Mathe-Olympiade-Siegerin Lisa Sauermann plauderte über ihr Talent

Gießen (son). Mit gerade mal 17 Jahren war Lisa Sauermann der jüngste Gast auf "Beutelspachers Sofa" im Mathematikum. Und die Schülerin hat schon eine beachtliche mathematische Karriere vorzuweisen. Zuletzt gewann sie die Goldmedaille bei der 50. Internationalen Mathematik-Olympiade (IMO) in Bremen.

Die Dresdnerin gehört zu der kleinen Gruppe von drei Teilnehmern, die eine der schwierigsten Aufgaben der IMO-Geschichte mit Bravour gelöst hatten. Die Zuhörer erlebten eine junge Frau, die mit freundlicher Zurückhaltung und zugleich ehrlicher Freude an der Mathematik das Publikum und auch den Interviewer für sich einnahm. Leider waren die Stuhlreihen nur spärlich besetzt.

Die Liebe zur Mathematik wurde Lisa Sauermann praktisch in die Wiege gelegt. Ihre Mutter, eine Naturwissenschaftlerin und selbst Teilnehmerin bei Mathe-Olympiaden, nahm früh Lisas Faszination für Zahlen und Knobelaufgaben wahr und förderte ihre Tochter. Bereits in der Grundschule konnte sie Olympiaaufgaben für Fünftklässler lösen. Seit ein paar Jahren können die Eltern allerdings nicht mehr mit ihrer Tochter mithalten. Daher lerne sie jetzt meistens allein zu Hause. "Wir spielen immer noch gerne gemeinsam Brett- und Gesellschaftsspiele", sagte sie. Das Spielen fördere das Verstehen von abstrakten Systemen und strategisches Denken. Auch das Verlieren lerne man. "Als kleines Mädchen bekam ich noch Schreikrämpfe, wenn ich verlor, heute ist das nicht mehr so", lachte sie. Bereits in der Grundschule nahm Lisa an der Deutschen Mathematikolympiade teil und erreichte auf Anhieb die Regierungsbezirks-Runde. Das gab ihre einen Motivationsschub, und im Folgejahr gewann sie den Wettbewerb.

Im Deutschen Team der IMO ist sie seit drei Jahren dabei. Im vergangenen und in diesem Jahr gab es eine Goldmedaille.

Mathe sei ihre liebste Freizeitbeschäftigung, sie büffele aber nicht stundenlang vor schwierigen Aufgaben. Nur vor dem großen Wettbewerb übe sie mehrere Stunden am Tag Olympiaaufgaben und bereite sich in den dafür angebotenen Kursen vor, sonst mache sie das eher nebenher. Am liebsten sind ihr Kombinatorik-Aufgaben, deren Lösungen sich durch kreatives Denken und geschickte kleine Ideen offenbaren und weniger durch mathematische Sätze wie in der Geometrie. Den an den Schulen vermittelten Mathematikunterricht sieht Sauermann, die ein Gymnasium mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Profil besucht, eher kritisch: "In der Schule lernt man eigentlich gar keine Mathematik", sagte sie. Die Schüler müssten vielmehr stundenlang nach irgendwelchen Regeln und auswendig gelernten Anwendungen Rechenaufgaben lösen. "Mathematik ist aber kein Kochbuch, bei dem man Rezepte auswendig lernen muss", sagte Lisa und hatte auch gleich die Lösung parat: "Man sollte einfach den Spaß am Denken wecken."

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