Beim Batiken können die Standbesucher ihren alten Klamotten neues Leben einhauchen.
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Beim Batiken können die Standbesucher ihren alten Klamotten neues Leben einhauchen.

Mach(s) mit Gießen

Markttreiben und Musik auch ohne Gießener Stadtfest

  • vonChristian Schneebeck
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Die Zehnte Auflage von "Mach(s) mit Gießen" fällt kleiner aus als gewohnt. Warum sich der Besuch des Marktes für die Besucher dennoch gelohnt hat.

Der Fleck von gestern bereichert das Muster von morgen. Das gilt jedenfalls, wenn man mit seiner alten Klamotte am Sonntagnachmittag am Ulenspiegel vorbeischaut. Dort warten, gleich hinter dem Einlass zum zehnten "Mach(s) mit Gießen"-Event, Alina Kern und Annika Happel. "AWEARness" heißt das noch recht junge Projekt der beiden Studentinnen. Worum es geht dabei? Vor allem um Nachhaltigkeit und ein Statement gegen "Fast Fashion", aber auch um die Handarbeit und Spaß. Und konkret darum, dass fleckige T-Shirts nicht etwa für die Tonne sind - sondern für den Eimer.

Für den Farbeimer, um genau zu sein. Kern und Happel laden die Besucher nämlich zum Batiken ein. Ob lila oder orange, eher gestreift oder doch ziemlich marmoriert: Was es bis zum Trocknen auf den Wäscheständer schafft, sieht garantiert top aus. Ihre Initiative für Second-Hand-Kleidung und gegen die Wegwerfgesellschaft haben die Freundinnen Anfang des Jahres ins Leben gerufen. Neulich sollte ein großes Aktionswochenende im "Prototyp" steigen, mit Musik und Workshops. Daraus wurde wegen Corona allerdings nichts. "Jetzt konzentrieren wir uns erst einmal auf kleinere Projekte", erzählt Kern. "Mach(s) mit Gießen" bietet ihnen dafür eine perfekte Gelegenheit.

In Gießen: Marktöffnung lange ungewiss

Dass der Markt, der eigentlich zum Stadtfest-Rahmenprogramm gehört hätte, überhaupt öffnet, war lange unsicher. Am Ende entschieden sich die Veranstalter von "Hausgemachtes" und der "raumstation3539" dafür. "Weil wir gerne wieder etwas machen wollten", sagt Organisator Sönke Müller. Er empfängt jeden Gast mit Zettel und Stift: Name, Adresse, Telefonnummer, man kennt das ja. Gut eine Stunde nach dem Beginn kommt vorerst niemand mehr rein. Denn höchstens 60 Personen dürfen parallel auf das Gelände. Interaktives wie Jonglage und Yoga fällt aus. Statt bis zu 20 Ständen sind es diesmal nur neun - immer mit ausreichend Freiraum dazwischen.

So wirkt die Stimmung ein bisschen gedämpft. Die meisten Besucher schnappen sich einen Stuhl und lauschen der Livemusik, nur wenige bummeln länger an den Stationen entlang. Susanne Müller und ihre Tochter Stella sind dennoch frohen Mutes. Müller macht Konfitüren, Gelees, Liköre und anderes mehr - und verkauft die Köstlichkeiten auf Märkten in der Region. Weil die unlängst fast alle ausgefallen sind, ist es für die Müllers gerade "beschwerlich". Dank Exoten wie "Schwarze Nüsse" und "Kartoffel-Marmelade" oder bei Klassikern á la Himbeere merkt der Feinschmecker indes schnell: In Seuchenzeiten sind Verkäuferin und Kundschaft eigentlich gleichermaßen arm dran.

In Gießen: Zeichnungen und harte Klänge

Erstaunlich reichhaltig wirkt unter dem Strich das stark ausgedünnte Angebot von "Mach(s) mit". Es gibt Zeichnungen und Postkarten, Taschen und Masken, Kissen und Schmuck und so weiter und so fort. Diverse Musikerinnen und Musiker verwöhnen die Ohren nebenher mit sanften und chilligen Klängen, ehe "Sun Zero Zombie Pop" eindeutig die härter Gesottenen anspricht. "Meine Texte sind teils dadaistisch, teils nach dem Zufallsprinzip entstanden", erklärt der Sänger sein kreatives Prinzip. Akustischer Dadaismus trifft auf politisch bedeutsame Handarbeit und kulinarische Exotik.

Streng genommen ist dieser Dreiklang am Sonntag nur eine Momentaufnahme. Andererseits: Er beschreibt die Bandbreite bei "Mach(s) mit Gießen" eigentlich ziemlich gut.

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