Gerd Wegel (rechts) und Jens Womelsdorf notieren sich, wie viele Lastwagen sich an den Mindestabstand halten.
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Gerd Wegel (rechts) und Jens Womelsdorf notieren sich, wie viele Lastwagen sich an den Mindestabstand halten.

Automobilclub Europa

Mehr Lkw-Unfälle in Gießen? - ACE prüft Mindestabstand

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Unfälle auf Autobahnen, an denen Lkw beteiligt sind, nehmen nach Angaben des Automobilclubs Europa (ACE) zu. Deshalb haben Ehrenamtliche des Vereins jetzt an der Abfahrt am Ursulum in einer Stichprobe überprüft, ob sich die Fahrer an den Mindestabstand halten.

Laut ist es auf der Brücke oberhalb des Gießener Rings auf Höhe der Auf- und Ausfahrt Ursulum. Man hört sein eigenes Wort nicht, wenn man hier steht - geschweige denn das Klingeln der Radfahrer, die auf dem schmalen Weg unterwegs sind. Dafür haben die vier Männer in ihren roten T-Shirts einen guten Überblick über die A 485. Hier kreuzt der Fernverkehr aus Marburg, Kassel und Frankfurt. Die Ehrenamtlichen des Automobilclubs Europa (ACE) überprüfen in einer Stichprobe, ob Fahrer von Lastwagen und Sprintern auf der Autobahn den Mindestabstand einhalten. Ihr Ergebnis nach eineinhalb Stunden ist ernüchternd: Bei 464 gezählten Fahrzeugen fuhren 144 zu dicht auf. »31 Prozent der Fahrer verhalten sich nicht korrekt«, sagt der ACE-Kreisvorsitzende Gerd Wegel kopfschüttelnd.

Mehr Lkw-Unfälle in Gießen? Sprinter fallen negativ auf

Wegel weiß, wovon er redet. 30 Jahre lang, erzählt er, sei er Lkw gefahren. »Die Lastwagenfahrer haben immer die Uhr im Rücken«, sagt er. Der Zeitdruck sei in der Branche groß. Noch größer sei er jedoch bei den Lieferdiensten, die mit Sprintern unterwegs sind. Nach Einschätzung von Wegel, Jens Womelsdorf, Mauricio Carlessi und Roland Fischer sind es vor allem die Fahrer der Kleintransporter, die die Regeln missachten.

Dabei sind diese Regeln gar nicht so schwer zu merken: Wer beispielsweise mit Tempo 100 unterwegs ist, muss 50 Meter Sicherheitsabstand einhalten. »Beobachtet haben wir aber Sprinter, die mit gefühlt Tempo 140 nur 20 Meter hinter der Stoßstange des vorausfahrenden Fahrzeugs unterwegs waren«, sagt Womelsdorf, der Regionalbeauftragter des Clubs in Hessen ist.

»Es sind nicht immer nur die Fahrer der großen Lastwagen, die schuld an den Unfällen sind«, betont Wegel. Neben den oftmals viel zu schnellen und überladenen Sprintern seien es auch Autofahrer, die für Unfälle mit Lkw verantwortlich seien. Als Beispiel nennt Wegel das Auf- oder Abfahren auf die Autobahn. »Wenn dann ein Auto kurz vor einem Lastwagen auf dessen Fahrbahn einschert, hat der Lkw-Fahrer keine Chance mehr.« Deswegen müssten die Männer und Frauen am Steuer eines solchen Transporters noch wachsamer sein - »gerade in der Urlaubszeit«, sagt Wegel.

Die Ergebnisse der Stichprobe sollen veröffentlicht werden. Den Ehrenamtlichen geht es vor allem darum, für die Problematik rund um den Lieferverkehr auf den Autobahnen und Bundesstraßen zu sensibilisieren. Wer den Verkehr sicherer gestalten wolle, der müsse etwas an den Arbeitsbedingungen der Branche ändern. »Der Druck auf die Arbeitnehmer muss rausgenommen werden«, sagt Wegel.

Mehr Lkw-Unfälle in Gießen? Stichprobe soll wiederholt werden

Eine weitere Lösung, für die die Ehrenamtlichen plädieren: mehr Polizeipräsenz auf den Fernstraßen und an neuralgischen Punkten. Doch aufgrund der angespannten Personalsituation in den Behörden sei dies wohl ein frommer Wunsch, glauben die ACE-Aktiven. Das Thema Lkw und Mindestabstand wird sie jedoch nicht loslassen. In Gießen wollen sie die Stichprobe in etwa einem halben Jahr wiederholen.

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