Das Mathematikum lockt Besucher aus aller Welt nach Gießen. FOTO: DPA
+
Das Mathematikum lockt Besucher aus aller Welt nach Gießen. FOTO: DPA

Das Mathematikum zieht Touristen aus aller Welt an

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
    schließen

Das Mathematikum ist weit über die Grenzen Deutschlands bekannt. Menschen aus mindestens 68 Ländern haben das Museum in den Sommerferien 2019 besucht. Ein Land in Asien liegt an der Spitze.

Ross Aspauza hat im Mathematikum Geschichte geschrieben. Die 31-jährige Peruanerin war am 19. November des vergangenes Jahres der 2 222 222. Gast in Gießens Vorzeigemuseum. Als Mann der Wissenschaft ist Prof. Albrecht Beutelspacher natürlich bewusst, dass die südamerikanische Herkunft der Jubiläumsbesucherin kein Beleg für die Internationalität der Einrichtung ist. Es hätte auch ein Müller, Meier oder Rinderknecht sein können. Der Museumsleiter weiß aber auch, dass Besucher aus dem Ausland keine Ausnahme, sondern die Regel sind. Dafür muss er nur einen Blick in die Statistik werfen. "Allein in den Sommerferien 2019 hatten wir Besucher aus mindestens 68 Ländern", sagt Beutelspacher. Zum Beispiel Tansania, Albanien, Kolumbien, Burkina Faso, Neuseeland oder Singapur.

Aus touristischer Sicht ist das Mathematikum also ein Hauptgewinn für Gießen. Das weiß auch Frank Hölscheidt, der Chef der heimischen Wirtschaftsförderung. "Das Mathematikum ist einer der wichtigsten touristischen Anziehungspunkte in Gießen und überregional bekannt. Aus ganz Deutschland kommen Gäste gezielt wegen dem Mathematikum in die Stadt, wodurch auch die anderen touristischen Betriebe profitieren." Klar: Die Besucher des Mathematikums kaufen nicht nur Eintrittskarten, sie übernachten auch in Hotels, gehen Essen, fahren mit dem Bus oder shoppen im Seltersweg.

"Great fun", "a highlight for each family member", "super cool scientific stuff": Die Bewertungen auf dem weltweit größten Reiseportal "Tripadvisor" überschlagen sich mit Lobeshymnen über das Mathematikum. Die Einrichtung steht unangefochten auf Platz Eins der beliebtesten Gießener Sehenswürdigkeiten, von 203 internationalen Bewertungen kommen 154 auf "Excellent" und 44 auf "very good".

Wie viele Touristen tatsächlich das Museum besuchen, wissen die Verantwortlichen nicht. "Wir fragen die Besucher lediglich in den Sommerferien nach ihrer Herkunft", sagt Beutelspacher. 2019 kamen die meisten ausländischen Besucher aus China (129). Das heißt: An 27 Prozent aller Ferientage bestaunten Chinesen die Experimente. Amerikaner konnte man sogar an jedem zweiten Tag antreffen. Von den insgesamt fast 15 000 Besuchern kamen rund 13 Prozent aus dem Ausland.

Die Gründe, warum Menschen ins Mathematikum kommen, seien vielfältig, sagt Beutelspacher. "Wenn etwa Verwandte aus Mexiko zu Besuch sind, will man ihnen etwas bieten." Die Universität sorge ebenfalls für eine große Zahl an auswärtigen Besuchern. Beutelspacher betont aber, dass die Internationalität des Hauses beileibe nicht nur mit Zufallsbesuchen zu erklären sei. "Wir haben auch viele ausländische Gäste, die gezielt ins Mathematikum kommen." Der Museumsleiter erinnert sich zum Beispiel an eine Lehrergruppe aus Barcelona, die extra nach Frankfurt geflogen sei, um das Mathematikum zu besuchen. "Sie sind Sonntag angekommen, Montag waren sie den ganzen Tag im Museum, und Dienstag sind sie wieder zurückgeflogen."

Wie die Zahlen in diesen Sommerferien ausfallen, ist ungewiss. Schließlich hat die Corona-Pandemie den weltweiten Tourismus durcheinandergewirbelt. Das Mathematikum könnte jedoch von einem Trend profitieren, der vielen deutschen Einrichtungen Hoffnung macht. Urlaube in der Heimat sowie Kurztrips in der Region sind derzeit für viele Menschen attraktiver als Flüge in die Ferne. Dabei sind die deutschen Urlauber schon jetzt die größte Besuchergruppe des Mathematikums.

"Schulklassen haben im Schnitt eine Stunde Anfahrt zu uns", sagt Beutelspacher. In den Sommerferien 2019 seien alleine aus Nordrhein-Westfalen 1000 Menschen in das Museum gekommen. Aus Bayern waren es zirka 800, aus Rheinland-Pfalz immerhin 550.

Gut möglich also, dass der nächste Jubiläumsbesucher auf den Namen Moser oder Kortenstedde hört. Es wäre aber auch kein Wunder, wenn es ein Gonzalez, Taylor oder Wang werden würde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare