»Meer«-Einsatz gefordert

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»Vom Fischer und seiner Frau«, frei nach dem Märchen der Gebrüder Grimm, erzählt das neue Musiktheaterstück für alle ab fünf Jahren im Großen Haus des Stadttheaters. Sängerin Sofia Pavone und Schlagwerker Elija Kaufmann lassen eine komplette Welt entstehen - und das junge Publikum hat einen ungewöhnlichen »Meer-Einsatz«.

Selbst ein schmerzhafter Muskelfaserriss am Fuß, zugezogen bei der Generalprobe, konnte Sängerin Sofia Pavone nicht davon abhalten, die Premiere von »Gold!- Vom Fischer und seiner Frau« am Mittwochmorgen im Großen Haus des Stadttheaters durchzuziehen. Aber auch mit etwas weniger körperlichem Einsatz als ursprünglich geplant, fesselte das Musiktheater von Leonard Evers und Flora Verbrugge, das plattdeutsche Grimmsche Märchen vom »Fischer und seiner Frau« kindgerecht sowie recht frei und modern nacherzählt, das Publikum. Von Abdul M. Kunze waren die jungen Zuschauer ab fünf Jahren vorab auf ihren Einsatz als Meer - mal sanft plätschernd, mal mit tosendem Wellengang - vorbereitet worden und machten gerne mit.

Die Inszenierung von Maria Kwaschik und das Bühnenbild von Thomas Döll - mit zahlreichen Utensilien im Strickdesign - beflügeln die Fantasie und sind auf der Großen Bühne bestens aufgehoben. Elija Kaufmann, mit Marimbaphon, Xylophon, Gong, Trommel und allerlei weiterem Schlagwerk ausgestattet, zaubert den Sound zur märchenhaften Geschichte, in der sich der kleine Jacob im Namen seiner Eltern von einem Fisch immer üppigere Wünsche erfüllen lässt. Der Unterschlupf der bitterarmen Familie weicht einem Haus, dann einem Schloss samt Personal und am Ende ist den Nimmersatten dann doch alles zu viel und zu laut und sie kehren mit des Fisches Hilfe, den das Wünscheerfüllen erkennbar geschwächt hat, wieder zu ihren bescheidenen Ursprüngen zurück. Geld macht eben nicht glücklich und Besitz kann auch Belastung sein - so viel ist klar.

Neue Musik trifft altes Märchen

Sofia Pavone, die bei der Premiere nur auf eine Krücke gestützt auf die Bühne kommen konnte, schlüpft mit Verve in die Rollen von Eltern und Kind. Sie singt, erzählt und zaubert allerlei Requisiten aus einer großen Kiste hervor und es ist eine große Freude, ihr dabei zuzuhören und zuzusehen. Die Musik, mit ihren zeitgenössischen Tonfolgen und in schöner Übereinstimmung mit den zuweilen gereimten Versen, kommt trotz ihrer Komplexität gut an. Und ein kleiner Fingerzeig von Pavone genügt, schon erheben sich im Saal der Hände und Stimmen der Kinder, um das zunehmend aufgewühlte Meer in Szene zu setzen. Ein echtes Stück »Gold« für die jüngeren Theaterfans.

Die nächste Vorstellung ist am Sonntag, 31. Oktober, um 11 Uhr im Großen Haus, weitere sollen folgen.

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Rubriklistenbild: © Karola Schepp

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