Zahlen sind sein Metier - Prof. Albrecht Beutelspacher, Leiter des Mathematikums, hatte selbst viel Spaß beim Entwerfen der Mathe-Rätsel für die GAZ. FOTO: SEG
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Zahlen sind sein Metier - Prof. Albrecht Beutelspacher, Leiter des Mathematikums, hatte selbst viel Spaß beim Entwerfen der Mathe-Rätsel für die GAZ. FOTO: SEG

Gießener Mathe-Museum

Mathematikums-Chef Beutelspacher: "Ich knobel, also bin ich"

  • vonSebastian Schmidt
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Professor Albrecht Beutelspacher hat den Lesern dieser Zeitung mit seinen täglichen Mathe-Rätseln in der Zeit der Pandemie ein wenig Ablenkung beschert. Nach über 120 Knobelaufgaben geht die Rätsel-Serie jetzt zu Ende.

Riddler", zu deutsch der Rätselsteller, ist der Name eines berüchtigten Widersachers von Batman. In seinem grünen und mit unzähligen Fragezeichen versehenen Anzug spickt er jedes seiner Verbrechen mit Rätseln. Seine Knobelaufgaben sind das Markenzeichen des "Riddlers" in Gotham City. Gießens Experte für Rätsel hat weder einen fiesen Spitznamen, noch einen grünen Anzug an. Und er begeht wohl auch keine Verbrechen. Prof. Albrecht Beutelspacher hat sich in der Stadt dennoch einen gewissen Namen gemacht. An erster Stelle, weil er der Leiter des Mathematikums ist. Im Corona-Lockdown aber auch, weil er vielen Lesern mit seinen täglichen Knobelaufgaben in der GAZ eine willkommene Beschäftigung geboten hat. Heute endet die Serie "Beutelspachers Knobelspaß", die von Gießen aus auch Leser der tz in München, in Hamm und Syke erreichte.

Selbstbestätigung durch das Rätseln

Auf die Frage, warum seine Rätsel so gut angekommen sind, gibt der Professor eine philosophische Antwort. "Ich knobel, also bin ich", scherzt Beutelspacher. Das Brüten über einem Rätsel sei ein Zeitvertreib, der einem Selbstbestätigung gebe, erklärt der Leiter des Mitmachmuseums. Gerade in unsicheren Zeiten wie im Moment sei das etwas, was den Leuten gut tue.

Das sei bei ihm übrigens genauso gewesen. Durch den Lockdown und die Schließung des Mathematikums habe auch er viel weniger zu tun gehabt, erklärt der Professor. Da sei das Entwerfen der Rätsel eine willkommene Beschäftigung gewesen. Beutelspacher sagt: "Es hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht" - und fügt nach einer kleinen Pause an: "Aber es ist auch gut, dass ich jetzt eine Verschnaufpause bekomme." Nach über 120 Rätseln hat er sich die auch wohlverdient.

Der Anfang sei ihm leicht gefallen. "Die ersten 30 Rätsel waren schnell erstellt", erklärt der Mathematiker. Danach wurde es aber immer aufwändiger. Die Rätsel sollten nämlich abwechslungsreich sein und immer wieder andere Lösungsstrategien erfordern und andere Geschichten erzählen. Das sei richtig Arbeit gewesen, manchmal habe er bis zu zwei Stunden an einem Rätsel gefeilt.

Die Arbeit, die sich der Museumsdirektor gemacht hat, ist bei den Lesern gut angekommen. "Das viele Feedback ist einfach klasse", sagt er. Über jede einzelne Rückmeldung, die er bekomme, freue er sich sehr.

Aus GAZ-Serie wird Rätselbuch

Im Mathematikum und in der Redaktion sind zahlreiche Einsendungen eingegangen - vor allem, wenn Leser vermeintliche oder tatsächliche Fehler in den Rätseln entdeckt hatten. Der Professor erinnert sich, dass er bei einem Rätsel verwechselt habe, dass Eisbären am Nord- und nicht am Südpol leben. Er lacht und sagt: "In Mathe eine Eins, aber in Bio..." In seiner Mathematiker-Ehre verletze ihn ein Fehler aber nicht - selbst wenn der Fehler im mathematischen Teil eines Rätsels stecke. "Wichtig ist, eine zündende Idee beim Rätseln zu haben", sagt Beutelspacher. Wie so oft im Leben, sei der Weg das Ziel. Und wenn er sich - wie geschehen - bei der Lösung einer Aufgabe, in der man die richtige Anzahl Dreiecke erkennen sollte, verzählt habe, dann mache das Rätsel den Menschen trotzdem Spaß.

Einen Fehler muss auch die Redaktion auf ihre Kappe nehmen. Beim Gestalten eines Rätsels rutschte die Fragestellung des vorangegangenen Rätsels in den Textrahmen. Frage und Antwort passten daher ganz und gar nicht zusammen. Heute liefern wir dieses "verunglückte" Rätsel nach (siehe unten auf dieser Seite).

Das Thema Rätsel will Beutelspacher aber nicht ganz zur Seite legen. Noch ist zwar kein Vertrag unterschrieben, aber der Mathematiker arbeitet bereits an einem Rätselbuch. Die Idee kam während der Arbeit an den Aufgaben, die Knobeleien aus der GAZ-Serie werden daher in dem neuen Buch enthalten sein. Diesmal thematisch sortiert. Es gibt also Hoffnung für Fans der Rätsel.

Einen Lichtblick sieht auch das Mathematikum. Zwar befinden sich immer noch Mitarbeiter in Kurzarbeit, die ausländischen Besucher und die Kinder des Ferienprogrammes fehlen, aber wenigstens die heimischen Besucher kommen wieder. "Trotz Corona und gutem Wetter haben wir gerade etwa 100 Besucher pro Tag im Haus", sagt Beutelspacher, der sich über ein paar mehr aber auch sehr freuen würde. "Wie alle Museums-Betreiber hoffen wir auf Regen. Dann steigen die Besucherzahlen von alleine."

Karikaturist Bosc zu sehen

Im Mathematikum wird zur Zeit eine Ausstellung des Karikaturisten Jean Bosc gezeigt. Am 25. August, 9. September und 24. September jeweils um 17 Uhr gibt es dazu noch einen einführenden Vortrag von der Kuratorin der Ausstellung. Wer sich den Anhören möchte, muss sich aber vorher im Internet unter mathematikum.de registrieren.

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