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Mithilfe einer Reanimationspuppe konnte außerdem die Herz-Lungen-Wiederbelebung geübt werden.

Mehr als nur Narkose

Gießen (lwg). "Wenn wir unsere Arbeit gut gemacht haben, bekommt niemand etwas von uns mit", sagte Prof. Michael Sander mit einem Augenzwinkern. Er ist Direktor der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Gießen, die am Samstag vor dem Zeughaus in der Senckenbergstraße ihr 50-jähriges Jubiläum feierte.

Anwesend war auch Kanzleramtschef Helge Braun, der bis zum zweiten Bundestagsmandat 2009 als Anästhesist am UKGM arbeitete. Die Abkopplung der Anästhesie als eigenständige Klinik im UKGM habe Raum für die Entwicklung und Professionalisierung des Fachs geboten, sagte Braun. Auch für seine politische Karriere spielt die Anästhesiologie eine große Rolle, er habe dort eine "Null-Fehler-Strategie" gelernt.

Dass Anästhesiologie mehr beinhaltet, als die Narkose für anstehende Operationen, zeigte auch der Brief eines ehemaligen Patienten, den der Chefarzt der Chirurgie, Prof. Winfried Padberg, bei seinem Grußwort vorlas. Der Verfasser bedankte sich darin für die umfassende Betreuung des Anästhesiologie-Personals. In den vier Pavillons, die die vier Säulen der Anästhesiologie repräsentierten, gaben Pflegekräfte Auskunft über das Leistungsspektrum sowie die Geschichte des Fachgebiets und der Klinik am UKGM.

Angst vor Intensivstation nehmen

Neben der Narkose umfasst die Anästhesiologie auch die Schmerztherapie sowie Intensivmedizin. Letztere möchte mithilfe der bundesweiten Kampagne "Zurück ins Leben" auch die Angst vor der Intensivstation nehmen. Langfristiges Ziel der Forschung, die in Zusammenarbeit mit der JLU betrieben wird, ist es, Komplikationen zu verhindern und maßgeschneiderte Anwendungen zu finden. Durch die erfolgreiche Behandlung könne darüber hinaus die Wiederherstellung von Lebensqualität gefördert und der "Eintritt in ein selbstbestimmtes Leben" vorbereitet werden, wie Sander erklärte.

Im Bereich der Notfallmedizin wies Sander auch auf die Zusammenarbeit mit Rettungsdiensten und der Polizei hin, bei der man gemeinsame Strategien im Bereich der "taktischen Medizin" entwickeln wolle. Während die neonfarbene Einsatzkleidung bei Unfällen auf der Autobahn durchaus Sinn mache, könnte die Weste bei einem terroristischen Anschlag jedoch als Zielscheibe für Angriffe dienen. Die Bedrohungslage für Sanitäter habe sich geändert, was auch eine Anpassung von Seiten der Einsatzkräfte erfordere.

Aufgewertet werden solle der Pflegeberuf. Sander erwägt hierzu eine Anfrage bei der Fluggesellschaft Lufthansa und deren Dienstplänen, um den Schichtdienst familiengerechter koordinieren zu können. Am Nachmittag folgte zum zeitgleichen "Tag der Intensivmedizin" eine Podiumsdiskussion zur Zukunft des Fachgebiets in Deutschland.

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