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Medizinische Hilfe: In neuer Halle in Gießen werden Geflüchtete versorgt

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Von: Christoph Hoffmann

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Um Geflüchtete in Deutschland medizinisch versorgen zu können, wurde in Gießen nun extra eine Leichtbauhalle errichtet.

Gießen – Knapp 1500 Menschen sind derzeit in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen untergebracht. Einige von ihnen sind auf medizinische Hilfe angewiesen. Das Regierungspräsidium hat daher eine Leichtbauhalle errichten lassen und damit die medizinische Kapazität erweitert.

Die Sonne knallt auf den Gießener Osten. In der grauen Halle, die seit Kurzem auf dem Areal der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung (EAEH) in der Rödgener Straße steht, ist es jedoch angenehm kühl. Das ist aber nicht der Grund, warum die Frauen und Männer an diesem Nachmittag gekommen sind.

Medizinische Hilfe für Geflüchtete: In Gießen wurde dafür extra eine Halle errichtet

Die neue Leichtbauhalle dient der medizinischen Versorgung der Geflüchteten. »Wir haben bei uns jeden Tag 80 Arzt-Patienten-Kontakte, 20 bis 30 hier in der Leichtbauhalle«, sagt Teamleiterin Annegret Heikkinen am Dienstag bei einem Rundgang, an dem auch Regierungspräsident Christoph Ulrich, Einrichtungsleiter Manfred Becker und Koordinatorin Henriette Heine teilnehmen.

Etwa 1500 Menschen sind aktuell in der Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht. Jeden Tag werden Geflüchtete verlegt, andere werden aufgenommen. »Alleine aus der Ukraine kommen pro Tag zwischen 50 und 100 Menschen hier an«, sagt Becker.

Gießen: Medizinisches Personal hat häufig mit psychischen Leiden Geflüchteter zu tun

Die niedergelassenen Hausärzte könnten so viele Menschen nicht zusätzlich versorgen, zumal die Sprachbarrieren in vielen Fällen für Komplikationen sorgen würden, sagt Becker. Daher gibt es auf dem EAEH-Gelände schon lange eine Ambulanz, die auch mit einem Labor sowie Röntgen- und Ultraschallgeräten ausgestattet ist.

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Medizinische Hilfe für Geflüchtete: Christoph Ulrich, Annegret Heikkinen, Henriette Heine und Manfred Becker bei der Besichtigung der neuen Leichtbauhalle in Gießen. © Christoph Hoffmann

Die neue Halle hat das Regierungspräsidium errichten lassen, um den Patientenfluss verbessern und somit für eine Entzerrung in Zeiten der Pandemie sorgen zu können. »Hier sollen vor allem leichtere Fälle versorgt werden, um Kapazitäten in der Ambulanz für schwerere Fälle zu ermöglichen«, sagt Becker.

Eine Flucht ist für viele Menschen traumatisch. Kein Wunder also, dass das medizinische Personal häufig mit psychischen Leiden konfrontiert wird. »Zudem haben wir auch Krankheitsbilder, die man in Deutschland nur aus dem Studium kennt«, sagt Heikkinen und erinnert sich an ein Kind aus Äthiopien, das an der Mondscheinkrankheit litt. Nicht zuletzt würden auch vermehrt Menschen mit sehr schweren Krankheiten wie Krebs im Endstadium in der EAEH ankommen.

In der neuen Halle in Gießen können Geflüchtete auf 300 Quadratmetern medizinisch behandelt werden

In diesen Fällen seien mitunter nicht Krieg oder politische Verfolgung Grund der Flucht gewesen, sagt RP Ulrich, sondern die Hoffnung auf Heilung. Solche Erkrankungen seien natürlich Fälle für den Facharzt, sagt Heikkinen und betont, dass solche Besuche vom medizinischen Team vermittelt würden.

In der neuen Leichtbauhalle werden auf einer Fläche von 300 Quadratmetern vor allem klassische Krankheitsbilder behandelt, die in jeder Hausarztpraxis aufschlagen. Alle schwerwiegenden Leiden, Behandlungen von Kindern und Babys sowie das Planen von Facharztterminen erfolgen weiterhin in der Ambulanz im Nachbargebäude.

Geflüchtete in Gießen: Zur medizinischen Versorgung gehören auch Corona-Tests

Drei angestellte Ärzte gehören zum Team, bei hohen Belegungszahlen versorgen die Johanniter die HEAE mit zusätzlichem Personal. »Außerdem haben wir permanent etwa zehn Dolmetscher im Einsatz«, sagt Heikkinen. Die Übersetzer würden in einem separaten Raum sitzen und bei Bedarf gerufen.

Neben zwei Behandlungszimmern, einer Aufnahme und einen großzügigen Wartebereich ist in der Halle auch ein abgetrennter Raum geschaffen worden, in dem Covid-19-Abstriche entnommen werden. Die damit beauftragten Mitarbeiter haben viel zu tun: Laut Becker wird bei jeder Ankunft und vor jeder Verlegung ein Corona-Test gemacht, natürlich auch bei einschlägigen Symptomen. »Pro Tag kommen so schnell über 300 Tests zusammen«, sagt Becker. Dieses engmaschige Konzept funktioniert offenbar: Laut dem Einrichtungsleiter wurden am Montag lediglich vier positive Fälle verzeichnet. (Christoph Hoffmann)

Auch auf andere Art und Weise setzen sich Menschen für die Flüchtlingshilfe ein. Zudem stellt der Gießener Kreistag für den Bau neuer Flüchtlingsunterkünfte 15 Millionen Euro bereit.

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