Wolfgang Manz nimmt den Applaus entgegen. FOTO: JOU
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Wolfgang Manz nimmt den Applaus entgegen. FOTO: JOU

Markant und temperamentvoll

  • vonSascha Jouini
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Gießen(jou). Für einen niveauvollen Auftakt der Winterkonzerte sorgte Pianist Wolfgang Manz am Sonntag im Hermann-Levi-Saal. Manz, Professor an der Musikhochschule Nürnberg, bot durchweg schwierig zu spielende Kompositionen - und hielt seinem hohen künstlerischen Anspruch stand. In der ersten Programmhälfte widmete er sich Ludwig van Beethoven. Von den sechs Bagatellen op. 126 geriet Nr. 2 besonders gut: Manz spielte das Allegro mit energischem Impuls und fein ausgeloteten Betonungen. Die Interpretation verströmte Hitzigkeit, ohne ins Grobe abzudriften. Während sich Nr. 1 und Nr. 3 noch kantabler vorstellen ließen, traf Manz bei der vierten Nummer vorzüglich den markanten Ausdruck. Im vorletzten Stück arbeitete er Nebenstimmen deutlich heraus und zeigte so den raffinierten Aufbau des Gefüges sehr klar.

Besonders begeisterte das Publikum die berühmte "Appassionata-Sonate" f-Moll op. 57. Voller Temperament steckte die prägnant akzentuierte Interpretation des Allegro-Kopfsatzes. Akkurat meisterte Manz die Ausbrüche. Virtuose Arpeggien und geballte Akkordschläge bereiteten dem Preisträger bedeutender internationaler Wettbewerbe wie Leeds und Brüssel keinerlei Probleme. Hervorzuheben ist, wie er mit seinem wandlungsfähigen Anschlag immer neue Schattierungen zauberte. Souverän spannte Manz beim Andante den gedanklichen Bogen fort hin zum leidenschaftlichen Höhepunkt beim motorisch bestimmten Allegro-Finale; fulminant die Schluss-Steigerung.

Genuss bereitete auch nach der Pause das Stück "Vallée d’Oberman" aus Franz Liszts Zyklus "Années de Pèlerinage", derart klanglich differenziert und mit ausgeprägter poetischer Ader brachte es der Pianist zu Gehör. Die Sehnsucht, die die Musik herüberbrachte, berührte tief. Ähnlich gut mutete die Interpretation der Ballade Nr. 2 h-Moll an - ausgereifter als bei einem früheren Winterkonzert mit Manz. Der sehr gute Gesamteindruck bestätigte sich zum Schluss in "Harmonies du soir" und "Chasse-neige" aus Liszts "Trois Etudes d’execution transcendante". Wie sehr das Publikum die hörenswerten Darbietungen in Krisenzeiten zu schätzten wusste, war am lebhaften Beifall zu spüren. Manz dankte mit Liszts "Consolation" Nr. 3 als Zugabe.

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