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Bewährt haben sich die Screenings im Kinocenter, wo die Serien auf großer Leinwand gezeigt werden können.

Mehr als eine Werkschau

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Gießen (um). Schon seit fünf Jahren findet alljährlich die Seriale, das Festival für Digitale Serien, in Gießen statt. Festivalleiter und Initiator Csongor Dobrotka erinnert sich noch an die erste Seriale im Jahr 2015: "Es sollte eigentlich nur ein Screening werden, doch wir wurden versehentlich als Festival angemeldet. Ich rief Dennis Albrecht an und wir sagten: Gut, machen wir halt ein Festival."

Zwischen Planung und Ausführung lagen gerade mal vier Monate, doch das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Die entscheidenden Veränderungen hin zur Professionalisierung kamen 2017 mit der Entscheidung, das Festival international zu machen - und mit der Unterstützung des Wirtschaftsministeriums.

Die Seriale, die in diesem Jahr vom 13. bis 16. Juni stattfindet, will nicht nur kurzformatige Serien vorstellen, sondern auch Filmemachern eine Plattform bieten, Besucher mit einem kurzweiligen Programm unterhalten und Vernetzung ermöglichen.

Preisverleihung im Rathaus

"In diesem Jahr gibt es viele Überraschungen", verrät Csongor Dobrotka. Es war nicht leicht, zwischen all den Serien zu wählen, doch südamerikanische Serien beeindruckten die Jury besonders und so liegt der Fokus in diesem Jahr auf Argentinien. "Argentinien ist einfach ein starkes Serienland, allein was die Qualität angeht."

Doch es gibt noch einen zweiten Fokus: in diesem Jahr gibt es seit der ersten Seriale die meisten deutschen Serien. Hessen sticht da besonders hervor und ist mit drei Weltpremieren bei der Seriale vertreten.

Im Programm gibt es diesmal einige Änderungen: Die Eröffnung findet im Kinocenter statt, mit einer Weltpremiere aus Hessen. Die Serie "MEM" fiel schon bei der vergangenen Seriale positiv auf. Drei ehemalige Studenten der Hochschule Darmstadt haben den aufwendigen postapokalyptischer Western in der Antarktis im Webserienformat gedreht. Die Macher eröffnen die Seriale mit einer Mystery-Serie von "unglaublicher Qualität".

Am Donnerstag, Freitag und Samstag gibt es jeweils eine Weltpremiere. Insgesamt sind 45 Deutschland-Premieren von Serien am Start. Da der Fokus diesmal neben Argentinien auch auf Hessen liegt, findet der zweite Festivaltag in Wetzlar statt.

Die "Seriale Pro" widmet sich voll und ganz dem Businessteil des Festivals und findet auf einem überdachten Platz des ehemaligen Schlachthofgeländes statt: Mit Panels, einem Markt für digitale Serien und einem Open-Air-Screening. Auch die Preisverleihung wird diesmal an einem anderen Ort abgehalten: Nicht wie bisher im Hotel Heyligenstaedt sondern im Rathaus.

Bewährt haben sich die Screenings im Kino, denn so wird die Atmosphäre des Kinos dazu genutzt, um die Qualität der Serien deutlich zu machen. Inhaltlich wird es diesmal sehr vielfältig: Standen in den vergangenen Jahren noch Geschichten von arbeitslosen Schauspielern, Komödien und apokalyptische Stories im Vordergrund, ist diesmal jedes Genre vertreten. Erwähnenswert ist da z. B. "Indictus", eine "Historienserie, die mit Riesenaufwand in Italien produziert wurde".

Ein weiteres Highlight der Seriale ist eine deutsch-koreanische Co-Produktion namens "Lottehaus". Es ist bekannt, dass Goethe seinen Werther in Wetzlar schrieb. Und auch im fernen Seoul hat dieser Roman Fans. Der "Lotte-World-Tower" zählt zu den fünfthöchsten Gebäuden der Welt und wurde von diesem Roman inspiriert. Und da in Wetzlar das Lottehaus steht, entstand die Idee für eine gleichnamige Serie.

Es sind Zusammenarbeiten wie diese, die die Seriale so besonders machen. Warum das so ist und warum die Seriale immer das Flair eines großen Familientreffens hat, erklärt Csongor Dobrotka so: "Diese Festivalkooperationen sind mehr als normale Partnerschaften. Wir haben bei jedem Festival ein gemeinsames Projekt, das auch die Filmemacher weiterbringt. Wir versuchen, einen Mehrwert zu bieten." Die Seriale ist mehr als eine Werkschau, gibt Dobrotka zu bedenken: "Ich denke, das, was hier passiert, ist marktprägend, deshalb wird das Festival auch von so vielen internationalen Besuchern wahrgenommen."

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