Marathon der Chormusik

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Rund 400 Sänger verliehen der Johanneskirche am Samstag bei der langen Nacht der Gießener Chöre eine zauberhafte Atmosphäre. Zahlreiche Besucher kamen, um den Konzerten bis spät in den Abend hinein zu lauschen und selbst mitzusingen.

Das gemeinsame Singen von Menschen hat eine uralte Tradition", sagte Gerhard Schulze-Velmede, der Vorsitzende des Evangelischen Dekanats Gießen, zur Begrüßung. Kaum verwunderlich daher, dass der Chorgesang die Zuhörer von der ersten Minute an in seinen Bann zog. Mit Felix Mendelssohn Bartholdys "Jauchzet dem Herrn, alle Welt" hieß die Kantorei der Johanneskirche die Gäste willkommen.

Im Verlauf des Abends traten zahlreiche weitere große und kleine Kirchenchöre aus dem Raum Gießen auf und boten ein breites Spektrum an geistlicher Musik dar. Und dennoch hätte das Programm kaum vielfältiger sein können: Jeder der knapp 20 Chöre veranstaltete sein eigenes Mini-Konzert von 15 Minuten – mit je eigenem Stil und eigenem Repertoire.

Zumal neben den Kirchenchören auch eine Reihe "weltlicher" Chöre und Gospelchöre auftraten, sodass von Joseph Haydn bis Udo Jürgens alles geboten wurde. Mal sangen die Gruppen im Altarraum, mal von der Empore herab, mal a cappella, mal begleitet von Klavier oder Orgel. Dabei entfalteten einige Stücke durch die hervorragende Akustik der Johanneskirche eine ganz besondere Klangkraft und Magie.

Stehenden Beifall etwa erhielten die Sänger des Evangelischen Kirchenchors Watzenborn-Steinberg, die Mendelssohns Hymne "Hör mein Bitten" mitgebracht hatten. Das Wechselspiel aus dem Chor und dem Sologesang der stimmgewaltigen Sopranistin Jiyoung Lee sorgte für Gänsehaut bei den Besuchern. Ebenfalls umjubelt war der Auftritt des Jugendchors der Johanneskirche, der unter anderem zwei Stücke aus der Filmmusik zu "Die Kinder des Monsieur Mathieu" präsentierte.

Klangkraft und Magie

"Das Programm lässt unschwer erkennen, wie groß die Vielfalt der Chorliteratur, aber auch der Gießener Chöre ist", sagte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz in ihrem Grußwort. Sie freute sich, dass die Nacht der Chöre nach ihrer Premiere in der Petruskirche vor drei Jahren eine Fortsetzung fand und wünschte den Besuchern eine klangvolle Nacht.

Die konnten zwischen den Auftritten kommen und gehen, wie sie wollten. So hatte jeder Gelegenheit, sich sein eigenes Wunschkonzert zusammenzustellen. Viele blieben trotzdem vom Anfang bis zum Ende und genossen alle Auftritte. Nach drei Stunden waren die Zuhörer sogar selbst gefordert und durften beim offenen Singen einstimmen. Mit Gospelklängen leiteten die "Praiseful Voices" aus Großen-Linden anschließend in die nicht minder abwechslungsreiche zweite Hälfte über.

Teilweise stehende Ovationen

Mehr als fünf Stunden dauerte der musikalische Marathon. Organisiert hatten die Veranstaltung maßgeblich die Kantoren Marina Sagorski, Yoerang Kim-Bachmann und Christoph Koerber. Gemeinsam sangen Publikum und Sänger zum Abschluss um 23.15 Uhr das Abendlied "Der Mond ist aufgegangen", bevor sie – noch mit einem leisen Nachhall der Chorgesänge im Ohr – aus der Kirche in die Sommernacht gingen.

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