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Im Sawan Spa können sich Kunden seit Montag wieder verwöhnen lassen.

Lockdown-Lockerung

Gießen: Massagesalons, Tätowierer und Nagelstudios öffnen – „Leute verunsichert“

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Seit Montag dürfen auch die Geschäfte öffnen, die sogenannte körpernahe Dienstleistungen anbieten. Dazu zählen Tätowierer, Nagelstudios oder auch Massagesalons. So unterschiedlich ihre Angebote sind, so einig sind sich die Gießener Betreiber: Sie sind froh, wieder loslegen zu dürfen.

Gießen – Seit vier Monaten ist das Sawan Spa an der Neuen Bäue geschlossen. Wie soll es dem Inhaber und den Mitarbeitern schon gehen bei einer solchen Durststrecke? Inhaber Jürgen Heim klingt erschöpft, aber irgendwie doch froh, dass er seit Montag wieder arbeiten kann. Eigentlich darf er bereits seit dem 1. März in seinem Massagesalon Hand- und Fußpflege anbieten. Aber das scheint bei all der Freude über die Öffnung der Friseure untergegangen zu sein. Nach der jüngsten Corona-Verordnung dürfen seit Montag sogenannte körpernahe Dienstleistungen wieder angeboten werden. Unter anderem können Massagesalons, Tätowierer und Nagelstudios wieder öffnen.

Heim betont, dass die vergangenen Monate keine einfache Zeit gewesen seien - zum Beispiel für die Mitarbeiter. »Die Kurzarbeit hat zwar meistens gut funktioniert. Aber wir konnten Aushilfen nicht mehr halten, und einige Mitarbeiter, die in Kurzarbeit waren, haben sich anderweitig orientiert.« So steht Heim vor der Herausforderung, mit der Öffnung seines Geschäfts neue Mitarbeiter zu suchen.

Gießen: Hygiene-Konzepte gab es schon vor dem Lockdown

Hinzu kommen die finanziellen Einbußen. Heim nennt als Beispiel den Gutscheinverkauf zu Weihnachten. Der betrug nur zehn Prozent von dem, was er sonst verkaufen würde, »und nach Weihnachten ist der Gutscheinverkauf komplett zum Erliegen gekommen«. Außerdem: Heims Mitarbeiter dürfen wegen der Hygienevorgaben nur etwa 50 Prozent weniger Kunden bedienen. Bei alldem bleibt die Ladenmiete gleich.

Immerhin: Heim und sein Team müssen keine größeren Umbauarbeiten leisten, um loszulegen. Die meisten Veränderungen habe es bereits vor dem erneuten Lockdown gegeben: FFP2- oder OP-Masken, Hygieneplan, Desinfektions- und Lüftungszeiten. Und alles geht über Terminvergabe, um den Kundenstrom zu steuern. Wobei der bisher ausgeblieben ist. »Es kommen zwar Anfragen, aber nur verhalten«, sagt Heim am Mittwoch. Fast alle Anrufer würden zunächst fragen, ob das Spa tatsächlich geöffnet habe. »Das zeigt, wie verunsichert die Leute sind. Sie haben noch den Satz im Kopf, dass der Lockdown bis zum 28. März verlängert wird.«

Gießen: Neben Umsatz auch Kunden vermisst

Nadine Scheu betreibt seit 2014 das Nagelstudio Lagunis Nails in der Straße Am Steckelchen in Lützellinden. Wie Heim freut auch sie sich für die gesamte Branche, dass es wieder losgeht. »Ich habe den Kundenkontakt vermisst«, sagt sie. »Ich will wieder das tun, was mir Spaß macht: Kreativ sein und Menschen eine Freude bereiten.« Die Hygienestandards, betont sie, seien bereits vorher hoch gewesen.

Wie bei Heim im Massagesalon sind die Anpassungen marginal: Bei Scheu wird immer nur eine Kundin auf einmal bedient. Hände waschen, Desinfektion, FFP2- und OP-Masken sind Pflicht - und jede Kundin bekommt ihr eigenes Besteck. Die Inhaberin des Nagelstudios bittet ihre Kundinnen, lieber einen Termin abzusagen, sollten sie sich nicht wohlfühlen oder Erkältungssymptome haben. Scheu erzählt, dass sie im Lockdown oft gefragt worden sei, ob sie auch privat die Nägel machen könne. »Ich habe abgelehnt«, sagt sie. »Ich führe schließlich einen Meisterbetrieb.«

Gießen: Tätowierer kann sich vor Anfragen kaum retten

Klaus Kummers Metier sind nicht Nägel, sondern Nadeln. Seit Montag kann der Tätowierer aus dem Clownfish-Studio in der Schulstraße endlich wieder seiner Arbeit nachgehen. »Das hat mir gefehlt, auch die Atmosphäre im Studio. Gleichzeitig habe ich mich aber auch sehr an die Familienzeit gewöhnt.« Doch nun heißt es erst einmal Geld verdienen. Da seine Ehefrau selbstständige Friseurin sei, hätte der Lockdown ein erhebliches Loch in die Kasse gerissen. »Und die Hilfen waren nicht nur kompliziert zu beantragen, sie sind auch sehr verspätet ausgezahlt worden.«

Aber nicht nur Kummer freut sich auf das Tätowieren, sondern auch die Kundschaft. »Wir werden derzeit mit Anfragen überflutet. Neukunden können wir momentan gar nicht annehmen, da wir noch die ausgefallenen Termine nachholen müssen.« Und zu weit in die Zukunft wolle er die Termine auch nicht legen, sagt Kummer, schließlich drohe bei einem Anstieg der Inzidenz die erneute Schließung.

Im Tattoostudio sieht Kummer jedoch kein erhöhtes Infektionsrisiko. Jeder, der den Laden betrete, müsse eine medizinische Maske tragen und sich die Hände desinfizieren. Begleitpersonen seien Tabu, Beratungsgespräche und Gutscheinverkäufe würden online oder telefonisch erfolgen. »Und die Maske bleibt auch beim Tätowieren auf. Hals und Gesicht machen wir daher momentan nicht.«

Die Kollegen aus der Branche der körpernahen Dienstleistungen werden Kummer sicher zustimmen, wenn er sagt: »Es ist eine wunderbare Geschichte, dass wir endlich wieder loslegen können.«

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