Maschinen für Bergwerke und Häfen weltweit

Gießen (kw). Absolutwertgeber, Grenzdrehzahlschalter, Gleichstrom-Tachometer-Dynamo: Die Produktpalette der Johannes Hübner GmbH lässt vermutlich manchen ratlos mit den Schultern zucken, selbst wenn er oder sie einst im Physikunterricht keine totale Niete war.

Gießen (kw). Absolutwertgeber, Grenzdrehzahlschalter, Gleichstrom-Tachometer-Dynamo: Die Produktpalette der Johannes Hübner GmbH lässt vermutlich manchen ratlos mit den Schultern zucken, selbst wenn er oder sie einst im Physikunterricht keine totale Niete war. Für die Allgemeinheit leichter verständlich sind andere Daten aus der Erfolgsgeschichte der "Fabrik elektrischer Maschinen": Seit rund vier Jahren verzeichnet das Gießener Unternehmen zweistellige Zuwachsraten, im vergangenen Jahr hat es 16 Millionen Euro umgesetzt und seinen Mitarbeiterbestand von 60 auf 76 aufgestockt. Entwickelt und hergestellt werden die Geräte in Gießen an der Siemensstraße. "Beeindruckend", staunte Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann dieser Tage, als er die Firma im Schiffenberger Tal besuchte und dabei von weiteren Ausbauplänen erfuhr.

Der Name Johannes Hübner sei in der Welt viel bekannter als in Gießen, sagte Geschäftsführer Dieter Wulkow, der das Unternehmen zusammen mit seinen Kollegen Karl Nikolai und Oliver Rüspeler vorstellte. Denn in der heimischen Region gebe es kaum Schwerindustrie. Und für die fertigt die Firma hochtechnologische Nischenprodukte.

Hübner-Erzeugnisse stecken in chilenischen Kupferminen und im deutschen Kohleabbau, steuern Containerkräne in den bedeutenden Häfen der Welt, lassen Züge mit Neigetechnik fahren, trugen bei zum Gelingen des tiefsten Bohrlochs der Welt in Windisch-Eschenbach und sind im Einsatz in der Papierindustrie.

1934 in Berlin gegründet, zog die Firma wegen Transitproblemen 1962 nach Gießen. Das lag günstig, da die Kunden damals vor allem in Deutschland saßen; außerdem bot die Gießener Wirtschaftsförderung eine Halle in der Siemensstraße an. Auch heute noch sei Gießen ein guter Standort, obwohl die Mitarbeiter sehr viel reisten, sagte Wulkow - die Exportquote liege mittlerweile bei 70 Prozent, die wichtigsten Zukunftsmärkte seien Brasilien, Russland, Indien und China. Läge die Firma näher an einem Großflughafen, so wäre die Gefahr von Industriespionage größer.

Ingenieure von außerhalb für Mittelhessen zu gewinnnen, sei allerdings nicht einfach. Die meisten Mitarbeiter stammten daher aus der Region, so der Geschäftsführer, der darauf hinwies, dass die Johannes-Hübner-Stiftung den Nachwuchs in hessischen - und auch den beiden Gießener - Hochschulen fördert. "Wir brauchen die Besten", denn Ziel sei stets, Weltmarktführer zu werden - und das gelinge auch meist. Das Unternehmen setze auf ständige Innovation statt auf Patentanmeldungen. Eigene Forschung trage ebenso dazu bei wie eine Erfolgsbeteiligung für die Mitarbeiter. Schon Schulpraktikanten würden bestmöglich betreut, müssten aber auch hohe Ansprüche erfüllen.

Angepeilt seien 25 Millionen Euro Umsatz und rund 100 Mitarbeiter im Jahr 2015 - ein Ende des Wachstums sei also nicht in Sicht. Und das gelte auch für die Gebäude, machten die Geschäftsführer deutlich. Nach mehreren Neubauten - die die Stadt immer sehr schnell genehmigt habe - seien nun Aufstockungen um eine weitere Etage nötig, andernfalls müsse man sich ein neues Gelände "irgendwo auf der grünen Wiese" suchen. Außerdem fehlten Parkplätze.

"Wir wollen uns weiter um Sie kümmern", versprach Haumann und würdigte die Firma als "Botschafter der Stadt". Sabine Wilcken-Görich, Leiterin der Abteilung Wirtschaftsförderung bei der Stadtverwaltung, hatte den Besuch vorgeschlagen; auch mit dem Ziel, der Firma mehr Bekanntheit zu verschaffen. "Das inflationär gebrauchte Wort ›Exzellenz‹ trifft hier zu", meinte Wilcken-Görich, und der OB nannte den Erfolg der Firma "sensationell".

Dennoch: Keine Rede war von einer Umbenennung der Siemensstraße. Mit der Adresse könne man leben, sagte Wulkow auf Nachfrage augenzwinkernd: Die Siemens AG sei schließlich nicht nur auf einigen Gebieten Konkurrent der Johannes Hübner GmbH, sondern vor allem auch "unser bester Kunde".

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