Eine Treppe führt zu einem dunklen Tunnel.
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Der „Schmuddeltunnel“ in Gießen verbindet mit der Treppe Bahnhof- und Sieboldstraße.

Live-Videoüberwachung

Maßnahmenpaket gegen sexuelle Übergriffe in Gießens „Schmuddeltunnel“ kommt

  • Burkhard Möller
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Nach sexuellen Übergriffen in einer Gleisunterführung beschließt das Gießener Stadtparlament ein Maßnahmenpaket. Ein anderes Problem bleibt aber vorerst ungelöst.

Gießen – Persönliche Erfahrungen zu einem Thema beitragen zu können, ist eine Stärke der Kommunalpolitik. Auf diese Form der Bürgernähe hätte die neue Grünen-Stadtverordnete Jana Widdig aber bestimmt gerne verzichtet. »Ich bin als Anwohnerin auch von verbalen und tätlichen Belästigungen betroffen«, schilderte die 24-jährige Studentin am vergangenen Donnerstagabend im Stadtparlament ihre Erfahrungen mit dem Fußweg, der entlang der Wieseck die Bahnhofstraße mit der Sieboldstraße verbindet.

Gleisunterführung in Gießen: Sexueller Übergriff Anfang Mai kein Einzelfall

Zuletzt war dort Anfang Mai eine junge Frau Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden. Kein Einzelfall. »Das reicht von Catcalls bis zu tätlichen Angriffen«, berichtete Widdig. Frauen durchschritten den Bereich mit gesenktem Kopf, um nicht auf sich aufmerksam zu machen. Es bestehe »dringender Handlungsbedarf«, um die Sicherheit zu verbessern.

Gemeinsam mit ihrem Fraktionskollegen Marvin Fritsch hatte Widdig daher einen Antrag für die Stadtverordnetenversammlung formuliert und darin die Installierung eines sogenannten LISA-Systems angeregt. LISA steht für »Livebild- und Sprechverbindung auf Abruf« und ist im Grunde eine Videoüberwachung auf Knopfdruck. Wer einen mit LISA ausgestatteten Bereich betritt, kann Kameras und ein akustisches Signal aktivieren. Die Live-Bilder gehen bei der Leitzentrale der Feuerwehr ein, die im Notfall Polizei und Rettungsdienst alarmieren kann. Auf das System, das bislang zum Beispiel im »Jägertunnel« in Marburg installiert wurde, wird mit einer auffälligen Beschilderung hingewiesen.

Gießens „Schmuddeltunnel“ soll Live-Videoüberwachung bekommen

Damit rannten die Grünen bei den anderen Fraktionen, die den Antrag noch ergänzten, offene Türen ein. So soll die Maßnahme zur Verbesserung der Sicherheit in das Landesprogramm KOMPASS (Kommunalprogrammsicherheitssiegel) eingebunden werden. Günther Helmchen (Freie Wähler) regte an, den Schmuddeltunnel unter den Bahngleisen kurzfristig besser auszuleuchten und grellweiß zu streichen.

»Wir brauchen hier eine schnelle Lösung. Wir wissen doch alle, wie lange so eine Installierung von Kameras dauert«, sagte Helmchen. Die CDU wiederum will es nicht allein bei einer Verbesserung der Sicherheit belassen, sondern mahnte eine »zeitnahe« barrierefreie Umgestaltung des Fußwegs an, damit er auch von Radfahrern genutzt werden kann. Die müssen derzeit noch ihr Rad am Eingang Sieboldstraße eine vierzehnstufige steile Treppe hinabschleppen oder auf eine Schiene setzen, die neben den Stufen verläuft. Für Rollstühle, Lastenräder oder Räder mit Anhänger sowie Kinderwagen ist die Hürde unüberwindlich.

Gießen: Barrierefreie Verbindung zwischen Siebold- und Bahnhofstraße

Und im Moment sieht es nicht danach aus, dass die zwei Meter Höhenunterschied zwischen dem Niveau Sieboldstraße und der Bahnhofstraße auf absehbare Zeit überwunden werden können. Die Denkmalschutzbehörden lehnten einen Abriss des historischen Eisenbahnviadukts nach wie vor ab, erklärte Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne). Vielleicht könne ein »neuer Vorstoß mit Sicherheitsargumenten« etwas bewegen, fügte sie hinzu. Die barrierefreie Verbindung zwischen dem neuen Wohngebiet am früheren Güterbahnhof und der Bahnhofstraße sei »dringend notwendig«.

In einem ersten Bauabschnitt hatten die Stadt und die Investoren des Wohngebiets vor zwei Jahren die Wieseck naturnah und attraktiv umgestaltet und den Fuß- und Radweg tiefergelegt. Der zweite Bauabschnitt indes, der den Weiterbau des Wegs unter den Bahngleisen hindurch vorsah, liegt auf Eis.

Kriminalität rund um Gießens „Schmuddeltunnel“ nahm in den letzten Jahren zu

In den vergangenen Jahren verschärften sich die Probleme mit der Kriminalität in dem Bereich, wie sich an einer Häufung von Polizeimeldungen ablesen lässt. Neben sexuellen Übergriffen kam es zu Beschaffungsdelikten wie beispielsweise Handtaschendiebstahl und Raub durch Drogenabhängige.

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