflächen. Auch der Gefahr von Abbiegeunfällen - Stichwort toter Winkel - will die Stadt damit begegnen. "Besonderes Augenmerk legen wir auf die Entschärfung des Konflikts zwischen geradeausfahrendem Radverkehr und rechtsabbiegendem Kfz-Verkehr", erklärte am Freitag Bürgermeister Peter Neidel bei einem Pressetermin in der Frankfurter Straße.

Kampf dem toten Winkel

Der Ort hatte Symbolkraft, denn auf der Westseite der Kreuzung Frankfurter Straße/Klinikstraße war vor einigen Jahren eine Radfahrerin von einem abbiegenden Lkw überrollt und getötet worden. Ein weißlackiertes Fahrrad, das vor der Einmündung in einem Fahrradständer steht, erinnert an den schlimmen Unfall.

Nach dem Umbau der Kreuzung können sich solche Unfälle eigentlich nicht mehr ereignen, vorausgesetzt, die Radfahrer nehmen das Angebot an und die Autofahrer warten auf den vorgeschriebenen Haltepostionen. Das sind die vier Neuerungen:

Aufstellflächen:Vor den Fahrspuren für den Autoverkehr wurde die Aufstellfläche für die Radfahrer deutlich vergrößert. Solche, teilweise auch rot eingefärbten Bereiche gibt es schon lange in Gießen, aber sie sind häufig sehr kurz und verleiten Autofahrer dazu, auf ihnen vor den Ampeln zu halten. Außerdem fehlt der Platz, um an bereits wartenden Radlern vorbei auf die linkere Warteposition zu gelangen. Diese Aufstellflächen werden künftig nun eine Länge von "mindestens drei Metern" aufweisen, erläuterte die städtische Radverkehrsbeauftragte Katja Bürckstümmer.

Vorbeifahrstreifen:Am rechten Fahrbahnrand werden Vorbeifahrstreifen markiert, damit die Radfahrer auch nach vorne zur Aufstellfläche durchrollen können und nicht im toten Winkel neben einem Lkw warten müssen.

Radampeln:Auf Augenhöhe sind an den Ampelmasten kleine Ampeln für den Radverkehr montiert worden. Hier erhalten die Zweiradfahrer einen wenige Sekunden dauernden Vorlauf, um vor den Autos über die Kreuzung fahren bzw. abbiegen zu können.

Indirekte Linksabbieger:Um Radfahrern vor dem Linksabbiegen das Queren einer Pkw-Fahrspur im fließenden Verkehr zu ersparen, können sie ein paar Meter auf dem Radstreifen weiterfahren und hinter der Einmündung warten, bis eine Radlerampel grünes Licht für das Abbiegen nach links gibt. "Das ist ein Angebot für Leute, die sich im Stadtverkehr vielleicht noch nicht so sicher fühlen oder die mit kleinen Kindern unterwegs sind", sagte Verkehrsdezernent Neidel.

13 Kreuzungen werden umgerüstet

Laut Holger Hedrich, Abteilungsleiter der Straßenverkehrsbehörde, werden im Laufe des Jahres neben dem bereits erfolgten beiden Umrüstungen in der Frankfurter Straße (Friedrichstraße/Klinikstraße) weitere 13 Knoten in der Kernstadt modernisiert. Dies geschehe im Zuge ohnehin anstehender Modernisierungen von Ampelkreuzungen. Neidel: "Wir schauen dann im Einzelfall, wo wir die Situation für den Radverkehr sicherer machen können."

Die Grünen und die FDP hatten in den letzten Tagen noch einmal an eine alte Forderung zum Radverkehr in der Frankfurter Straße erinnert. Ihre Rufe nach einem stadteinwärts führenden Radstreifen im südlichen Abschnitt bis zur Kreuzung Robert-Sommer-Straße sind erhört worden. Wie Bürgermeister Peter Neidel ankündigt, soll die Spur bereits in den kommenden Wochen abmarkiert und beim Stadtradeln, das Mitte Mai startet, freigegeben werden. Das Tiefbauamt hatte zuletzt eine Variante mit Begegnungsverkehr auf der Westseite der Frankfurter Straße geprüft, aber verworfen. Nun wird die "normale" Lösung eines straßenbegleitenden Fahrstreifens auf der Ostseite umgesetzt. Der Lückenschluss wird seit Jahren gefordert und steht auch im Koalitionsvertrag von SPD, CDU und Grünen.

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